Deutschlands größte kommerzielle Anlage eingeweiht

Warum in Schwäbisch Gmünd grüner Wasserstoff hergestellt wird

In Schwäbisch Gmünd ist nach Angaben des Betreibers die größte kommerzielle Anlage für grünen Wasserstoff entstanden. Einweihung war mit viel Prominenz am Dienstag.

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Von Autor/in Maja Nötzel, Frank Wiesner

In Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) steht nun die größte Produktionsanlage für grünen Wasserstoff in Baden-Württemberg und die erste kommerzielle Anlage Deutschlands. Das sagt die Unternehmensgruppe Lhyfe, die Bauherrin und Betreiberin der Anlage. Die Anlage soll vor allem jene Industriezweige mit umweltfreundlich hergestelltem Wasserstoff versorgen, die viel Energie verbrauchen. Grüner Wasserstoff könne aber auch als Kraftstoff für Lkw und Busse mit Brennstoffzellen eingesetzt werden, hieß es.

Warum braucht es grünen Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff ist emissionsfrei - wenn er Erdöl und andere fossile Energieträger ersetzt, verringert sich der Ausstoß von Kohlendioxid. Damit komme man den Klimazielen einen Schritt näher: Baden-Württemberg beispielsweise setzt sich für eine Reduzierung der Emissionen und Klimaneutralität bis 2040 ein.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte bei der Einweihung, dass Wasserstoff strategisch wichtig sei. Ohne Wasserstoff könne man nicht in eine klimaneutrale Zukunft gehen. Er lobte den Pioniergeist in Schwäbisch Gmünd, hier werde etwas auf die Beine gestellt.

Schwäbisch Gmünd als Standort

Die Stadt Schwäbisch Gmünd und ihr Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU) haben sich um die Produktionsanlage bemüht. Die Kommune hat das EU-Leuchtturmprojekt zu sich in die baden-württembergische Modellregion Grüner Wasserstoff geholt. Das Projekt wird von der EU durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit mehr als sechs Millionen Euro gefördert.

Für das Unternehmen Lhyfe war klar, dass sie den Produktionsstandort in Baden-Württemberg aufbauen wollen. Im Herzen der europäischen Automobilindustrie. Für Schwäbisch Gmünd hat sich Lhyfe wegen des Engagements der Stadt entschieden, so Luc Graré, Leiter Zentral- und Osteuropa bei Lhyfe. "Was wir in Schwäbisch Gmünd gefunden haben, ist das Engagement, die Begeisterung vom Bürgermeister, von der Wirtschaftsförderung und vielen anderen Beteiligten in der Gemeinde. Das hat uns begeistert. Die wollen anpacken, die wollen Visionen umsetzen, wenn auch noch nicht alles einhundertprozentig klar ist. Das war die perfekte Chemie mit uns".

Produktionsmenge groß - und doch schon zu klein

Bis zu vier Tonnen grüner Wasserstoff sollen künftig täglich in der Anlage erzeugt werden. Für die Herstellung von grünem Wasserstoff wird Strom aus Windkraft und Photovoltaikanlagen genutzt. Sie soll vor allem den geplanten Gmünder Industriepark H2-Aspen versorgen, könnte aber auch Firmen in ganz Deutschland beliefern. H2-Aspen soll ein nachhaltiger Industrie- und Technologiepark mit hohen ökologischen und nachhaltigen Standards werden.

Allerdings ist der Bedarf an grünem Wasserstoff schon jetzt höher als die Mengen, die die neue Wasserstoffproduktionsanlage liefern kann. Der Ostalbkreis und der Kreis Heidenheim haben schon jetzt einen Bedarf an Wasserstoff, der so groß ist wie die Menge, die derzeit in ganz Deutschland hergestellt wird, erläutert die Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg.

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Wir gelten als energieintensives Unternehmen.

Der Energiebedarf belaufe sich auf zehn Millionen Kilowatt Stunden Strom im Jahr und etwa sechs bis sieben Millionen Kilowattstunden Gas. Weil für die Kunden in der Papierindustrie der Druck steige, den CO2-Fußabdruck zu verkleinern, will auch der Zulieferer reagieren. Das fossile Erdgas soll durch Wasserstoff ersetzt werden. Möglichst durch grünen Wasserstoff.

Heiko Hesemann ist Geschäftsführer der Hüttenwerke Königsbronn. Er hofft auf grünen Wasserstoff für die energieintensive Produktion von Kalanderwalzen.
Heiko Hesemann ist Geschäftsführer der Hüttenwerke Königsbronn. Er hofft auf grünen Wasserstoff für die energieintensive Produktion von Kalanderwalzen.

Das Ziel ist allerdings noch fern, denn der grüne Wasserstoff muss Königsbronn auch erreichen. Per Lkw sei das bei den Mengen nicht möglich, so Heiko Hesemann. Aber es werde derzeit eine Wasserstoffpipeline geplant, von Esslingen über Ulm bis nach Bayern. Da würden sich die Hüttenwerke Königsbronn gern anhängen.

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Gebaut wurde die Anlage von der Unternehmensgruppe Lhyfe. Sie will den Zugang zu grünem und erneuerbarem Wasserstoff in industriellen Mengen ermöglichen. Zugleich soll ein positives Energiemodell geschaffen werden, das in der Lage ist, ganze Industrie- und Verkehrssektoren zu dekarbonisieren. Lhyfe wurde 2017 in Frankreich gegründet und ist heute in zwölf europäischen Ländern aktiv. In Deutschland hat Lhyfe eine Produktionsstätte für das H2goesRail-Projekt der Deutschen Bahn in Tübingen aufgebaut.

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Maja Nötzel
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Frank Wiesner
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