In Essingen (Ostalbkreis) sorgt ein ungewöhnlicher Starfotograf für Aufsehen: Der Blitzer an der Bahnhofstraße. Seit Juni 2025 wurde er über 17.000 Temposündern zum Verhängnis und hat mehr als 700.000 Euro eingebracht. Im Frühjahr 2025 hatte das Landratsamt des Ostalbkreises aus Lärmschutzgründen das Tempo von 50 auf 30 gesenkt. Die Haugga-Narra, Essingens Faschingsverein, haben den "Bildermacher" deshalb prompt zum närrischen Motto gemacht.
Blitzer in Essingen: Der "Rising Star" des Ostalbkreises
"Es ist der närrische Zorn, den dieser Blitzer auf sich gezogen hat", erklärt Holger Franke, Präsident der Haugga-Narra. Der Vorwurf: Der Landkreis nutze den Blitzer, um Geld für das neue Ostalbklinikum zu sammeln. "Was eignet sich dafür besser, als an der Essinger Ortsdurchfahrt diesen Blitzer zu montieren?", fragt Franke mit einem Augenzwinkern.
Es ist der närrische Zorn, den dieser Blitzer auf sich gezogen hat!
In der Ortsmitte von Essingen sorgt ein Plakat der Narren für Schmunzeln: "Tempo 35 für deine Spende zum Klinikneubau" steht darauf - eine klare Spitze gegen den berüchtigten Blitzer. Auch sieht der Mann auf dem Plakat Landrat Joachim Bläse (CDU) verblüffend ähnlich. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Aus dem Landratsamt kommt auf SWR-Anfrage kein Kommentar zum Plakat, nur trockene Zahlen.
Mit rund 700.000 Euro in nur sieben Monaten ist der Essinger Blitzer Spitzenreiter im Ostalbkreis. Er liegt vor seinem Kollegen in Unterschneidheim-Zöbingen, der hat es im vergangenen Jahr auf 484.000 Euro gebracht, und dem in Leinzell mit 269.000 Euro.
Ein Blitzer, der Essingen verbindet - und fast alle erwischt
Der Blitzer scheint in Essingen tatsächlich alle abzulichten - von den Narren, einer kommt auf auf ganze vier Mal, bis hin zu Rathausmitgliedern, die sogar selbst für den neuen Blitzer gestimmt haben. Auch der Bürgermeister Wolfgang Hofer (CDU) ist schon reingerauscht.
In ihrem traditionsreichen Haugga-Blatt, der Faschingszeitung, widmen die Narren dem Radarstar gar eine Doppelseite. Im Vorfeld hatten sie die Essingerinnen und Essinger aufgerufen, ihre Blitzerfotos einzuschicken. Elf Rückmeldungen kamen und wurden abgedruckt.
Essingens Bürgermeister hält sein Foto lieber unter Verschluss: "Ich bin mordsmäßig erschrocken, als ich kapiert hab, was auf mich zukommt. Und hab eine Vollbremsung gemacht." Mit einem Grinsen gesteht er: "In dem Fall sehe ich nicht gut aus."
Närrische Gegenmaßnahmen um Blitzer zu entkommen
Mittlerweile bieten die Narren sogar eine "Zensierhilfe" an. In ihrem Onlineshop gibts eine Balkenbrille für das kommende Blitzerbild zu erwerben - natürlich nur symbolisch. Dass das strafbar ist, sollte jedem klar sein.
Erfolgreich, umstritten, bejubelt: Der neue Blitzer in Essingen hat alle Attribute eines Rising Stars und ist längst mehr als ein einfacher Radar. Er verbindet die Essinger - und sorgt für Gesprächsstoff weit über die Ortsgrenzen hinaus.