Martina Berwing dürfte weniger Sorgenfalten auf der Stirn haben als einige ihrer Kollegen. Die Chefin des Gartenhotels Heusser in Bad Dürkheim konnte in diesem Jahr wieder alle Ausbildungsstellen besetzen - wenngleich es nicht mehr so einfach sei wie früher, sagt sie. Aktuell hat das Hotel zehn Azubis und eine duale Studentin.
Im Berufsberatungsjahr 2024/2025 blieben in Rheinland-Pfalz in manchen Branchen viele Ausbildungsstellen offen. Nach Angaben der Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, sind zwei Branchen besonders betroffen: Im Gastgewerbe konnten 33,8 Prozent der gemeldeten Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Im Baugewerbe waren es 37,4 Prozent.
Ausbildung unbeliebter als Studium?
Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz (DEHOGA) betont, dass der prozentuale Anteil der freien Ausbildungsplätze im Gastgewerbe kein Hinweis dafür sei, dass die Branche unbeliebt sei: "Wenn die Anzahl der Azubis zurückgeht, weil nach wie vor viele das Studium präferieren, dann verteilen sich halt diejenigen, die die Ausbildung wollen, auf die Top-Betriebe."
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Weniger Bewerbungen für Ausbildungsstellen
Hotelchefin Martina Berwing erzählt, dass sie weniger Bewerbungen für Ausbildungsstellen bekommt. Das Hotel mit 92 Zimmern bietet fünf Ausbildungsberufe an - unter anderem eine Ausbildung zum Koch, zur Fachkraft Küche und zur Fachkraft in Gastronomie mit Schwerpunkt Restaurantservice. Zudem kooperiert das Hotel mit Hochschulen. Es ist Ausbildungsbetrieb im dualen Studiengang Tourismusmanagment.
"Ich habe das Gefühl, dass viele junge Leute von ihren Eltern in ein Studium gedrängt werden, obwohl sie eigentlich für kein Studium geeignet sind. Man hört öfters, dass gesagt wird, ach, derjenige macht ja ‚nur‘ eine Ausbildung. Die Entwicklung finde ich nicht gut. Manche Leute sind einfach besser für eine Ausbildung geeignet. Manche besser fürs Studium", sagt die Hotelchefin.
Neue Berufe und mehr Geld für Auszubildende im Gastgewerbe
Jugendliche könnten heute zwischen vielen verschiedenen Ausbildungsberufen auswählen, meint Holger Bentz, Ausbildungssprecher für die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Unter anderem wegen der Arbeitszeiten würden sich dann einige gegen das Gastgewerbe entscheiden.
Seitdem die Ausbildung im Gastgewerbe aber 2022 in sieben Berufsbilder aufgeteilt wurde, sei es besser geworden, so die IHK-Arbeitsgemeinschaft. Dass 2024 die Ausbildungsgehälter erhöht wurden, habe sich auch positiv ausgewirkt. Weniger Betriebe würden von Problemen bei der Besetzung von Ausbildungsstellen berichten, als es direkt nach der Corona Pandemie der Fall war.
Allerdings könnten viele Betriebe ihre Ausbildungsstellen vermehrt nur durch Auszubildende aus dem Ausland besetzen.
Vier von zehn Azubis aus dem Ausland
Auch das Hotel aus Bad Dürkheim setzt auf Azubis aus dem Ausland. Ohne sie könnte der Betrieb seine Stellen nicht vollständig besetzen, berichtet Hotelchefin Martina Berwing. Vier ihrer zehn Azubis seien aus dem Ausland - aus Marokko, Indonesien und Vietnam.
Um attraktiv für Azubis und ausgelernte Mitarbeiter zu sein, hat der Betrieb investiert: "Wir haben ein Haus gekauft, es umgebaut und WG-Zimmer und Appartements eingerichtet. Aktuell nutzen die vier Azubis aus dem Ausland die Unterkunft, aber auch minderjährige Azubis aus Deutschland nutzen das Angebot, um sich den Arbeitsweg zu sparen."
Social-Media-Präsenz, Messen und "Karrierenacht"
Darüber hinaus versucht das Hotel durch Medienpräsenz, im Wettbewerb um junge Nachwuchskräfte herauszustechen: "Wir haben unsere Social-Media-Präsenz ausgebaut und sind auf TikTok, Instagram und Facebook präsent. Wir gehen auch an Schulen und stellen unseren Betrieb vor oder üben Bewerbungstraining mit den Jugendlichen“, erzählt Martina Berwing.
Aber auch auf ganz direktem Weg sucht das Hotel den Kontakt. "Seit drei Jahren veranstalten wir eine 'Karrierenacht', um zukünftigen Kandidaten unser Hotel und die Ausbildungsberufe vorzustellen. Wir gehen auch auf Ausbildungs- und Studienmessen."
Azubi: "Der Job kann schon hart sein, ich muss viel laufen und stehen"
Anton Weibel ist 22 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Fachmann für Restaurant und Veranstaltung im Gartenhotel Heusser. Dort arbeitet er im Hotelservice, in der Küche und beim Housekeeping. Aktuell ist er im dritten Lehrjahr.
Weibel vermutet auch, dass die Arbeitszeiten manche abschrecken könnten: "Man muss auch am Wochenende arbeiten. Und es gibt sicherlich auch Gäste, die schwer zufrieden zu stellen sind, aber das Problem haben wir bei uns im Hotel eher nicht. Und der Job kann schon hart sein, ich muss viel laufen und stehen, das ist nicht für jeden was."
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Azubi: "Ich arbeite gern am Wochenende"
Auch Celeste Sanfilippo macht eine Ausbildung beim Gartenhotel Heusser. Die 21-Jährige hat eine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft Gastronomie mit Schwerpunkt Restaurant absolviert und hängt noch ein Jahr dran, um im Sommer 2027 die Ausbildung zur Fachfrau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie abzuschließen. Ihr machen die Arbeitszeiten nichts aus: "Ich liebe meinen Beruf und arbeite sehr gerne, auch am Wochenende, weil am Samstag und am Sonntag ist mehr los."
Sie erzählt, dass sie besonders die Vielseitigkeit ihrer Aufgaben schätzt: "Ich helfe dann zum Beispiel bei Hochzeiten oder unseren Schlemmerbuffets, präsentiere die Weine. Und was ich am liebsten habe, ist die Nachtschicht an Silvester. Da kann ich dann nämlich mit den Gästen und den Kollegen ins neue Jahr starten."