Aktiv gegen Einsamkeit

Interview mit Ulms Sozialbürgermeisterin Iris Mann: "Ulm sagt Hallo" gegen Einsamkeit

Die Stadt Ulm will einsame Menschen ermutigen, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Ulms Sozialbürgermeisterin Iris Mann erklärt, warum der Stadt das Thema Einsamkeit wichtig ist.

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Von Autor/in Maja Nötzel

Die Stadt Ulm engagiert sich gegen Einsamkeit. Im Februar hat sie für ein Projekt gegen Einsamkeit rund 193.000 Euro Fördergelder vom Bund und von der EU erhalten. Erste Aktionen gibt es schon, so hat die Stadt hat den Monat November zum Akionsmonat "Ulm sagt Hallo!" erklärt. Darüber hat SWR Aktuell mit der Schirmherrin der Aktion, der Sozialbürgermeisterin Iris Mann (parteilos) gesprochen.

SWR Aktuell: Waren Sie in Ihrem Leben schon mal einsam, Frau Mann?

Iris Mann: Ja, natürlich. Ich glaube jeder Mensch war in seinem Leben schon mal einsam. Die Frage ist, ob man das erstens zugibt und zweitens, wie man damit umgeht. Beispielsweise war ich mehrfach im Ausland in meinen jüngeren Jahren und da kommt man irgendwo hin, wo man keine Menschenseele kennt und wo man in eine fremde Kultur eintaucht. Natürlich ist man da erst mal einsam und muss mit dieser Situation und mit sich selbst klarkommen.

SWR Aktuell: In Ulm gibt es jetzt ein Projekt, was eben sich gerade an jüngere Menschen richtet. Warum?

Iris Mann: Weil wir zunehmend feststellen, dass es eben auch junge Menschen gibt, das Projekt richtet sich an alle zwischen 16 und Ende 50, die einsam sind, die Schwierigkeiten haben, im realen Leben mit Menschen in Kontakt zu kommen. Ich bin mir schon ziemlich sicher, dass das auch noch mal so stark zugenommen hat, weil wir während der Corona-Pandemie einfach dieses soziale Training auch in jungen Jahren gar nicht erleben konnten. Die Menschen, die in dieser Zeit in einem jungen Alter waren, die hatten gar keine Chance bestimmte Dinge zu erfahren, auszuprobieren, wie man mit neuen Situationen zwischenmenschlicher Art umgeht. Das Zweite ist, dass natürlich auch über die intensivere Nutzung des Internets ganz andere Kommunikationsformen entstanden sind, die es Leuten, die nicht so extrovertiert sind, auch leicht machen, gar nicht mehr rauszugehen.

SWR Aktuell: Aber was kann denn die Stadt Ulm da tun?

Iris Mann: Zunächst einmal wollen wir signalisieren, dass wir das Thema sehr ernst nehmen und wir wollen mit Leuten ins Gespräch kommen. Das heißt, wir haben schon zum Auftakt des Projektes eine Initiative gestartet, wo wir die Ulmerinnen und Ulmer gebeten haben, uns zu sagen, was sie gerne Menschen sagen würden, die sich einsam fühlen. Und diese Botschaften haben wir in kleine Glückskekse verpackt, die an ganz unterschiedlichen Orten in der Stadt jetzt verteilt werden und ausliegen. Die nächste Stufe ist, dass natürlich auch Menschen, die betroffen sind, gefragt werden über verschiedene Dialogformate.

Die Aktion "Ulm sagt Hallo". Mit Postkarten und Glückskeksen gegen die Einsamkeit. Sie sollen das Eis brechen und einsamen Menschen helfen auf andere zuzugehen.
Die Aktion "Ulm sagt Hallo". Mit Postkarten und Glückskeksen gegen die Einsamkeit. Sie sollen das Eis brechen und einsamen Menschen helfen auf andere zuzugehen.

Das ist die eine Schiene, die sich wirklich an Menschen direkt richtet. Die andere Schiene ist, dass wir auch auf der Ebene von Multiplikatoren und Profis praktisch das Thema in den Fokus rücken wollen. Wir hatten jetzt am 5. November einen Fachtag zu dem Thema, wir haben ein Netzwerk gegründet mit den Kirchen, Vereinen, der Wirtschaft und anderen, wo wir uns gegenseitig Tipps geben, und wir haben für den November einen Monat ausgerufen, den "Hallo-Monat", bei dem wir Menschen wirklich dazu ermutigen wollen, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Wir wollen Menschen dazu ermutigen, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Man kann aber auch Dinge anbieten oder Angebote wahrnehmen, die es schon gibt. Wir haben beispielsweise eine Initiative, die heißt "Gemeinsam in Ulm unterwegs". Das sind Angebote, wo man einfach miteinander spazieren gehen kann, die von verschiedenen Leuten initiiert werden. Es gibt auch gemeinsame Koch- oder Backmöglichkeiten in den Quartieren. So entstehen eben viele Möglichkeiten, auf unterschiedliche Art und Weise miteinander ins Gespräch zu kommen.

SWR Aktuell: Aber wieso ist es denn für die Stadt auch wichtig, da auch was zu tun - es nicht nur zu sehen, sondern es auch aktiv zu werden?

Iris Mann: In der Pflicht sind wir eigentlich nicht, sondern wir machen das, weil wir sehen, dass es ein gesamtgesellschaftliches Thema ist, das über kurz oder lang Schwierigkeiten machen wird. Erstens ist Einsamkeit ein Thema, das krank macht. Das ist nachweislich auch erwiesen. Es schwächt natürlich auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ich glaube, für unsere Gesellschaft insgesamt und auch für unser demokratisches System ist es einfach elementar, dass Menschen sich aktiv einbringen. Und das kann man nicht, wenn man eine Hemmung hat, mit anderen in Kontakt zu kommen.

SWR Aktuell: Sie haben jetzt Geld bekommen vom ESF-Förderprojekt, 193.000 Euro. Ein Teil, nehme ich mal an, fällt da auf die Glückskekse, die Postkarten gehören da ja auch dazu. Wie können denn Postkarten gegen Einsamkeit helfen?

Iris Mann: Ich glaube auch da ist es so, dass die Postkarten erst mal helfen, das Thema ins Bewusstsein zu bringen. Im besten Fall, wenn man in einer Kneipe beispielsweise ist und an so einem Gratis-Postkartenständer vorbeiläuft. Manchmal nimmt man dann doch eine mit und denkt: Ach, könnte ich mal jemandem schicken. Und so kann ein Denkprozess in Gang kommen.

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Autor/in
Maja Nötzel
Porträt der Redakteurin Maja Nötzel im blauem Pullover

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