Bürgerinitiative beklagt mangelnde Transparenz

Von wegen Ruhe und innerer Frieden: Buddha-Figur sorgt in Schwäbisch Gmünd für Ärger

Normalerweise steht eine Buddha-Figur für Ruhe und inneren Frieden. Wie kommt es dann dazu, dass in Schwäbisch Gmünd ein dreieinhalb Meter großes Schwergewicht für Aufregung sorgt?

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Von Autor/in Frank Polifke

Eine Buddha-Statue sorgt in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) für Aufregung. Die dreieinhalb Meter hohe Steinfigur wurde Ende September auf dem Zeiselberg aufgestellt. Darüber ärgert sich eine Bürgerinitiative. Eigentlich soll die Statue Frieden und Wohlbefinden symbolisieren - doch in Schwäbisch Gmünd sorgt das Kunstwerk stattdessen für lebhafte Debatten.

Der Gmünder Buddha: Ein Geschenk, das polarisiert

Die Statue, die keinen sitzenden, sondern einen stehenden Buddha darstellt, ist ein Geschenk an die Stadt und wurde von der gebürtigen Chinesin Eunice Wang initiiert, die seit zehn Jahren in Schwäbisch Gmünd lebt. Der Buddha wurde in China aus einem Granitblock gefertigt, nach Deutschland verschifft und mit mehreren hundert Gästen eingeweiht.

Eunice Wang wollte der Stadt mit der Statue etwas Gutes tun: "Ich wünsche mir einfach, dass es allen Menschen, die in Schwäbisch Gmünd und in dieser Gegend leben, zukünftig besser geht, wenn Kishiti-Garbha Bodhisattva ihnen hilft", erklärt Wang. Doch statt des erhofften Segens bringt der Buddha vorerst eher Kontroversen.

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Buddha aus Stein

Eine Bürgerinitiative mit dem Namen "Stadtklima Schwäbisch Gmünd" kritisiert die Art und Weise, wie die Statue aufgestellt wurde. Sie fordert jetzt per Schreiben an die Stadtverwaltung Auskunft, was Transport und Aufstellung der Figur gekostet haben. Wer das bezahlt hat und wer für die Pflege der Anlage aufkommt.

Der Sprecher der Initiative, Michael Stütz, moniert, dass die Stadtverwaltung die Aufstellung eigenmächtig veranlasst habe. "Das Aufstellen einer 3,5 Meter hohen Statue ist keine reine Verwaltungsmaßnahme, sondern betrifft die Nutzung öffentlicher Plätze", so Stütz. Nach der Gemeindeordnung obliege die Entscheidungskompetenz daher dem Gemeinderat.

Stadtverwaltung verteidigt sich

Die Stadtverwaltung sieht das anders. Markus Herrmann, Pressesprecher der Stadt, betont, dass die Statue keine öffentliche Fläche "bebaut", dafür keine Bäume gefällt und auch keine städtischen Mittel in Anspruch genommen wurden. "Es wurde gespendet. Das ist hier ein Fleck, der gewonnen hat", argumentiert Herrmann.

Formaljuristisch brauche man dafür keinen Gemeinderatsbeschluss. Der Buddha sei auch nie ein Thema bei Parteien und Fraktionen des Gemeinderats gewesen.

Guter Ausblick vom Zeiselberg auf Schwäbisch Gmünd: Die dreieinhalb Meter hohe Buddha-Statue ist in der Stadt nicht unumstritten.
Guter Ausblick vom Zeiselberg auf Schwäbisch Gmünd: Die dreieinhalb Meter hohe Buddha-Statue ist in der Stadt nicht unumstritten.

Menschen in der Stadt fremdeln teils mit Buddha-Statue

"Auf den ersten Blick irritiert es mich", sagt eine Frau bei einer SWR-Umfrage, während sie die Buddha-Statue anschaut. Eine andere erkennt den kulturellen Bezug zur Stadt nicht. Doch manche empfinden die Statue auch als Bereicherung: "Ich finde, solche Wahrzeichen kann man gern ausstellen. Wir sind sowieso eine kulturell gut aufgestellte Gesellschaft mittlerweile", meint eine Passantin.

"Natürlich hat unsere Stadt Schwäbisch Gmünd eine katholische und eine stark christliche Prägung", sagt Münsterpfarrer Robert Kloker. "Aber es ist natürlich so: Heute leben wir auch eine große religiöse Vielfalt in Schwäbisch Gmünd dadurch, dass hier viele Nationen vertreten sind." Als katholische Kirche sei man intensiv im interreligiösen Dialog engagiert.

Schwäbisch Gmünd: Ein Buddha für den Dialog

So bleibt der Buddha stehen - als Symbol für Frieden und Wohlbefinden, aber auch als Auslöser einer Debatte über kulturelle Offenheit. Vielleicht wird Kishiti-Garbha Bodhisattva den Gmünderinnen und Gmündern mit der Zeit tatsächlich Wohlbefinden bringen. Bis dahin hat die Statue zumindest eines sicher erreicht: Sie regt zum Nachdenken an.

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Autor/in
Frank Polifke
Frank Polifke
Onlinefassung
Peter Schmid
SWR-Aktuell Redakteur Peter Schmid

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