RhineCleanUp findet neben Müll historische Tür im Rhein
SWR1: Was haben Sie bisher alles im Rhein gefunden?
Joachim Umbach: Fast alles, das ist saisonal sehr unterschiedlich. Die Gruppen, die im Moment schon unterwegs sind, finden viele Reste von Feuerwerkskörpern. Das ist im Januar immer so.
Wir haben im Moment Schnee, danach kommt Hochwasser. Wenn das Hochwasser vorbei ist, dann kommen mehr großteilige Sachen.
Wir haben nach der schlimmen Katastrophe damals an der Ahr ganze Wohnungseinrichtungen gefunden. Besonders auffällig war eine historische Tür von einer Gastwirtschaft dort an der Ahr. Die konnten wir sogar zurückbringen.
Dann kommt die Partyzeit. Dann sind es […] wieder viele Plastikflaschen. […] Und so ist das im Jahr eigentlich ganz unterschiedlich.
RhineCleanUp: Plastikmüll ist das größte Problem, nicht nur im Rhein
SWR1: Was ist denn am schlimmsten für den Rhein?
Umbach: Am schlimmsten für den Rhein ist […] die Plastikvermüllung. […]. Das fängt mit Plastikflaschen an, die einfach weggeworfen werden. Wenn die einmal am Ufer liegen, dann sind sie auch relativ schnell im Fluss und irgendwann in den Weltmeeren.
Es ist aber nicht nur die Flasche an sich. Die Flasche löst sich auf, die wird zerrieben, durch den Wellenschlag zerkleinert. Wir haben dann sehr schnell auch Mikroplastik und sogar Nanoplastik.
Das sind gefährliche Elemente, die dann von den Fischen aufgenommen werden. Es gibt Untersuchungen, dass 30 Prozent unserer Speisefische einen Plastikanteil haben.
Das will ich jetzt nicht dramatisieren, das ist nicht lebensgefährlich. Aber ich glaube nicht, dass es gesund ist.
SWR1: RhineCleanUp gibt es seit 2018. Wie viel Müll haben die vielen Freiwilligen in all dieser Zeit gesammelt?
Umbach: Wir gehen davon aus, dass wir in der Gesamtzeit vielleicht drei bis 4.000 Tonnen Müll gesammelt haben.
RhineCleanUp das ganze Jahr auf Müllfang am Rhein
SWR1: Allein mit einem "Dreck-weg-Tag" bekommt man die Flüsse wahrscheinlich nicht sauber.
Umbach: Nein. Unsere unsere Gruppen sind das ganze Jahr über aktiv. […] Wir kooperieren mit über 1.000 Gruppen bundesweit an 30 Flüssen.
Wir haben Schwerpunkte, […] jetzt im Frühjahr zum Beispiel an der Mosel vom 13. bis zum 22. März. Da sind wieder Dutzende von Gruppen aktiv. […]
Wenn man das Problem insgesamt in den Griff bekommen will, muss auch die Politik mitspielen. Da müssen die Kommunen mitspielen, da müssen entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden.
Ich sage immer, wenn man den Menschen eine Möglichkeit anbietet, den Müll in Mülleimern zu entsorgen, dann machen sie das auch. Wenn die nicht vorhanden sind, dann kommt es leider dazu, dass man nach einer Party den Müll einfach stehen lässt. […]
RhineCleanUp: Bewusstsein für Müllproblem im Rhein schaffen
SWR1: Wie versuchen Sie, das Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen?
Umbach: Wir versuchen, auch die Menschen zu erreichen, die für diese Vermüllung ursächlich verantwortlich sind. Die Leute, die bei uns mitmachen, die sind schon "katholisch", die muss ich nicht bekehren. Ich muss die Leute erreichen, die den Müll arglos in die Natur werfen. Da helfen die Medien. […]
Wir haben seit zwei, drei Jahren auch eine intensive Aufklärungsarbeit bei Kindern und Jugendlichen. Wir haben spezielle Programme für Kinder und Jugendliche entwickelt.
Wir gehen in die Schulen, veranstalten dort Workshops. Anschließend machen wir mit den Kindern und Jugendlichen ein Cleanup. Wir haben heute schon oft erlebt, dass wir mit Erwachsenen oder mit Familien zum Cleanup kommen und die Kinder den Erwachsenen erklären müssen, worum es da geht.