Im Kreis Sigmaringen gibt es jetzt mehrere Flächen, die per Beschluss des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben für Windkraft reserviert sind. Wenn künftig Windräder geplant werden, dann soll das auf diesen Flächen passieren - so die Vorgabe des Landes. Der Grund: Der Regionalverband hat geprüft, wo günstige Windverhältnisse herrschen - und wo es gleichzeitig keine oder wenig Probleme mit Siedlungen, dem Artenschutz oder dem Militär gibt.
Große Windkraftanlagen in Gammertingen und Bingen
Drei große Flächen sind auf Gemarkung Gammertingen reserviert. Sie reichen teils über die Kreisgrenze, vor allem nach Reutlingen, hinaus. Auch bei Bingen ist eine große Fläche eingeplant, auf der teilweise bereits Windräder gebaut werden. Während es in Bingen keine Probleme zu geben scheint, regt sich im Gammertingen schon länger Protest.
Protest gegen Windkraft in Gammertingen-Kettenacker
Auf Gemarkung der Gemeinde Gammertingen sind insgesamt drei Gebiete für Windkraft reserviert. Zwei davon liegen in der Nähe des Teilorts Kettenacker. Weil es dort große Widerstände gebe, habe man die angedachte Fläche östlich von Kettenacker verkleinert und den Abstand zum Ort auf 1.000 Meter vergrößert, so Regionalverbandsdirektor Wolfgang Heine. Vorgeschrieben sind nur 750 Meter.
Auch die südwestlich gelegene Fläche zwischen Kettenacker und Hettingen sei kleiner geworden. Dort habe die Bundeswehr eingegrätscht.
Vielen Bürgern von Kettenacker und auch dem Ortschaftsrat ist das noch zu wenig. Man hätte gern einen Abstand von 1.300 Metern gehabt.
Viele Windkraftgebiete im Kreis Sigmaringen möglich
Dass man im Kreis Sigmaringen überdurchschnittlich viele Windkraftgebiete reserviert hat, bestätigt Wolfgang Heine. Das liegt zum einen daran, dass dort besonders viel Wind weht und die Besiedlung dünner ist als anderswo.
Aber anders wäre es laut Heine nicht möglich gewesen im Regionalverband Bodensee-Oberschwaben die landesweit vorgeschrieben 1,8 Prozent an Fläche zu erreichen. Denn im Bodenseekreis weht kaum Wind und im Allgäu verhindern Aussiedlerhöfe potentielle Windräder, weil die Abstände nicht eingehalten werden können.
Auch Rottweil und Tuttlingen haben viele Windkraftgebiete
Ähnlich sieht die Situation im Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg aus, sagt Verbandsdirektor Marcel Herzberg. Weil es im Schwarzwald-Baar-Kreis große Vogelschutzgebiete gibt, liegen die für Windkraft reservierten Flächen vor allem in den Kreisen Rottweil und Tuttlingen. Auch der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg hat seine Pläne jetzt per Beschluss verabschiedet.
Dietingen will Windkraft
Die Reaktionen auf die Ausweisungen sind sehr unterschiedlich: In Dietingen im Kreis Rottweil ist Windkraft willkommen. Dort plant die Gemeinde schon seit Jahren ein Windkraftgebiet - und genau diese Fläche hat der Regionalverband in seine Planungen mit aufgenommen. Etwas, das alle Regionalverbände versuchen, um Konflikte zu vermeiden.
Protest in Sulz, Vöhringen und Seitingen-Oberflacht
In Sulz und Vöhringen dagegen haben die Menschen bereits über Bürgerentscheide versucht, möglichen Windrädern einen Riegel vorzuschieben: Sie haben entschieden, dass ihre Kommunen keine Flächen für Windräder verpachten dürfen.
In Seitingen-Oberflacht (Kreis Tuttlingen) soll es ebenfalls einen Bürgerentscheid darüber geben, ob kommunale Flächen an Windkraftbetreiber verpachtet werden dürfen. Er ist für den 12. Oktober geplant.
Selbst wenn Gemeinden entscheiden, dass sie keine kommunalen Flächen für Windkraft zur Verfügung stellen, ist das aber nicht zwingend das Aus für Windräder in einem Gebiet. Privatwaldbesitzer oder Forst BW, das den Staatswald bewirtschaftet, können trotzdem Verträge mit Windkraftbetreibern abschließen. In Pfronstetten (Kreis Reutlingen) ist das zum Beispiel geschehen.
Andere Regionalverbände planen noch
So weit wie die Regionalverbände Bodensee-Oberschwaben und Schwarzwald-Baar-Heuberg sind noch nicht alle. Das geht auch aus einer Landtagsanfrage vom Juli hervor. Im Nordschwarzwald und in der Region Neckar-Alb etwa laufen dieser Tage die Einspruchsfristen gegen geplante Windkraftflächen ab. Die Einsprüche müssen dann noch geprüft und in die Pläne eingearbeitet werden. Anfang Dezember sollen dann auch in diesen beiden Regionalverbänden die Windkraftvorranggebiete beschlossen werden.