400 Menschen dabei

Protestlauf gegen die Schließung der Notfallpraxis in Münsingen

Die Menschen in Münsingen sorgen sich um die ärztliche Versorgung auf der Alb. Mit einem Protestlauf haben sie gegen die Schließung der Notfallpraxis demonstriert.

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Von Autor/in Jessica Hans, Nathalie Waldenspuhl

In Laufschuhen, mit Walkingstöcken und zum Teil sogar mit Rollator: In Münsingen (Kreis Reutlingen) sind am Donnerstag rund 400 Menschen zum Protestlauf angetreten. Für eine halbe Stunde sind sie auf der Laufbahn des Wiesental-Stadions gelaufen, um gegen die Schließung der Bereitschaftspraxis in Münsingen zu demonstrieren. Die "Bürgerinitiative Albklinik" hat die Aktion organisiert.

Schließung der Notfallpraxis "großes Thema" auf der Alb

Bisher ist die Notfallpraxis in der Münsinger Albklinik an Wochenenden und Feiertagen geöffnet. Sie gehört aber zu einer der 18 ärztlichen Bereitschaftsdienste, die in Baden-Württemberg geschlossen werden sollen. Doch für die Münsinger steht fest: Ihre Notfallpraxis muss bleiben.

Ein paar Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit dem SWR gesprochen. Die Schließung der Notfallpraxis sei "ein großes Thema auf der Alb", sagen sie. Eine Seniorin sagte, die nächsten Praxen in Reutlingen und Ehingen seien für sie zu weit weg. Sie bräuchte zuerst einen Fahrer, der sie dorthin bringt. Eine Frau mit kleinem Kind befürchtet, dass die Fahrt dorthin im Ernstfall zu lange dauern könnte.

Bürgerinitiative befürchtet: Ländlicher Raum wird abgehängt

Auch Eberhard Rapp ist davon überzeugt, dass der Erhalt der Notfallpraxis wichtig ist. Als Sprecher der Münsinger Bürgerinitiative hat er den Protestlauf mitorganisiert. Dem SWR sagte er, ihn störe, dass der ländliche Raum zunehmend abgehängt werde - so auch bei der ärztlichen Versorgung.

Rund 20.000 Menschen aus Münsingen und Umgebung wären laut Rapp von der Schließung betroffen. Sie müssten an Wochenenden und Feiertagen knapp 30 Kilometer bis zur nächsten Praxis fahren. "Das bedeutet mindestens eine halbe Stunde Fahrt, bei optimalen Bedingungen", so Rapp. "Bei öffentlichen Verkehrsmitteln sind wir bei anderthalb Stunden."

Ein Mann in einem Hummer-Kostüm hält eine weiße Fahne hoch. Beim Protestlauf in Münsingen wurde für die Notfallpraxis demonstriert.
Symbolisches Ende: Nach gut 30 Minuten hisst ein "Hummer" die weiße Fahne.

KVBW: 18 Bereitschaftspraxen sollen wegfallen

Ende 2024 hatte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) angekündigt 18 Notfallpraxen in BW schließen zu wollen. Mit dem Grund: Etwa 1.000 Hausarztsitze seien nicht besetzt. Im Gegenzug sollten digitale Angebote, wie die Telemedizin ausgebaut werden.

Die Ankündigung hatte landesweit für Aufregung gesorgt. Bei einem Städtetag forderten die Bürgermeister der betroffenen Kommunen den Stopp der Pläne - ohne Erfolg. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sprach sich dennoch erneut für die Reform aus. Neben Münsingen soll auch die Notfallpraxis in Albstadt (Zollernalbkreis) geschlossen werden. In Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) gibt es seit April keine Notfallpraxis mehr.

Zwei Teilnehmer des Protestlaufs in Münsingen halten eine Urkunde in die Kamera.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen als Dankeschön eine Urkunde. Darauf steht auch die Postanschrift der KVBW für schriftliche Einwände.

Münsinger kämpfen für ihren Bereitschaftsdienst

22.000 Unterschriften hatte die Bürgerinitiative in Münsingen für ihr Anliegen gesammelt. Sie haben Angst an den Wochenenden ohne Bereitschaftspraxis nicht mehr gut versorgt zu sein. Doch bisher sperrt sich die KVBW dagegen, ihren Plan rückgängig zu machen.

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