Beim Bezahlen mit Bargeld reagiert unser Gehirn ähnlich wie bei emotionalem Schmerz - beim digitalen Bezahlen bleibt diese Warnreaktion aus. Das zeigt eine neue internationale Studie unter Beteiligung der Uniklinik Tübingen. Darin haben die Forschenden die Hirnaktivität von Probanden beim Bezahlen untersucht.
"Schmerz des Bezahlens" ist real
Bargeldloses Zahlen wird immer beliebter: 55 Prozent der erfassten Einkäufe 2025 wurden nach aktuellen Zahlen der Deutschen Bundesbank digital bezahlt. Beim Bezahlen empfinden laut den Forschenden viele Menschen ohnehin ein ungutes Gefühl. Dass es tatsächlich wehtun kann, wenn man Geld rausgeben muss, wollten sie beweisen. Ihre Ergebnisse sind im Journal of Economic Behavior and Organization erschienen.
Dafür haben Wissenschaftler von Unis aus Kanada, USA, Frankreich und Tübingen mittels MRT die Gehirnaktivitäten von Teilnehmenden beim Geldausgeben gemessen. Überraschend: Beim Bezahlen mit Bargeld reagiert das Hirn. Und zwar in Bereichen, die mit der Verarbeitung von Schmerz zusammenhängen. Das sei zwar kein körperlicher Schmerz, aber ein unangenehmes Gefühl, so die Forscher.
Kartenzahlung löst wohl weniger unangenehme Gefühle aus
In der Untersuchung zeigten sich beim Bezahlen mit Karte hingegen keine vergleichbaren Warnsignale im Gehirn. Nach Einschätzung der Forschenden ginge dieses emotionale Warnsignal beim digitalen Bezahlen verloren. Wer mit Smartphone, Kreditkarte oder über ein Abo zahlt, erlebe den Verlust des Geldes nicht unmittelbar, so die Ergebnisse der Studie.
Das könne die Hemmschwelle beim Geldausgeben senken. Das Bezahlen wird zwar komfortabler, aber in der Folge könnten Menschen leicht den Überblick über ihre Ausgaben verlieren, so die Forschenden. Weitere Studien seien nötig, um die Mechanismen im Hirn noch besser zu verstehen. Was die Studie aber beweist: Der "Schmerz des Bezahlens" ist offenbar nicht nur eine Redewendung.