Das sagen Tübinger und Reutlinger Gleichstellungsbeauftragte

Ist der Weltfrauentag heute überhaupt noch wichtig?

Seit mehr als hundert Jahren gehen Frauen am 8. März auf die Straße und feiern das weibliche Geschlecht. Viele demonstrieren gegen Diskriminierung - ist das heute noch nötig?

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Von Autor/in Klara Keuthen

Für Tübingens Gleichstellungsbeauftragte Mihriban Şahin ist der Weltfrauentag ein Tag der Solidarität. Entstanden ist er 1911. Frauen durften damals noch nicht wählen und kämpften für ein Wahlrecht. Ihr Ziel: Gleichberechtigung. Für Mihriban Şahin ist das auch heute noch ein zentrales Anliegen. Sie sieht den Weltfrauentag als "feministischen Kampftag", an dem Themen wie Gender Pay Gap, Gewalt gegen Frauen und feministische Themen laut und offen angesprochen werden können.

Warum müssen Frauen heute noch demonstrieren?

So gibt es auch an diesem 8. März viele Veranstaltungen und Demonstrationen. Ist das noch nötig? Diese Frage hat die Stadt Tübingen auch Bürgerinnen und Bürgern auf der Straße gestellt. Laut Şahin haben viele das eindeutig bejaht. Auch die Gleichstellungsbauftragte findet, dass es den Weltfrauentag braucht - mehr denn je. Die aktuellen, gesellschaftlichen Entwicklungen mit einem verstärkten Rechtsruck zeigen, dass bestimmte Gruppen besonders feministische Errungenschaften infrage stellen, so Şahin.

Auch Rahel Rose, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Reutlingen, schätzt den Internationalen Tag der Frau heute noch als sehr aktuell ein. Themen wie Gleichstellung, Gewalt gegen Frauen, Altersarmut seien wichtig. Für sie stelle sich nicht die Frage, ob die Idee des Weltfrauentages veraltet ist, sondern eher, ob das Format von einem "Internationalen Tag der Frau" wirksam genug sei. Denn feministische Themen müssten auch Männer ansprechen, sagt Rose.

Die Tübingerin Mihriban Şahin sieht den Weltfrauentag als Anlass, dass auch Frauen und Männer zusammenkommen, miteinander sprechen und sich solidarisieren.

Drei Frauen zeigen sich gemeinsam in einer fröhlichen, ausgelassenen, jubelnden Pose. Symbolbild
Frauen feiern sich am 8. März. Der Weltfrauentag ist nicht aus der Zeit gefallen, sagen die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Reutlingen und Tübingen. IMAGO / blickwinkel

"Und wann gibt es den Männer-Tag?"

In Tübingen und Reutlingen wird der Weltfrauentag als Aktionstag sehr positiv von den Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen und von vielen Bündnissen und Vereinen unterstützt, berichten die Gleichstellungsbeauftragten der Städte.

Aber Kommentare wie "Und wann gibt es den Männertag?" gebe es immer wieder auf Postings der Stadt Reutlingen bezüglich des Weltfrauentags, erzählt Rahel Rose. Aber nicht nur Männer kritisieren den Tag, auch einige Frauen hielten den Tag für überflüssig. Das liege daran, vermutet Rose, dass diese Frauen bisher keine Diskriminierung erfahren haben und privilegiert aufgewachsen sind.

Tübingen: Am Weltfrauentag geht's auch um Demokratie

"Es ist schön, wenn Frauen sich nicht benachteiligt fühlen und das dürfen sie auch feiern. Aber es ist halt so, dass viele Frauen diese Benachteiligung erleben. Und da würde ich mir Solidarität von sowohl Frauen als auch Männern wünschen", sagt die Reutlingerin Rahel Rose. Auch für Mihriban Şahin ist der Internationale Tag der Frau alles andere als ein Tag nur für Frauenrechte und Feminismus. In Tübingen steht der Tag deshalb unter dem Motto: "Demokratie stärken - Antifeminismus begegnen."

"Alle antifeministischen Themen richten sich auch gegen Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Vielfalt, was wichtige demokratische Werte sind."

Die Gleichstellungsbeauftragten aus Tübingen und Reutlingen sind sich einig: Der Weltfrauentag ist nicht aus der Zeit gefallen und nach wie vor ein wichtiges Sprachrohr für gesellschaftliche Themen, die nicht nur Frauen betreffen.

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