Der Autozulieferer Bosch informierte am Dienstag, dass er seinen Standort in Reutlingen neu aufstellen und weit mehr als tausend Arbeitsplätze streichen will. Für die Bosch-Beschäftigten eine Hiobsbotschaft.
Am Mittwoch hat das Unternehmen den Beschäftigten in der Reutlinger Stadthalle hintereinander drei Betriebsversammlungen angeboten, damit alle Beschäftigten ihre Fragen an den Bereichsvorstand und die Werksleitung loswerden können.
Bosch-Beschäftigte haben Zukunftsangst
Die Stimmung in der Belegschaft: zwischen Wut, Schockstarre und Unsicherheit. Sie habe Zukunftsangst, sagte eine Bosch-Mitarbeiterin dem SWR. Nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder, die ebenfalls bei Bosch arbeiten. Sie erhoffe sich von der Chefetage Wertschätzung für die geleisteten Arbeitsjahre.
Man erfahre alles nur peu a peu, so ein anderer Mitarbeiter. Das sei eine traurige Geschichte. Er erhoffe sich von der Betriebsversammlung zunächst einmal etwas mehr Klarheit, hatte er zuvor angekündigt. Und: eine Perspektive für den Standort Deutschland allgemein. "Wenn man alles abbaut, gibt es für uns und unsere Kinder hier keine Zukunft mehr."
Auch der Betriebsratsvorsitzende Thorsten Dietter fasst die Gefühlslage der Beschäftigten so zusammen: "Schock, Wut, Verunsicherung." Es sei eine schwere Zeit für die Mitarbeitenden, so Dietter. Aber er zeigt sich auch kämpferisch: "Unser Ziel ist es, Arbeitsplätze zu sichern. Nicht Arbeitsplatzabbau zu verwalten."
Kritik von IG Metall
Die Ankündigung sei ein schwerer Schock, nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die gesamte Region, so Claudia Hülsken. Sie ist die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Reutlingen-Tübingen.
Bosch ist laut Hülsken der größte Arbeitgeber im Landkreis. Ein sozialverträglicher Abbau, zum Beispiel über Altersteilzeit, sei da nur schwer vorstellbar, heißt es in der Mitteilung der IG Metall.