Seit Mitte Oktober 2025 haben die Kater Tom und Jerry ein neues Zuhause: die Hütte des Friedwalds in Münsingen (Kreis Reutlingen) auf der Schwäbischen Alb. Dort, in der Werkstatt rund um die Werkbank und auch oben unter dem Dach und im Keller, haben sie ihren Rückzugsort. Und werden sie mit Futter, Schlafplätzen und Katzenklo versorgt.
Wenn das Fellduo es geselliger mag, streift es auf samtigen Pfoten durch den Wald, an die Ruhestätten der Verstorbenen und auf den Schoß der trauernden Angehörigen. Das kommt richtig gut an bei den Leuten, erzählen die beiden Initiatoren Richard Tartler und Förster Martin Schuh.
So kam die Idee mit den Katzen im Friedwald
Richard Tartler, dessen Frau auf dem Münsinger Friedwald beerdigt ist, hat die beiden Kater hierher vermittelt. Die beiden "Tigerle", wie er sie liebevoll nennt, wohnten bei seiner Tochter, seitdem sie Babys waren. Wegen eines Umzugs konnte sie die Katzen nicht mitnehmen. Da kam Richard Tartler die Idee: Wie wäre es mit einer Umsiedlung nach Münsingen?
Der dortige Friedwald-Förster Martin Schuh hatte ihm von seiner Erfahrung auf einem Friedhof in Rom erzählt, auf dem viele Katzen leben. Er hatte dort hautnah miterlebt, wie gut die Tiere den Trauernden tun können und war sofort von der Idee angetan.
Aber erst einmal wurde Martin Schuh mit vielen Bedenken konfrontiert - zum Beispiel: Man kann doch nicht einfach Hauskatzen in eine Hütte im Wald umsiedeln. Die muss man erst einmal vier Wochen lang einsperren, sonst laufen sie weg und suchen ihr altes Zuhause. Die kritischen Stimmen hat er ernstgenommen und viel darüber nachgedacht, hat er dem SWR erzählt. Deshalb war ihm wichtig, dass die Katzen gut versorgt sind, auch wenn er mal frei hat oder im Urlaub ist. Es hat sich eine Versorgergemeinschaft gebildet.
Tom und Jerry: Azubis zu Hilfsförstern und Seelsorgern
Viele Angehörige kommen täglich an die Ruhestätten ihrer Liebsten und sorgen sich mit um die Kater. Von Mitte Oktober bis Weihnachten hat es gedauert, dann hatten sich die Kater in der Hütte und im Wald eingelebt, erzählt Richard Tartler. Die beiden absolvieren im Friedwald auf der Schwäbischen Alb eine Ausbildung - "zu Hilfsförstern und Seelsorgern", sagt Martin Schuh mit einem Schmunzeln im Gesicht. So steht es schwarz auf weiß an einer Aushängetafel an der Hütte, wie auch die Lokalzeitung berichtet hatte. Jerry erfülle seine Aufgabe schon über, so viel wie er mit den Besuchern den Kontakt sucht und schmust.
Schmuseeinheiten in Münsingen für Mensch und Tier
An Futter, Wasser und Leckerli mangelt es Tom und Jerry nicht. Und auch nicht an Schmuseeinheiten. Kater Jerry kriegt davon nicht genug und kommt entsprechend oft auf die Veranda der Friedwaldhütte. Sobald dort jemand sitzt, ist er da. Ruckzuck hockt er dann bei einem Besucher oder einer Besucherin auf dem Schoß. Tom dagegen ist noch etwas schüchtern, wird aber mehr und mehr warm mit den Leuten, beobachtet Tartler. Jerry dagegen liebt es, gekrault zu werden.
Jerry ist ein Schmuser ohne Ende.
Kater Jerry spürt, wer ihn wann wie brauchen kann
Martin Schuh und Richard Tartler haben schon oft miterlebt, wie Jerry Menschen in tiefster Trauer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Neulich hat er auch eine Familie mit zur Trauerfeier in den Wald begleitet. Anderen folgt er sogar bis an die Ruhestätte. "Jeden Morgen läuft Jerry hinter mir - wenn viel Schnee liegt, lustigerweise in meinen Spuren. Am Grab meiner Frau setzt er sich dann daneben und bleibt so lange, bis ich wieder gehe. Das ist herrlich", schwärmt Richard Tartler mit Tränen in den Augen. Er freut sich, dass die beiden Tigerle so gut ankommen und sich so wohlfühlen.