Die Bundesstraße 312, eine der wichtigsten Verkehrsadern in den Kreisen Reutlingen und Esslingen, wird ab Mitte 2029 für rund 14 Monate komplett gesperrt. Grund dafür ist die Sanierung zweier maroder Brücken: der Aichtalbrücke bei Aichtal-Aich und des Ermstalviadukts bei Neckartenzlingen (beides Kreis Esslingen). Das Regierungspräsidium Stuttgart hat entschieden, beide Brücken gleichzeitig zu erneuern. Mehrere betroffene Städte hatten das vorgeschlagen. Diese Bündelung soll die Bauzeit verkürzen und die Belastung für die Region auf einen begrenzten Zeitraum konzentrieren. Doch für Pendlerinnen und Pendler sowie Unternehmen in der Region bedeutet das massive Einschränkungen.
Sebastian Kurz, Bürgermeister von Aichtal (Kreis Esslingen), unterstützt die gleichzeitige Sanierung, fordert aber eine Ersatzbrücke. Eine solche Brücke könnte neben der bestehenden errichtet werden und den Verkehr während der Bauzeit aufrechterhalten, sagte er dem SWR. Die Vollsperrung ließe sich so deutlich verkürzen.
Wir wollen nicht, dass die Pendler über Jahre im Stau stehen und unsere Wirtschaft abgehängt wird.
Umleitungen und Staus in der Region
Dass die geplante Vollsperrung der B312 eine Belastungsprobe für die Pendlerinnen und Pendler sowie für die Wirtschaft im Ermstal ist, ist auch dem Landkreis Reutlingen bewusst, so Katja Walter-Frasch, Pressesprecherin des Landratsamtes Reutlingen. Betroffen seien neben den Berufspendlerinnen und Berufspendlern aus dem Landkreis Reutlingen auch etliche Unternehmen von der Schwäbischen Alb sowie Unternehmen aus dem Ermstal. Sie müssen sich auf längere Fahrtzeiten einstellen.
Pendler und Unternehmen unter Druck
Viele Unternehmen im Ermstal und auch aus den Kommunen entlang der B312 bei Aichtal befürchten zudem Störungen in ihren Lieferketten. Eine Verkehrsuntersuchung des Regierungspräsidiums Stuttgart soll zeigen, wo die größten Engpässe entstehen und wie diese abgemildert werden können. Ziel ist es, die Auswirkungen auf Pendler, Anwohner und Unternehmen so gering wie möglich zu halten.
Eine Vollsperrung ist für alle Betroffenen zweifellos mit Einschränkungen verbunden. In der Abwägung aller Vor- und Nachteile halten die betroffenen Städte und Gemeinden dieses Vorhaben jedoch für die sinnvollste Alternative.
Mehr Verkehr auf B27, B313 und in Reutlinger Teilorten
Das Landratsamt Reutlingen rechnet mit einer starken Verlagerung des Verkehrs auf andere Straßen. Besonders betroffen von der Sperrung: die Bundesstraßen B27, B313 und B464, die ohnehin stark befahren sind. Auch in den Stadtteilen Rommelsbach und Mittelstadt wird es voraussichtlich zu mehr Verkehr kommen. Autofahrer in Richtung Stuttgart sollen über Rommelsbach auf die B27 umgeleitet werden. Wer in den Süden will, soll durch Mittelstadt auf die B312 geführt werden.
Welche Auswirkungen die Vollsperrung der B312 auf den gesamten Verkehr in der Region haben wird, prüft das Regierungspräsidium Stuttgart in einer Verkehrsuntersuchung. Sie soll zeigen, an welchen Stellen es zu den größten Staus und Engpässen kommen wird. Damit sollen die Folgen für die Pendler, Anwohner und Unternehmen abgemildert werden.
Trotz der Herausforderungen halten die betroffenen Städte und Gemeinden die gleichzeitige Sanierung der beiden Brücken für die sinnvollste Lösung. Sie hoffen, dass durch die geplanten Untersuchungen und mögliche Ersatzmaßnahmen die Belastungen für Pendler und Unternehmen zumindest teilweise abgefedert werden können.