Hirschrelief per Hammerschlag

Münzen prägen in Freudenstadt für die Gartenschau

Der Heimat- und Museumsverein Freudenstadt will bei der Gartenschau ab Mai Kindern und Erwachsenen eine Attraktion bieten - aber erst muss er den Apparat dafür zusammenbauen.

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Von Autor/in Peter Binder

Die Zeit bis zur Gartenschau Freudenstadt und Baiersbronn wird immer knapper. Im Mai soll das "Tal X" eröffnet werden. Eine Station neben anderen, das hat sich der Heimat- und Museumsverein Freudenstadt vorgenommen, soll ein Apparat sein, mit dem man Münzen prägen kann.

In Freudenstadt nicht einfach Fünf-Cent-Stücke quetschen

Kein Gerät mit Kurbel dran wollen sie aufstellen, wie man es in Zoos und bei Sehenswürdigkeiten oft findet, sondern eine professionelle Prägestation, die richtige Münzen prägt. Wobei es genau genommen keine Münzen sein werden, sondern Medaillen. Münzen sind ein Zahlungsmittel, Medaillen trägt man nicht im Geldbeutel mit sich herum. Da würde sich die Prägung auch leicht abschaben.

Aufbau der Gartenschau-Attraktion kompliziert

Die Prägestation hat eine österreichische Spezialfirma ans Freudenstädter Rathaus geschickt. Jürgen Schnurr und Rainer Pfennig vom Museumsverein haben die schweren Pakete rüber in ihr Revier geschafft, ins Stadtmuseum. Dort haben sie die Einzelteile ausgepackt und mit dem Aufbau begonnen. Was sich als deutlich komplizierter herausgestellt hat, als sie zunächst dachten.

Mit ersten Gesichtern betrachten Rainer Pfennig und Jürgen Schnurr für die Gartenschau in Freudenstadt die mehrseitige Bauanleitung für die Prägestation.
Ganz so kompliziert hatten sie sich das nicht vorgestellt. Rainer Pfennig und Jürgen Schnurr vom Museumsverein Freudenstadt mit der Bauanleitung für die Prägestation. Jochen Krumpe

Es waren mehr Einzelteile in den schweren Paketen als erwartet. Um alleine schon alle Sicherheitshinweise zu berücksichtigen, mussten die beiden die Anleitung gründlich studieren.

Man will das kostbare Gerät ja nicht gleich beim Aufbau beschädigen. Die erste Test-Prägung fiel entsprechend dünn aus. Auf dem ersten Rohling waren vage die Umrisse eines Hirsches zu erkennen.

Auf der neuen Münze zur Gartenschau Tal X in Freudenstadt und Baiersbronn erkennt man den Hirsch wie auf dem historischen Hirschgulden - der Hirschgulden daneben ist schon sehr abgegriffen.
Die Erinnerungs-Münze der Gartenschau in Freudenstadt und Baiersbronn (links) neben einem historischen Hirschgulden (rechts). Jochen Krumpe

Historischer Hirschgulden aus dem Christophstal

Damit ähnelte er allerdings einem historischen Hirschgulden, wie Rainer Pfennig ihn mitgebracht hatte. Nur war der nicht schwach geprägt, sondern im Laufe von 400 Jahren stark abgeschabt. Damals, im frühen 17. Jahrhundert, war Freudenstadt nämlich eine von drei Städten in Württemberg, in denen Münzen geprägt wurden, erklärt Jürgen Schnurr. Die anderen waren Stuttgart und Tübingen.

Die Hirschgulden aus dem Freudenstädter Christophstal waren zwar eher berüchtigt als beliebt, erzählt Schnurr. Denn der damalige Herzog ließ sie mit weniger Silber herstellen, als drin sein sollte. Das führte zu einer Inflation. Dennoch erinnert die neue Münze mit einem liegenden Hirsch an diese Zeit.

Rainer Pfennig vom Museumsverein Freudenstadt hält eine Muster-Münze in den Händen. Die Vorderseite zeigt das stilisierte X der Gartenschau Baiersbronn und Freudenstadt.
Die "moderne" Seite der Erinnerungsmünze zur Gartenschau zeigt das Logo des "Tal X". Auf der anderen Seite erinnert sie an den historischen Hirschgulden. Jochen Krumpe

Die andere Seite der Medaille zeigt das Tal-X-Logo der Gartenschau. Während der Gartenschau sollen dann Kinder und Erwachsene die Gelegenheit haben, an der Prägestation mit dem Hammer in der Hand solche Souvenirs selbst herzustellen. Und zwar wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem auch vor 400 Jahren schon Münzen im Christophstal geprägt wurden.

Eine weitere aufwendige Attraktion der Gartenschau 2025: Die Rußhütte. Sie ist ein echtes Kulturdenkmal, muss dem geplanten Stadttunnel weichen und wird umgesiedelt - knapp fünf Kilometer entfernt.

Historischer Ort im Christophstal

Von der alten Münze sind nur noch die Grundmauern erhalten, aber in der ehemaligen Feilenhauerei daneben wird Rainer Pfennig die Besucherinnen und Besucher betreuen, wenn sie selbst den Hammer schwingen. Das soll nicht teuer werden, haben die Vereinsmitglieder beschlossen. Hauptsache, die Kosten kommen wieder rein.

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Peter Binder
Peter Binder ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.