Dass Wolfgang Koring heute lacht, gesund ist und seinen Lebensretter Oktay Kasap treffen kann, ist großes Glück. Nach der besiegten Blutkrebserkrankung hat Koring seinen Stammzellenspender Kasap aus Köln zu sich nach Dettenhausen (Kreis Tübingen) eingeladen, um ihm seine Heimat zu zeigen. Bei einem Treffen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Tübingen am Dienstag haben sie ihre berührende Geschichte erzählt.
Letzte Option Stammzellen-Spende: Emotionaler Moment, als Spender sich meldet
Der 65-jährige Wolfgang Koring und der fast 30 Jahre jüngere Oktay Kasap sind eng miteinander verbunden. Sie haben sich vor Kasaps Besuch in Tübingen schon ein paarmal gesehen. Die Spende ist sieben Jahre her.
Koring hatte kurz vorher die Diagnose Leukämie, also Blutkrebs, erhalten. Die Chemotherapie-Versuche waren gescheitert, erzählt er. Die letzte Option sei also die Stammzellenspende gewesen. Jeden Tag habe er bei der Visite im Krankenhaus gefragt: "Gibt es einen Spender?" Und irgendwann sei es dann soweit gewesen.
Stammzellenspender rettet Leben und Familie
Oktay Kasap war damals 20 Jahre alt, als ihn die Nachricht erreichte. "Ich war sehr nervös, weil ich habe auch Angst vor Nadeln." Ihm sei jedoch gleich klar gewesen, dass er die Spende auf jeden Fall machen will.
Dem ehemals Leukämie-Erkrankten aus Dettenhausen geht es heute sehr gut. Wenn Wolfgang Koring an die schwere Zeit denkt, wird er emotional. Seine Kinder seien 13 und 15 Jahre alt gewesen und er habe sich gesagt, sie müssten noch mindestens zehn Jahre ihren Vater haben.
Er schaut zu Kasap und sagt: "Und das hat er uns halt ermöglicht mit der Spende". Im ersten Brief von Koring an Kasap habe er das auch so geschrieben. Kasap habe das sehr berührt.
In dem Moment habe ich alles um mich herum vergessen.
Kulturell voneinander lernen - "Ich als Schwabe, er als Türke, einfach klasse"
Dass die beiden auch noch "interkulti" sind, findet Koring toll. "Ich als Schwabe, er als Türke, einfach klasse". Beim ersten Besuch von Koring in Kasaps Heimatstadt Köln hätten sie schon eine Moschee besucht. Der Austausch bereichert beide, sagen sie.
Beim Treffen in Tübingen wollten beide noch eine Botschaft loswerden: Eine Registrierung bei der Knochenmarkspenderdabei DKMS sei einfach und könne Leben retten. Sie hoffen, dass die Kartei bei der DKMS weiter wächst. Laut DKMS erhält alle 27 Sekunden ein Mensch auf der Welt die Diagnose Leukämie. Momentan gebe es etwa 13 Millionen Spenderinnen und Spender weltweit.