Im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld gibt es einen tierischen Prominenten, der die Straßen dort unsicher macht: Pauli. Mit seiner Neugier und seinem charmanten Wesen hat sich der acht Monate alte Kater zum Liebling gemausert. Vom Pferdesportverein Ulm/Neu-Ulm aus beginnt er seine täglichen - und durchaus mehrtägigen - Abenteuer. Und die sind alles andere als langweilig.
Kater Pauli im Stadtteil bekannt
Immer wieder dieser junge, weiß-orange gefleckte Kater - mal in Wohnungen oder auf Terrassen. Mit Fotos von ihm und der Frage, wem der zutrauliche kleine Kerl gehört, hat es in einer WhatsApp-Gruppe des Stadtteils angefangen. Dort sind mehrere Hundert Menschen Mitglied. Die Antwort: "Das ist Pauli" - und: "Wir holen ihn ab."
Anwohnerin Jasmin erzählt einen wohl typischen Pauli-Besuch: "Wir saßen eines Abends im Wohnzimmer. Die Terrassentür war offen. Da haben wir ein Miauen gehört. Auf einmal stand er im Wohnzimmer." Neugierig und zutraulich sei er gewesen - und süß. Der Kater habe dann in einer Kiste mit Decken auf der Terrasse übernachtet. Am nächsten Morgen postete sie ein Bild des Katers auf Facebook. Daraufhin holte ihn die Reitlehrerin des Vereins ab.
Als Hofkater hat Pauli einiges an Personal. Wer sich zum Hof zugehörig fühlt - Reitlehrerinnen und Vereinsvorstandschaft - der kümmert sich. Auf den Hof gebracht hat ihn Joana Wesserlingk, doch dazu später.
Durch die WhatsApp-Gruppe ist Pauli schnell bekannt geworden. Weil er so häufig Thema war, wurde die "Pauli-Gruppe" gegründet. Dort sind seitdem Sichtungen und Erlebnisse zu finden, so dass seine Fans immer wissen, was er nun schon wieder angestellt hat - und das ist einiges.
Pauli auf Tour mit Skifahrern, Polizei und im Tierheim
Er kommt 'rum, der junge Kater. Im Winter stieg er klammheimlich in einen Bus ein, der auf dem Weg zu einem Skitagesausflug war. Die Skifahrer bemerkten ihn allerdings kurz nach der Abfahrt und fuhren ihn wieder heim - nicht ohne ihn vorher ausgiebig zu kraulen.
Pauli spielt außerdem gern mit Kindern im Kindergarten oder begleitet die Größeren zur Grundschule. Dort setzt er sich dann vors Gebäude und wartet auf sie. Anfang März spazierte er mit zwei Wanderern mit. Die versuchten zwar, ihn unterwegs heimzuschicken, doch ohne Erfolg. Er begleitete sie ausdauernd bis ins sechs Kilometer entfernte Senden. Dort informierten sie die Polizei.
Pauli begrüßte die Beamten, indem er versuchte, auf die Schulter einer Polizistin zu klettern. Dann inspizierte er das Innere des Streifenwagens. Schließlich ließ er sich in einer Transportbox schnurrend nach Hause chauffieren. Polizeiobermeister Michael Kaiser gefallen solche Einsätze: "Wenn man bedenkt, dass man bei unserem Job auch ganz andere Einsätze hat, dann ist es schön, wenn man zwischendurch einfach mal eine entlaufene Katze heimbringen kann, die einen anschnurrt."
Zweimal Endstation Tierheim
Zweimal endeten seine Ausflüge allerdings im Tierheim. Fünf Tage war er das eine Mal dort, weil sich der Chip mit seinen Daten nicht richtig auslesenließ. Schließlich wurde Pauli doch nach Hause geholt. Glücklicherweise scheint er Autofahren zu lieben. Er setze sich gerne ans Lenkrad oder unter die Windschutzscheibe, berichten seine treuen Menschen, die ihn von solchen Eskapaden abholen.
Er begleitet Leute um 4 Uhr nachts nach Hause in die Garage und frisst das Futter anderer Katzen auf.
Deutlich harmloser sind seine Barbesuche. Sabine Wesserlingk erzählt: "Wenn in der 'Bonanzbar' Konzerte sind, ist er immer mittendrin. Dann begleitet er um 4 Uhr nachts Leute nach Hause in die Garage und bedient sich am Futter anderer Katzen.
Paulis abenteuerlustiges Leben hat auch Schattenseiten
Dass Kater Pauli ein so freies Leben führen darf, verdankt er Joana Wesserlingk, die ihn auf den Hof gebracht hat. Sie ist angehende Reittherapeutin und gehört zur Vorstandschaft des Pferdesportvereins. Sie kennt Pauli seit seiner Geburt, hat sich gleich in ihn verliebt und einen Instagram-Kanal zu seinem Alltag gestartet. Dann hat sie ihn und seinen Bruder Pepe als Hofkater engagiert. Pepe geht fast als Paulis Doppelgänger durch, hält aber immer auf dem Hof die Stellung, während Pauli die Welt erkundet.
Das abenteuerlustige Leben hat für sie auch Schattenseiten: "Ich mache mir oft Sorgen, ob er wiederkommt oder frage mich, wo er gerade unterwegs ist. Für eine Katze ist das natürlich auch gefährlich." Angst habe sie davor, dass ihn jemand einfach behalten könnte. "Das wäre sehr schlimm."
Pauli hat einen Tracker - und seine WhatsApp-Gruppe
Pauli hat auch deswegen nun ein Halsband mit einem Tracker. Und eben die WhatsApp-Gruppe. "Wenn wir zwei, drei Tage nicht wissen, wo er ist und ihn in der Gruppe jemand gesehen hat, ist man beruhigter", so Sabine Wesserlingk.
Einschränken will Joana die Freiheit von Kater Pauli keinesfalls: "Es ist einfach schön, dass er hier so willkommen ist. Ich gönn's ihm. Er hat ein wunderschönes Leben."