Der Schauspieler Walter Schultheiß ist tot. Er starb am 22. Dezember friedlich im Beisein seiner Angehörigen in Wildberg (Kreis Calw), wo er gelebt hatte. Das hat sein Sohn Götz Schultheiß dem SWR berichtet. Schultheiß wurde 101 Jahre alt. Er war mehr als ein schwäbischer Volksschauspieler - er war ein wahres Original. Mit seinem Talent eroberte er die Bühnen und Bildschirme über sieben Jahrzehnte hinweg.
Rückblick auf sein Leben
Der Lebensweg von Walter Schultheiß begann in Tübingen. Im Mai 1924 wird er geboren und war schon früh von der Magie des Theaters fasziniert. Bereits als Jugendlicher mit zwölf Jahren baute er sich eine eigene Schattentheater-Bühne, auf der er die Welt des Mephisto aus Goethes Faust lebendig werden ließ.
Schultheiß schon früh fasziniert von der Schauspielerei
Nach dem Krieg wagte er den Schritt in die Schauspielerei und stand zunächst in Tübingen und dann in Stuttgart auf der Bühne. Während seiner Ausbildung in der Landeshauptstadt mit Stimmbildung und Sprachtechnik perfektionierte er nicht nur sein Handwerk, sondern lernte auch seine spätere Ehefrau Trudel Wulle kennen: Am Stuttgarter Volkstheater. Dort erhielt Schultheiß auch sein erstes Engagement. Während dieser Zeit bekam Schultheiß immer öfter Hörspielrollen für den Rundfunk, den damaligen SDR. Zunächst noch auf Hochdeutsch.
Wichtiges Standbein: Mundart-Hörspiele fürs Radio
Schultheiß wurde schnell zu einer Radio-Legende, besonders durch seine Mundart-Hörspiele, die ihm eine treue Fangemeinde bescherten. Dass er viele Rollen im Dialekt spielte - daran war der heutige SWR nicht ganz unschuldig. Im Nachkriegsdeutschland waren Schauspieler, die wie Schultheiß Mundart beherrschten, besonders begehrt. Regelmäßig wurde "der Tübinger" vom damaligen SDR als Mundartschauspieler gebucht.
Schultheiß: Riesenerfolg mit Straßenkehrer-Serie
Der Höhepunkt seiner Karriere gelang ihm in den 1960er Jahren, als er mit seinem Partner Werner Veith als "Karle und Gottlob" die Herzen der Zuhörer eroberte. Die Straßenkehrer-Sketche wurden jeden Samstag live im Radioprogramm des Süddeutschen Rundfunks ausgestrahlt und sind heute ein Stück schwäbische Kulturgeschichte. Andere größere Projekte an Theatern oder beim Film fielen damals für Schultheiß flach.
Vom Hörfunk zum Fernsehen
Auch das Fernsehen öffnete ihm bald seine Türen. Schultheiß fand sich in verschiedenen Produktionen wieder, von ARD-Tatorten bis hin zu beliebten Serien wie "Oh Gott, Herr Pfarrer". Sein Talent, den hintersinnig-humorvollen Schwaben mit einem Augenzwinkern zu porträtieren, machte Schultheiß schnell zu einem Publikumsliebling.
Felix Huby: Weggefährte von Schultheiß
Anfang der 1980er Jahre wurde Drehbuchautor Felix Huby aus Dettenhausen (Kreis Tübingen) auf Walter Schultheiß aufmerksam. Mit ihm verband ihn eine besondere Beziehung. Huby schrieb für ihn zahlreiche unvergessliche Rollen wie "Köberle kommt", "Der König von Bärenbach", "Der Eugen" oder "Pfarrerin Lenau"- alle Drehbücher stammen aus Hubys Feder. Felix Huby bezeichnete Schultheiß einmal als "Star der stillen Art".
"Walter ist ein unheimlich fleißiger und disziplinierter Schauspieler. Ich habe an ihm und seiner Frau Trudel Wulle schätzen gelernt, dass beide - im Unterschied zu den allermeisten anderen Schauspielern - auf dem Boden geblieben sind."
Schlitzohrig und die schwäbische Seele aufs Korn nehmend
In seinen vielen Fernsehrollen und auch auf der Bühne spielte sich Schultheiß gerne selbst: den humorigen, hintersinnigen aber auch bruddligen Musterschwaben. Obwohl er sich nicht gerne als schwäbischen Schauspieler bezeichnete, sondern als "einen, der auch schwäbisch sprechen kann". Schon als junger Schauspieler verkörperte Schultheiß auf der Bühne meist ältere Typen.
Mit 89 Jahren: Schultheiß' erste Kino-Hauptrolle
Ein Höhepunkt seiner Filmkarriere: die erste Hauptrolle in einem Kinofilm im Jahr 2013. In der Tragikomödie "Global Player - Wo wir sind isch vorne" des Regisseurs Hannes Stöhr spielte er einen 90-jährigen Senior-Firmenpatriarchen.
Noch mit 93 Jahren stand Schultheiß vor der Kamera - wie im Radio und auf der Bühne oft zusammen mit seiner Ehefrau Trudel Wulle: In der Komödie "Laible und Frisch - Do ghot dr Doig". Der Kinofilm des Produzenten Frieder Scheiffele war aus der zwölfteiligen Bäckerkomödie "Laible und Frisch" entstanden.
Auch abseits der Kameras und Bühnen war Schauspieler Schultheiß ein kreativer Geist. Seine Leidenschaft galt der Poesie. Er hatte nicht nur ein Faible für das Verfassen von Gedichten - auch die Malerei hatte es ihm angetan.
Bis zuletzt in Wildberg im Kreis Calw gelebt
Nach dem Tod seiner Frau Trudel Wulle Ende 2021 zog sich Walter Schultheiß langsam aus der Öffentlichkeit zurück. Er lebte bis zuletzt in Wildberg (Kreis Calw), gemeinsam mit seinem Sohn Götz, dessen Ehefrau und seinen Enkelinnen. Mit seiner unverwechselbaren Persönlichkeit bleibt er für viele schwäbische Nachwuchs-Schauspielerinnen und -Schauspieler ein Vorbild.