Mit Sondergenehmigung Storchennester geleert

Storcheneier aus Nestern auf Münster in Zwiefalten entfernt

Erst haben die Störche gebaut, dann gebrütet. Jetzt sind ihre Nester vom Münster in Zwiefalten (Kreis Reutlingen) für viel Geld entfernt worden. Die Eier wurden zerstört.

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Von Autor/in Ingemar Koerner

Storchennester während der Brutzeit entfernen ist selten und nur in Ausnahmefällen möglich. In Zwiefalten war vergangene Woche so ein Fall. Mit einer Sondergenehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen hat die Kirchengemeinde drei Nester entfernen lassen. Mindestens zwölf Storcheneier sind dabei entsorgt worden.

Künstliche Storchennester als Ersatz

Als Ersatz für die Storchennester sind am Münster vier Kunstnester neu aufgebaut worden. Zwei seien inzwischen "bezogen" worden, hat der Pfarrer des Münsters, Sigmund Schänzle, dem SWR gesagt. Eins der Nester, das entfernt wurde, haben die Störche innerhalb weniger Tage wieder aufgebaut.

Pfarrer Schänzle vor dem Münster in Zwiefalten. Auf dem Dach verteilt haben Störche ihre Nester gebaut. Vier der Nester wurden inzwischen entfernt. Zwölf Storcheneier wurden zerstört.
Pfarrer Sigmund Schänzle beobachtet die Störche gerne. Für ihn standen sich Denkmalschutz und Naturschutz diametral gegenüber. Theresa Krampfl

Andere Störche nutzen viele weitere Kunstnester in der Gegend schon seit längerem. Die Tiere brüten zum Beispiel auf dem Pfarrhaus, dem Rathaus und im Parkt hinter dem Kloster. Mit den Kunstnestern würden die Störche "umgelenkt", so Pfarrer Schänzle.

Die Kosten: rund 60.000 Euro

Die Störche auf dem Münster hätten viel Verschmutzung verursacht. Überall sei Kot gewesen. Dieses Jahr würden alle Arbeiten, inklusive "Entfernen der Storchennester und die Aufstellung der Nisthilfen" rund 60.000 Euro kosten. Das hat das Amt für Vermöten und Bau in Tübingen mitgeteilt. Das ist auch der durchschnittliche Preis, den das Amt jedes Jahr ausgebe, teilte es dem SWR mit.

Um neue Kunstnester aufzustellen und die unliebsamen Nester abzubauen sei eigens ein Spezialkran gekommen. Mit dem habe man in bis zu 45 Metern Höhe arbeiten können. Für das Münster sei die Aktion notwendig gewesen, findet Schänzle. Denn neben Dreck könne der Kot der Störche auch Schäden am Gestein des Münsters verursachen.

Und: Störche kommen jedes Jahr zu ihren alten Nestern zurück und bauen an diesen Weiter. Dadurch können die Storchennester bis zu 1,9 Tonnen schwer werden. "Dieses Gewicht halten die Sandsteinfiguren am Münster nicht aus und es drohen Schäden am Gebäude und die Gefahr, dass große Teile der Fassade abbrechen und nach unten stürzen und Besucher gefährden können." Über die Räumung der Storchennester hat die Südwestpresse zuerst berichtet.

Denkmalschutz oder Naturschutz - Storcheneier "entsorgt"

"Denkmalschutz und Naturschutz standen einander diametral entgegen", hat auch Pfarrer Sigmund Schänzl erklärt. Dass die Nester während der Brutzeit der Störche entfernt wurden, ging nur mit einer Sondergenehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen. Die Behörde hat auch entschieden, was mit den Storcheneiern geschehen sollte. Sie sind zerstört worden, hat eine Sprecherin des Vogelschutzzentrums in Mössingen (Kreis Tübingen) dem SWR gesagt.

Zwölf Eier aus Zwiefalten waren ins Vogelschutzzentrum gebracht worden. Doch die Prägung auf Menschen bei den Störchen wäre zu stark geworden, hätten die Beschäftigten die Jungvögel aus Eiern großgezogen, so die Sprecherin.

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Ingemar Koerner
Ingemar Koerner ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.