Wer hat Nerven wie Drahtseile? Das "Game of Cranes", wörtlich "Das Spiel der Krane", ist mehr als ein bloßes Spiel mit einem Kran. Hier sind die Besten am Joystick. Denn es ist die Weltmeisterschaft der Mobilkranfahrer.
Bier einschenken mit einem tonnenschweren Mobilkran
Eine von fünf Wettbewerbs-Disziplinen ist: Bier einschenken - mit einem Mobilkran. Da ist wohl mehr als Fingerspitzengefühl gefragt, vielmehr Millimeterarbeit. Und das bei winterlichen zwei Grad und kalten, starren Fingern. Ein "Spiel" mit echtem ferngesteuertem Spielzeug riesigen Ausmaßes.
Fünf Kontinente, fünf Kontrahenten, fünf Disziplinen
Fünf Männer spielen zwei Tage lang mit: Kran-Profis aus Südamerika, Australien, Neuseeland, den USA und Großbritannien. Kein deutscher Kranfahrer hatte sich für das Finale in Ehingen am 26./ 27. November 2025 qualifiziert. 200 Bewerber aus aller Welt wollten den Meistertitel. Nur eine Frau aus Australien schaffte den Sprung unter die letzten 25.
Mehr als 60 Meter hoch fährt der Ausleger eines der Kolosse aus, kann bis zu 99 Meter hoch tonnenschwere Lasten in die Luft heben. Damit Filigranes durch ein Labyrinth zu bewegen, dürfte weitaus schwieriger als ein Geduldsspiel sein. Meister der Feinmotorik müssen sie alle fünf sein. Aber nur einer ist der neue Weltmeister.
Weltbester Mobilkranfahrer ist ein Brite: Scott White
Auf Präzision, Technik und Geschicklichkeit kam es der Jury von Liebherr an: Damit hat Scott White sich gegen seine vier Kontrahenten durchgesetzt. Der Londoner kann offenbar viel mehr als rationell auf großen Baustellen zu arbeiten. Seit 23 Jahren ist er Kranfahrer.
It means more to me than just a job - es bedeutet für mich mehr als nur Arbeit
Nach der Siegerehrung zeigte sich der neue Weltmeister im Mobilkranfahren emotional: "Mir fehlen die Worte, ich bin überglücklich", kommentierte er seinen Erfolg. Und erinnert sich an seinen verstorbenen Vater. Auch er war Kranführer: "Wenn er jetzt wüsste, dass ich das gewonnen habe, wäre er so stolz."
In jedem Land sind die gesetzlichen Grundlagen komplett unterschiedlich
Nicht nur das Kranfahren, auch die Organisation hat offenbar Nerven wie Drahtseile erfordert: Das Schwierigste sei gewesen, die unterschiedlichsten Länder unter einen Hut zu bekommen, sagt Michaela Gogeißl von Liebherr: "Welcher Kranfahrer braucht in welchem Land welche Lizenz, um an diesem internationalen Event teilnehmen zu können?“ Auch diese Herausforderung des "Bodenpersonals" wurde gemeistert.