Der afrikanische Kontinent gilt als Wiege der Menschheit. Ob direkte Vorfahren des modernen Menschen vorher aber schon in anderen Teilen der Welt gelebt haben und erst später nach Afrika gegangen sind, ist in der Forschung umstritten. Ein neuer Fund unterstreicht zumindest die Möglichkeit, dass die menschliche Linie außerhalb Afrikas begonnen haben könnte – vielleicht sogar in Europa: In Bulgarien haben Wissenschaftler, darunter Forschende der Uni Tübingen, einen Oberschenkelknochen entdeckt. Ihren Untersuchungen nach dürfte das Fossil rund 7,2 Millionen Jahre alt sein.
Graecopithecus: Ein früher Zweibeiner
Laut den Forschenden weist der Oberschenkelknochen unverkennbare Merkmale eines Zweibeiners auf: ein verlängerter und aufrecht gerichteter Oberschenkelhals sowie spezielle Ansatzstellen für die Gesäßmuskulatur. Merkmale wie diese unterschieden sich von den Knochen baumbewohnender Menschen-Affen.
Der Oberschenkelknochen gehörte den Forschenden nach zu einem rund 24 Kilogramm schweren, wahrscheinlich weiblichen Individuum der Gattung Graecopithecus. An der bulgarischen Fundstelle Azmaka lebte diese an einem Flusslauf in einer Savannenlandschaft, ähnlich denen im heutigen Ostafrika.
Der Graecopithecus weise zwar Ähnlichkeiten zum heutigen Menschen auf. Allerdings habe sich dieser Vorfahr noch nicht wie der moderne Mensch bewegt. Auch ist unklar, ob wir vom Graecopithecus abstammen oder ob sich die Vormenschen in Afrika unabhängig von dieser Gattung entwickelt haben.
Forschung geht weiter
Der neue Fund ergänzt frühere Entdeckungen von Graecopithecus. Bereits 2017 hatte das Forschungsteam einen Unterkiefer aus Griechenland der selben Gattung zugeordnet. Erst jetzt konnten sie beweisen, dass der Graecopithecus damals schon aufrecht gehen konnten.
Die Arbeiten auf dem Balkan will das internationale Forschungsteam fortsetzen. Ziel sei es, weitere Fossilien von Graecopithecus zu finden und mehr über die Lebensweise dieses frühen Zweibeiners zu erfahren.