Der Verein "Pro Ocean" aus dem Reutlinger Stadtteil Betzingen bekämpft die Vermüllung der Meere auf der philippinischen Insel Negros im Westpazifik. Über ein Dutzend Mitarbeiter sammelt dort Abfall und klärt darüber auf, wie wichtig es ist, Müll zu verhindern - am besten, bevor er überhaupt ins Meer gelangt.
Für den Vereinsgründer Bastian Günther wurde vor ein paar Jahren ein sterbender Wal zum Wendepunkt. Das Tier war 2019 auf den Philippinen gestrandet, mit rund 40 Kilogramm Plastik im Bauch. Für den Wal kam jede Hilfe zu spät. Für Günther war es ein Anfang, denn die Idee "Pro Ocean" war geboren.
Von Betzingen auf die Philippinen
Noch im selben Jahr gründete er den Verein. Sitz ist bis heute Betzingen. Von hier aus koordiniert er zusammen mit anderen die Arbeit auf der philippinischen Insel Negros, wo sie seit jetzt fünf Jahren ein Team aus einheimischen Mitarbeitern haben.
Kern der Arbeit ist es, regelmäßig Müll in Küstenregionen zu sammeln, bevor er überhaupt im Meer landet: "Wenn Plastik einmal im Meer ist, gibt es nahezu keine Möglichkeit mehr, es herauszubekommen."
Sammeln und sortieren
Die meiste Arbeit des Vereins findet direkt an den Stränden statt. Dort sammeln Mitarbeitende Müll, sortieren ihn und entscheiden, ob er recycelt werden kann oder entsorgt werden muss. Plastik, das nicht recycelt werden kann, wird auf Deponien eingelagert, denn auf Negros gibt es keine Müllverbrennungsanlage.
Auf der Insel arbeiten die Mitarbeitenden eng mit Fischer- und Dorfgemeinschaften zusammen und informieren über die Folgen von Vermüllung. Auch dass sie an Schulen sind und mit Kindern Kontakt haben, ist ihnen wichtig. Günther ist überzeugt: Wenn Kinder sehen, wie die Sammler am Strand aktiv sind, erkennen sie ein Vorbild und merken, dass sich da jemand für eine lebenswerte Umwelt einsetzt.
Mehrere Stellen finanzieren
Dreizehn Menschen arbeiten auf Negros mittlerweile in Festanstellung. Laut Günther sind sie sozial- und krankenversichert, um vergleichbare Standards wie in Deutschland zu schaffen. Finanziert wird die Arbeit größtenteils durch Unternehmen und Stiftungen, aber auch durch staatliche Förderung und private Spenden.
Ocean Van für Schulen in BW
Bisher findet die Hauptarbeit auf den Philippinen statt. Doch der Verein will auch in Baden-Württemberg aktiver werden. Geplant ist ein sogenannter Ocean Van, mit dem man Schulen besuchen kann. Denn auch hier, findet Bastian Günther, sollte das Bewusstsein für Plastikverschmutzung gestärkt werden. Ende des Jahres soll es losgehen, und erste Schultermine sind bereits vereinbart.