Regionalverbände erfüllen Landesvorgabe

Windkraftflächen in Sigmaringen, Tuttlingen und Rottweil festgelegt

Es tut sich was beim Thema Windkraft: Landesweit legen Regionalverbände Flächen für künftige Windräder fest. Das sind die Pläne für die Kreise Sigmaringen, Tuttlingen und Rottweil:

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Von Autor/in Ulrike Mix

Im Kreis Sigmaringen gibt es jetzt mehrere Flächen, die per Beschluss des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben für Windkraft reserviert sind. Wenn künftig Windräder geplant werden, dann soll das auf diesen Flächen passieren - so die Vorgabe des Landes. Der Grund: Der Regionalverband hat geprüft, wo günstige Windverhältnisse herrschen - und wo es gleichzeitig keine oder wenig Probleme mit Siedlungen, dem Artenschutz oder dem Militär gibt.

Große Windkraftanlagen in Gammertingen und Bingen

Drei große Flächen sind auf Gemarkung Gammertingen reserviert. Sie reichen teils über die Kreisgrenze, vor allem nach Reutlingen, hinaus. Auch bei Bingen ist eine große Fläche eingeplant, auf der teilweise bereits Windräder gebaut werden. Während es in Bingen keine Probleme zu geben scheint, regt sich im Gammertingen schon länger Protest.

Topografische Karte vom Landkreis Sigmaringen mit Vorranggebieten für Windenergieanlagen.
Im Kreis Sigmaringen sind jetzt konkrete Flächen für Windkraft reserviert. Dort sollen Anträge künftig unkomplizierter laufen. Außerhalb der Flächen Windräder aufzustellen, dürfte schwer bis unmöglich sein.

Protest gegen Windkraft in Gammertingen-Kettenacker

Auf Gemarkung der Gemeinde Gammertingen sind insgesamt drei Gebiete für Windkraft reserviert. Zwei davon liegen in der Nähe des Teilorts Kettenacker. Weil es dort große Widerstände gebe, habe man die angedachte Fläche östlich von Kettenacker verkleinert und den Abstand zum Ort auf 1.000 Meter vergrößert, so Regionalverbandsdirektor Wolfgang Heine. Vorgeschrieben sind nur 750 Meter.

Auch die südwestlich gelegene Fläche zwischen Kettenacker und Hettingen sei kleiner geworden. Dort habe die Bundeswehr eingegrätscht.

Vielen Bürgern von Kettenacker und auch dem Ortschaftsrat ist das noch zu wenig. Man hätte gern einen Abstand von 1.300 Metern gehabt.

Viele Windkraftgebiete im Kreis Sigmaringen möglich

Dass man im Kreis Sigmaringen überdurchschnittlich viele Windkraftgebiete reserviert hat, bestätigt Wolfgang Heine. Das liegt zum einen daran, dass dort besonders viel Wind weht und die Besiedlung dünner ist als anderswo.

Aber anders wäre es laut Heine nicht möglich gewesen im Regionalverband Bodensee-Oberschwaben die landesweit vorgeschrieben 1,8 Prozent an Fläche zu erreichen. Denn im Bodenseekreis weht kaum Wind und im Allgäu verhindern Aussiedlerhöfe potentielle Windräder, weil die Abstände nicht eingehalten werden können.

Auch Rottweil und Tuttlingen haben viele Windkraftgebiete

Ähnlich sieht die Situation im Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg aus, sagt Verbandsdirektor Marcel Herzberg. Weil es im Schwarzwald-Baar-Kreis große Vogelschutzgebiete gibt, liegen die für Windkraft reservierten Flächen vor allem in den Kreisen Rottweil und Tuttlingen. Auch der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg hat seine Pläne jetzt per Beschluss verabschiedet.

Übersichtskarte vom Gebiet Schwarzwald-Baar-Heuberg mit Gebieten für Regionalbedeutsame Windkraftanlagen.
Vor allem in den Kreisen Rottweil ind Tuttlingen hat der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg Gebiete für Windkraft reserviert. Wenn dort Windkraftanlagen gebaut werden, dann mit großer Wahrscheinlichkeit in diesen Gebieten.

Dietingen will Windkraft

Die Reaktionen auf die Ausweisungen sind sehr unterschiedlich: In Dietingen im Kreis Rottweil ist Windkraft willkommen. Dort plant die Gemeinde schon seit Jahren ein Windkraftgebiet - und genau diese Fläche hat der Regionalverband in seine Planungen mit aufgenommen. Etwas, das alle Regionalverbände versuchen, um Konflikte zu vermeiden.

Ein Bergrücken südwestlich von Seitingen-Oberflacht im Kreis Tuttlingen. Auf diesem bewaldeten Bergrücken könnten künftig Windräder stehen.
Hier könnten künftig Windräder stehen: auf dem Bergrücken "Oberer Berg/Höllbühl" südwestlich von Seitingen-Oberflacht im Kreis Tuttlingen.

Protest in Sulz, Vöhringen und Seitingen-Oberflacht

In Sulz und Vöhringen dagegen haben die Menschen bereits über Bürgerentscheide versucht, möglichen Windrädern einen Riegel vorzuschieben: Sie haben entschieden, dass ihre Kommunen keine Flächen für Windräder verpachten dürfen.

In Seitingen-Oberflacht (Kreis Tuttlingen) soll es ebenfalls einen Bürgerentscheid darüber geben, ob kommunale Flächen an Windkraftbetreiber verpachtet werden dürfen. Er ist für den 12. Oktober geplant.

Selbst wenn Gemeinden entscheiden, dass sie keine kommunalen Flächen für Windkraft zur Verfügung stellen, ist das aber nicht zwingend das Aus für Windräder in einem Gebiet. Privatwaldbesitzer oder Forst BW, das den Staatswald bewirtschaftet, können trotzdem Verträge mit Windkraftbetreibern abschließen. In Pfronstetten (Kreis Reutlingen) ist das zum Beispiel geschehen.

Andere Regionalverbände planen noch

So weit wie die Regionalverbände Bodensee-Oberschwaben und Schwarzwald-Baar-Heuberg sind noch nicht alle. Das geht auch aus einer Landtagsanfrage vom Juli hervor. Im Nordschwarzwald und in der Region Neckar-Alb etwa laufen dieser Tage die Einspruchsfristen gegen geplante Windkraftflächen ab. Die Einsprüche müssen dann noch geprüft und in die Pläne eingearbeitet werden. Anfang Dezember sollen dann auch in diesen beiden Regionalverbänden die Windkraftvorranggebiete beschlossen werden.

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