400.000 Euro in den Sand gesetzt?

Abschaffung Werkrealschulabschluss: Gomaringen bleibt auf Kosten sitzen

Gomaringen hatte ein Architekturbüro beauftragt, die Werkrealschule zu erweitern. Das will die Gemeinde wegen der Bildungsreform nun doch nicht. Das Land zahlt die Kosten nicht.

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Von Autor/in Theresa Krampfl

Am Beispiel Gomaringen (Kreis Tübingen) könne man eine negative Folge der Bildungsreform der Landesregierung sehen, meint Bürgermeister Steffen Heß (parteilos). Seine Gemeinde bleibe auf 400.000 Euro Planungskosten sitzen. Gomaringen wollte ihre Werkrealschule erweitern, doch der Werkrealschulabschluss wird bald Geschichte sein. Die ganzen Planungen zur Erweiterung sind in den Augen des Bürgermeisters nun hinfällig. Die Kosten soll das Land Baden-Württemberg übernehmen, fordert Heß.

In Stuttgart entscheidet man munter ohne Rücksicht um sprichwörtliche Verluste und mutet dann noch der Gemeinde Gomaringen zu, die Zeche selbst zu bezahlen.

Heß kritisiert das Land: Ein sinnvoller Ausbau der Schullandschaft Gomaringen sei vom Land gänzlich verhindert worden.

Land übernimmt keine Planungskosten in Gomaringen

Das Kultusministerium ist der Meinung: Trotz der Abschaffung des Werkrealschulabschlusses gibt es noch immer genügend Möglichkeiten für Kommunen, die Mittlere Reife anzubieten. Zum Beispiel durch die Schaffung einer Gemeinschaftsschule. Die konkrete Situation in Gomaringen könne man nicht bewerten, so das Kultusministerium auf SWR-Anfrage. Das Ministerium könne generell keine Planungskosten übernehmen. Damit ist klar, dass die Gemeinde auf ihren Kosten sitzen bleibt.

Noch mehr Kommunen wie Gomaringen betroffen?

Die Abschaffung des Werkrealschulabschlusses 2030 wurde Anfang des Jahres im Land entschieden. Der Grund: Immer weniger Schülerinnen und Schülern absolvierten diesen Abschluss. Trotzdem betrifft die Abschaffung die mehr als 200 Werkrealschulen im Land.

Monika Tresp vom Gemeindetag Baden-Württemberg berichtet von solchen, die "in großem Umfang" angelegt auf zehn Jahre in das Schulgebäude investiert haben. Diese würden nun möglicherweise sehen, dass die Gebäude durch die sinkende Schülerschaft nicht mehr so genutzt werden. Auch wenn es einige Werkrealschulen in der Zwischenzeit geschafft hätten, trotzdem eine mittlere Reife anzubieten und Schülerinnen und Schüler zu halten, vermutet Monika Tresp, dass das Thema noch nicht durch ist.

Wir glauben, dass sich in den nächsten ein bis drei Jahren zeigen wird, welche Probleme bei den bisherigen Werkrealschulstandorte tatsächlich auftauchen.

Der Gemeindetag Baden-Württemberg hatte sich im Rahmen einer Anhörung des Landes für den Erhalt des Werkschulabschlusses ausgesprochen. Er sei ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems, vor allem im ländlichen Raum. Unter anderem im Handwerk sind Absolventinnen und Absolventen gerne gesehen.

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