Seit mittlerweile acht Jahren stehen zwei Fake-Blitzer an einer Durchfahrtsstraße im Schelklinger Stadtteil Schmiechen (Alb-Donau-Kreis). Aufgestellt wurden sie, um das Tempo im Ort zu reduzieren - mit Erfolg, finden die Menschen in Schmiechen. Und auch die Behörden haben offenbar nichts einzuwenden.
Keine Verkehrsberuhigung für Schelklingen-Schmiechen?
Jahrzehntelange habe es im Ort Diskussionen gegeben, weil Lkw, Autos und Motorräder häufig zu schnell fuhren, berichtet Manfred Denkinger. Er wohnt an der Ortsdurchfahrt, gleich neben der Blitzer-Attrappe, die er gemeinsam mit einem Nachbarn gebaut hat. Dort ist nur ein schmaler Gehweg, und das sei gefährlich für Schulkinder, wenn Lkw mit 60, 70 Stundenkilomentern vorbeifahren, findet der 67-Jährige.
Vor Jahren gab es eine Unterschriftensammlung für eine Verkehrsberuhigung. Rund 300 Unterschriften kamen zusammen - in dem Ortsteil leben rund 1.000 Menschen. Durch eine Ortskernsanierung sei es besser geworden. Jetzt gibt es beispielsweise zwei Fußgängerüberwege. Doch das sei zu wenig, finden viele Schmiechener. Im Gespräch mit der Nachbarschaft hatten Manfred Denkinger und sein Nachbar Martin Wachter dann die Idee mit der Blitzer-Attrappe. Sie wollten ein Zeichen setzen.
Aus einem Maischerz wird Daueraktion
Die Attrappen der Blitzersäulen waren 2018 erst als Maischerz gedacht. In der Werkstatt des früheren Energieanlagenelektronikers Denkinger bastelten die beiden Männer an der Attrappe. Stabile Papprohre wurden verbunden, drumrum graue Lkw-Plane: "Die Plane ist teuer, aber das war's uns wert", so Martin Wachter. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion stellten sie die Attrappen auf. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.
Landratsamt duldet Blitzer
"Es kam gleich die Polizei zur Erstabnahme", scherzt Manfred Denkinger. Erst forderten die Polizisten, dass der Blitzer abgebaut werden soll. Aber dann wurden die Attrappen doch geduldet, auch weil keine Elektronik in den Säulen verbaut war.
Auch das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises meldete sich. Das Ergebnis: Die Attrappen stünden zwar am Straßenrand, doch auf Privatgrund. Außerdem gefährdeten sie nicht den Straßenverkehr und seien als Nachahmungen erkennbar. In solchen Fällen dulde man Blitzer-Attrappen, so die Behörde.
Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis, wie es jetzt ist.
Reaktionen auf Fake-Blitzer geteilt
Obwohl die Säulen nun schon seit acht Jahren stehen, tun sie immer noch ihren Dienst: Sie beruhigen den Verkehr. "Es hilft dem Autofahrer. Er sieht den Blitzer, schaut auf den Tacho und sieht: Ich bin zu schnell. Sie sind also eine Gedankenstütze. Klar, das gefällt nicht jedem."
Die beiden Prototypen sind inzwischen verbessert worden. Sie hatten einen Baufehler, berichten die beiden Nachbarn. Oben regnete es rein, wodurch die Pappe aufweichte. Und es gab Vandalismus. Unbekannte warfen die Blitzersäulen um.
Das entmutigte die beiden Männer nicht. Sie bauten ein Nachfolgemodell und scherzen nun: "Die könnten jetzt in Serie gehen". Die neuen Fake-Blitzer sind sicher einbetoniert und haben einen Deckel gegen das Regenwasser.
Verkehrsteilnehmer reagieren höchst unterschiedlich. Manchmal werde im Vorbeifahren der Stinkefinger gezeigt. Manche Auto- und Motorradfahrer würden an der Stelle extra Gas geben. Dennoch: In der Summe wirken die Blitzer - und es gibt auch positive Reaktionen.
"Mein Sohn war im Garten und eine Frau hat angehalten und sich dafür bedankt, dass die Blitzer aufgestellt wurden. Früher ist sie oft an dem Stück überholt worden, jetzt nicht mehr," erzählt Martin Wachter. Sie habe seinem Sohn, der am Blitzer mitgearbeitet hat, fünf Euro gegeben.
Und er hat eine zweite Geschichte: "Ein anderes Mal hab ich den Kopf geschüttelt, weil einer viel zu schnell vorbeifuhr. Ein, zwei Wochen später hielt er an, stieg aus und entschuldigte sich fürs zu schnelle Fahren. Er war in Gedanken."
Werden noch lange stehen
Die beiden Nachbarn wären durchaus bereit, die Blitzer-Attrappen wieder abzubauen. Allerdings nur gegen echte, fest installierte Blitzer. Für diese würden sie sogar die Stromversorgung und die Wartung übernehmen, bieten sie an.
Das Landratsamt plant derzeit allerdings keine weiteren festen Blitzer. Es setzt auf mobile Geschwindigkeitskontrollen. Die Fake-Blitzer werden vermutlich noch lange in Schelklingen-Schmiechen stehen.