Heime oft überfüllt - Vermittlung scheitert trotzdem

Kritik an Tierheimen: Zu streng bei der Vergabe von Tieren?

Menschen, die zum Beispiel eine Katze aus dem Tierheim adoptieren wollen, können leicht an deren Vorgaben scheitern. Sind diese zu hoch? Die Landestierschutzbeauftragte widerspricht.

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Von Autor/in Judith Hüwelmeier

Seit Jahren weist der Deutsche Tierschutzbund immer wieder darauf hin, dass Tierheime überfüllt sind. Gleichzeitig versuchen Menschen teils vergeblich, eine Katze oder einen Hund zu adoptieren. So etwa eine Frau aus Tübingen, die seit mehr als 30 Jahren immer Katzen hatte und in einem Haus mit Garten lebt.

Als ihre letzte Katze starb, wollte sie eine aus dem Tierheim aufnehmen. Vergeblich, fünf Anfragen blieben erfolglos. Der Grund: Ihre Wohnlage in der Nähe einer Bundesstraße sei ungeeignet für eine Katze, so das Reutlinger Tierheim. Obwohl auf dieser Bundesstraße Tempo 40 gilt.

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Viele wollen eine Katze aus dem Tierheim, doch nicht jeder bekommt eine. Und das, obwohl Tierheime oft überfüllt sind. Warum Vermittlungen scheitern und was man wissen sollte.

Zahlreiche SWR-Aktuell Nutzerinnen und Nutzer berichten in den SWR-Kommentarspalten auf Facebook und Instagram von ähnlichen Erfahrungen. Der Tenor: Die Kriterien für die Vermittlung der Tiere seien unrealistisch oder zu hoch angesetzt.

"Ich finde den Aufwand [...] rund um die Adoption einfach zu kompliziert, zu aufwändig, zu übergriffig", schreibt ein Mann auf Facebook. Eine Frau notiert: "Die Tierheime machen ein Riesentheater, wenn man eine Katze adoptieren möchte."

Wir wollten eine Katze adoptieren, [haben ein] Haus mit großem Garten auf dem Land. Wir haben auch ein dreijähriges Kind. Kein Tierheim wollte uns ein Tier geben. Haben uns dann privat einen Kater geholt.

Einige Adoptionswillige schauen sich deshalb offenbar anderweitig um und werden bei Tierschutzorganisationen, bei Züchtern oder im Internet fündig. Oder sie adoptieren ein Tier aus dem Ausland. "Da aus keinem mir nahe gelegenen Tierheim Katzen in reine Wohnungshaltung vermittelt werden, [...] habe ich mich gleich von vorne herein im Ausland umgesehen und meine Katzen hier aus dem Tierschutz geholt", schreibt eine Nutzerin.

Tiere im Tierheim: Viele sind alt, krank und scheu

Sind die Kriterien für die Vermittlung also zu hoch? Julia Stubenbord, die seit 2017 als Landestierschutzbeauftragte für Baden-Württemberg tätig ist, verneint. "Im Tierheim landet nicht die perfekt sozialisierte Katze, die sich gut mit Kindern verträgt, die es vielleicht auch gewohnt ist, drinnen zu sein. Viele Tiere sind alt, krank oder scheu, vertragen sich nicht mit anderen, sind keine guten Sozialpartner. Das muss alles berücksichtigt werden. Deshalb kann es sein, dass ein Tierheim viele Tiere hat, die aber nicht für jeden geeignet sind", sagt Stubenbord.

Sind die Tiere im Zweifel also immer besser im Tierheim untergebracht? Nein, sagt Stubenbord. "Es muss immer ausgeglichen sein. Die Tierheime sind nicht dafür da, Tiere für immer zu behalten, aber sie müssen darauf achten, dass die Tiere so untergebracht werden, dass es passt". Es gebe einheitliche Adoptionsverfahren für Tierheime, die Mitglied im Deutschen Tierschutzbund sind, erklärt Stubenbord. Am Ende entscheide jedes Tierheim aber individuell, ob Tier und Halter wirklich zusammenpassten.

