Eine Katze aus dem Tierheim bekommen, ist oft schwerer als es die hohe Zahl an dort untergebrachten Tieren vermuten lässt. Ute Ströbele aus Tübingen lebt seit mehr als 30 Jahren mit Katzen. Zwei Tiere haben bei ihr bereits ein langes, freies Leben geführt. Als es auf den Bauernhöfen der Region keine Katzenbabys mehr gab, weil viele Tiere kastriert sind, stand für sie fest: Eine Tierheimkatze soll einziehen.
Doch das erwies sich als schwieriger als erwartet. Ströbele sagt, sie habe fünf Tierheime angeschrieben und dennoch kein Tier bekommen. In Tübingen habe sie eine Absage erhalten, in Reutlingen sei die Wohnlage als ungeeignet beschrieben worden, Stuttgart habe lediglich den Eingang ihrer Anfrage bestätigt. Für sie schwer nachvollziehbar, denn sie glaubt, dass man "bei einer Katzenschwemme froh sein sollte, wenn jemand ein Tier aufnimmt".
Tierheime sind voll - Vermittlungen aber anspruchsvoll
Im Tierheim Reutlingen leben nach Angaben von Mitarbeiterin Hondl aktuell rund 60 bis 70 Katzen. Im Sommer seien es sogar über 100 gewesen. Viele der Tiere würden bereits nach kurzer Zeit wieder zurückgebracht, weil Halter sie überfordert adoptieren. Hondl sagt, man merke, "dass da oft gar nicht drüber nachgedacht wird". Vermittelt werde nicht nach Reihenfolge, sondern nach Eignung. Manche Katzen seien krank, andere scheu, viele mit Jungtieren untergebracht oder auf Medikamente angewiesen. Vermittlungen würden deshalb teils Schritt für Schritt vorbereitet und könnten sich über Wochen oder Monate ziehen.
Freigang braucht passende Umgebung
Ein wichtiger Punkt sei bei vielen Anfragen die Verkehrssituation. Freigang funktioniere nur, wenn die Umgebung zu einer Katze passe. Ein Garten schütze nicht automatisch vor Straßenverkehr, weil Katzen klettern könnten und schnell Orientierung entwickeln. Das Tierheim müsse Risiken mitbedenken, solange ein Tier in seiner Verantwortung stehe. Im Tierheim Reutlingen werde zudem nicht durch einzelne Mitarbeiter entschieden. Hondl erklärt, dass drei Kolleginnen Anfragen gemeinsam prüfen, Adressen nachrecherchieren und bei Unsicherheit auch vor Ort anschauen würden. Erst wenn das Gesamtbild stimme, werde vermittelt.
Wie man dennoch zu einer Tierheimkatze kommt
Hondl rät Interessierten, Geduld mitzubringen und regelmäßig nachzufragen. Wer offen bleibe für Charakter, Alter und Aussehen, habe bessere Chancen, weil nicht jede Katze zu jeder Wohnlage passe. Es könne außerdem helfen, mehrere Tierheime im Umkreis anzufragen und sich beraten zu lassen, welche Tiere geeignet wären.
Viele Anfragen - wenig einfache Lösungen
Ute Ströbeles Erfahrung ist nicht einzigartig. Viele Menschen möchten ein Tier aus dem Tierheim adoptieren, doch die Praxis ist komplexer, als die hohe Zahl an Katzen vermuten lässt. Einrichtungen müssen Verantwortung tragen, Risiken abwägen und genau prüfen, in welche Umgebung ein Tier passt. Ströbele sucht inzwischen online bei privaten Anbietern weiter und steht auf einer Warteliste.