Heutzutage ist es der Notizblock. Früher war es die Tonscherbe. Bei Ausgrabungen in Ägypten haben Forscher aus Tübingen über 43.000 Notizzettel aus Ton entdeckt. Diese Ostraka - so heißen die Scherben eigentlich - sind für die Forschung sehr bedeutend. Sie ermöglichen einen Einblick in den Alltag der alten Ägypter.
Alte Ägypter notierten Steuerbelege, Schulübungen und Horoskope
So viele beschriftete Tonscherben wurden noch nie gefunden, heißt es in einer Mitteilung der Universität Tübingen. Damit übertrifft die archäologische Ausgrabungsstätte Athribis den bis dahin ergiebigsten Fundort im Tal der Könige.
Die Notizzettel aus Ton wurden für alltägliche Dinge wie Steuerbelege, Lieferlisten, Schulübungen und sogar Horoskope benutzt. Für die Forschung sind die vielen Funde sehr wichtig, um den Alltag, aber auch die Astrologie und Astronomie in dieser Zeit nachvollziehen zu können. Nun müssen alle Tonscherben digitalisiert werden.
In wenigen Jahren finden Tübinger Forscher tausende Notizzettel
Die Ausgrabungsstätte Athribis ist sehr ergiebig. Die Universität Tübingen und das ägyptische Ministerium für Tourismus und Altertümer haben seit 2005 mehr als 43.000 Ostraka gefunden. Davon stammen die ältesten aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Die neusten Texte datieren aus dem neunten bis elften Jahrhundert nach Christus.
Auf den Scherben sind verschiedene Schriften verewigt. Einige sind in demotischer Schrift, der gängigen Verwaltungsschrift der Ptolemäer- und Römerzeit. Andere sind beispielsweise in griechischer oder arabischer Schrift. Für Christian Leitz, einen der Grabungsleiter der Uni Tübingen, stellen die Ostraka Quellen für eine umfassende Sozialgeschichte der Region dar. Und sind von herausragender Bedeutung für die Forscher.