Vor einem Jahr fand Tizian Fuchs als Madame Tiz den Weg auf die Bühne. Trotz Anfeindungen und Beleidigungen tanzt der 21-Jährige als Dragqueen auf der Bühne weiter und fordert gleichzeitig mehr Schutz, Aufklärung und queere Räume im ländlichen Raum.
"Wichtig, dass Menschen auch hier gehört und gesehen werden"
Schon lange bevor Madame Tiz auf der Bühne stand, war Drag ein Teil seines Lebens. "Ich habe es damals schon geliebt, im Kleid und Perücke feiern zu gehen", erzählt Fuchs. Vor einem Jahr folgte dann der erste öffentliche Auftritt als Dragqueen in Freiburg. Seitdem ist Madame Tiz regelmäßig in der Region unterwegs - bei Veranstaltungen, Kulturfestivals oder Christopher-Street-Days.
Der 21-Jährige wohnt in Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Viele Angebote für queere Menschen gebe es dort nicht, so Fuchs. "Ich möchte mich für den ländlichen Raum einsetzen, weil ich es einfach wichtig finde, dass auch Menschen hier wissen, dass sie gehört werden, dass sie gesehen werden, dass sie wissen, sie sind nicht alleine."
Zwischen Rückhalt und Anfeindungen
Freunde, Eltern und sogar seine Großeltern stehen hinter seiner Drag-Kunst. Doch nicht überall erfährt Madame Tiz so viel Rückhalt. Neben Applaus gehören Beschimpfungen und Hass inzwischen zu seinem Dasein als Dragqueen. "Beleidigungen prallen mittlerweile an mir ab", sagt Fuchs. Das sei allerdings ein Prozess gewesen. "Am Anfang war es total schwer für mich, das braucht halt Zeit."
Doch einfach war die Zeit nicht. Einmal wurde er von elf Jugendlichen verfolgt, erzählt er. "Da hatte ich auch echt Angst." Seitdem schaue er regelmäßig hinter sich, weil er befürchte, verfolgt zu werden. In einem anderen Fall wurde er angespuckt - der Vorfall endete vor Gericht.
Trotz solcher Erlebnisse versucht Fuchs, sich seine Lebensfreude nicht nehmen zu lassen. Sein Motto: "Man lebt nur einmal." Er wolle niemandem schaden, sondern "anderen helfen und Liebe verteilen".
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"Wir wollen nur akzeptiert werden"
Der Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin habe ihn und viele Menschen aus der Community tief getroffen. "Ich musste es erstmal verkraften", sagt Fuchs. Es sei kaum in Worte zu fassen, dass es Menschen mit so viel Hass gebe, erzählt er.
Wir tun ja keinem weh, wir wollen nur akzeptiert werden.
Für ihn ist klar: Queere Veranstaltungen brauchen bessere Sicherheitskonzepte. Niemand solle Angst haben müssen, in der Bahn, im Club oder auf Veranstaltungen queerfeindlichen Anfeindungen ausgesetzt zu sein.
Mehr Raum und mehr Veranstaltungen für queere Menschen
Gerade im ländlichen Raum würde sich Fuchs mehr queere Veranstaltungen und Begegnungsorte wünschen. Der erste Christopher Street Day in Tuttlingen mit rund 500 Besucherinnen und Besuchern habe gezeigt, dass es auch außerhalb der Großstädte eine sichtbare Community gibt. "Wir sind überall", sagt Fuchs lachend.
Für viele Menschen sei Madame Tiz inzwischen ein Vorbild geworden. "Mir wurde auch gesagt, dass manche mich als Inspiration sehen." Genau das motiviert ihn.
Mir reicht es zu zeigen: Hey, ich habe es geschafft, also könnt ihr es auch schaffen.
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Trotz Anfeindungen kämpft Madame Tiz weiter
Für die Zukunft hat Fuchs noch viele Pläne. Er möchte weiterhin Workshops organisieren, queere Veranstaltungen im Schwarzwald-Baar-Kreis aufbauen und vielleicht schon 2028 den ersten Christopher Street Day in Villingen-Schwenningen etablieren. "Ich wünsche mir mehr Liebe und mehr Akzeptanz und einfach stärkeren Zusammenhalt im ländlichen Raum, von allen."
Denn am Ende, sagt er, sollte niemand in einer "Schwarz-Weiß-Welt" leben müssen. "Äußerliches ist vergänglich, der Charakter aber nicht."