Katzen im Tierheim. Viele SWR-Leser kritisieren, die Vergabehürden im Tierheim seien zu hoch.
Die Katze Coco der Rasse Scottish Fold sitzt in einem Tierheim. (Symbolbild) Picture Alliance

"Menschen schaffen sich Tiere an, die nicht zu ihnen passen"

Kriterien, die dabei eine Rolle spielen: Der Wohnort, die Nähe zu einer Straße, die Möglichkeit, dem Tier Freigang zu gewähren. Wie oft ist jemand wirklich zu Hause? "Vielleicht ist es manchmal auch ein bisschen strenger in den Tierheimen", sagt Stubenbord. Aber die Tierheime hätten inzwischen nicht mehr nur den netten Familienhund.

Seit der Corona-Zeit sei die Lage in den Tierheimen verschärft. Die Überfüllung käme auch zustande, weil sich Menschen ein Tier zulegten, das gar nicht zu ihnen passe. "Deshalb ist es sehr vernünftig, dass die Tierheime darauf achten, dass die Bedürfnisse der Tiere erfüllt werden, wenn sie ein neues Zuhause kriegen", erklärte Stubenbord dem SWR.

Katzenschutzverordnung in Kommunen

Statt Vergaberegeln für eine Adoption aufzuweichen, appelliert die Landestierschutzbeauftragte an die Kommunen, eine Katzenschutzverordnung zu erlassen. Katzenhalter, die ihre Katzen herauslassen, werden dadurch verpflichtet, sie zu kastrieren und zu kennzeichnen. Das soll eine unkontrollierte Vermehrung verhindern und der Überfüllung in Tierheimen entgegenwirken. In Baden-Württemberg haben 180 Gemeinden eine Katzenschutzverordnung, sagt Stubenbord. Außerdem rät sie von spontanen Haustierkäufen im Internet ab. "Man weiß nicht, woher die Tiere kommen".

Verein bringt ältere Tiere und Senioren zusammen

Der Verein "PfotenEngel - Zollernalb" zeigt eine weitere, unkonventionelle Lösung auf. Er vermittelt sogenannte Rentner- oder Gnadenbrottiere an Senioren. Ältere Tiere, die schwierig zu vermitteln sind, treffen auf Menschen, die wenig Chancen haben, ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren.

Fast wöchentlich bekommt sie mit, dass Menschen ab 60 Jahren kein Tier aus dem Tierheim bekommen, sagt Leiterin Sandra Topler. Dabei seien es oft gerade ältere Menschen, die Liebe, Zeit und Platz mitbrächten. Wer bewusst ins Tierheim gehe, habe das Herz auf dem rechten Fleck, sagt Topler. Von pauschalen Absagen aufgrund des Alters oder des Wohnorts hält sie nichts. Der Verein mache sich ausschließlich ein persönliches Bild von Mensch und Tier vor Ort.

Sandra Topler
Die beiden Hunde Hexe (10 Jahre) und ihre Tochter Baby (7 Jahre) sind nach dem Tod ihrer Besitzerin durch den Verein "PfotenEngel Zollernalb" an einen Senior in Balingen vermittelt worden. 100

"Für ein Tier gilt einfach das Hier und Jetzt", sagt Topler. "Und wenn man das so schön, frei und artgerecht wie möglich macht, ist es Schicksal, wenn doch mal etwas passiert". Auch in einer 30er-Zone könnten Katzen potenziell überfahren werden. Man könne nicht alles ausschließen im Leben.

Übrigens: Juristisch haftet der Verein für die Tiere. Bei Notfällen oder im Todesfall kommen die Tiere also wieder in den Pflegestellen des Vereins unter. Eine enorme Beruhigung für ältere Menschen, weiß Sandra Topler.

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Autor/in
Judith Hüwelmeier
Judith Hüwelmeier ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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