Am Samstag knallt's drei Mal

Abbruchparty und Sprengwurst: Die Kühltürme des AKW Gundremmingen fallen

High Noon in Gundremmingen: Am Samstagmittag um 12 Uhr werden die Kühltürme des Atomkraftwerks Gundremmingen gesprengt. Die Gemeinde erwartet einen Ansturm von Schaulustigen.

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Von Autor/in Frank Wiesner

Die beiden riesigen Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Gundremmingen im Kreis Günzburg sind mit 160 Metern Höhe fast so hoch wie das Ulmer Münster. Ab Samstag sind sie Geschichte - denn dann werden die Türme gesprengt. Das wird genau beobachtet - und teilweise auch gefeiert, aber auch bedauert.

Für die Sprengung lässt es der ehemalige Betreiber der Reaktoren in Gundremmingen drei Mal krachen. "Die erste Sprengung ist eine Vergrämungssprengung", erklärt Jan Peter Cirkel vom Energiekonzern RWE. Sie diene dazu, Tiere aufzuscheuchen, die noch in der Nähe sind.

Wenige Sekunden später dann der zweite Knall: Jetzt soll sich der erste Turm leicht zur Seite neigen und in sich zusammenbrechen. 15 Sekunden später dann Knall Nummer drei: Jetzt soll der zweite Turm fallen. Vier Jahre nach dem Abschalten von Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen, verschwinden damit auch die markanten und weit ins Land sichtbaren Türme.

Riesiger Besucheransturm bei Sprengung erwartet

Das Landratsamt Günzburg rechnet mit einem riesigen Besucheransturm. Doch Schaulustige kommen nicht ganz so nah heran, wie sie möglicherweise wollen: Das Landratsamt richtet am Freitagabend ab 21 Uhr eine Sperrzone um das Kraftwerk ein. Niemand darf hinein - wer das trotzdem tut, muss mit Bußgeldern von bis zu 3.000 Euro rechnen, heißt es auf der Internetseite des Landkreises Günzburg.

Wer vor Ort dabei sein möchte, dem empfiehlt das Landratsamt, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen. Denn außerhalb der Sperrzone wird es zwar rund 2.000 Parkplätze geben, doch möglicherweise reicht das nicht. Zur Sprengung von Kühltürmen im unterfränkischen Grafenrheinfeld waren rund 10.000 Menschen gekommen.

Spontane Abbruchpartys auf den Höhen rund um Gundremmingen

Rund um Gundremmingen auf den Anhöhen, vor allem auf württembergischer Seite, wird es wohl am Samstag spontan Abbruchpartys geben. Einige sind schon vorab bekannt, unter anderem in Rammingen im Alb-Donau-Kreis. Das liegt zwar 18 Kilometer entfernt von Gundremmingen, doch man hat bei entsprechendem Wetter eine gute Sicht auf die beiden Kühltürme. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC wird aktiv - er plant eine Radtour von Giengen nach Gundremmingen zur Sprengung.

Viele Jahre prägten die fast 160 Meter hohen Kühltürme des AKW Gundremmingen das Landschaftsbild, ab Samstag werden sie Geschichte sein (Archivbild).
Viele Jahre prägten die fast 160 Meter hohen Kühltürme des AKW Gundremmingen das Landschaftsbild, ab Samstag werden sie Geschichte sein (Archivbild).

Sprengwurst im Dorfladen

Auch die Gemeindeverwaltung hatte mit der bevorstehenden Sprengung alle Hände voll zu tun: Im Rathaus häuften sich Anfragen nach Parkplätzen und Stellflächen für Würstchen- und Getränkebuden. Man habe zwar Verständnis für das Interesse, ein Riesenevent wolle man aus der Sprengung jedoch nicht machen, hieß es zur Begründung für die Absagen. Eine Besonderheit gibt es aber doch: Bereits seit einiger Zeit gibt es im Dorflädle Gundremmingen eine Sprengwurst zu kaufen. Sie soll, passenderweise, ein bisschen schärfer sein als eine normale Rote Wurst.

"Großer" Tag für Atomkraftgegner und Befürworter

Kein Riesenevent also, aber: Vor allem für Menschen, die immer wieder gegen Atomkraft demonstriert haben, dürfte die Sprengung ein großer Tag sein. Raimund Kamm, der jahrzehntelang gegen Atomkraft gekämpft hat, ist gedanklich schon weiter: Über die Kühltürme werde jetzt viel gesprochen, schreibt er in einer Pressemitteilung. Über den "Todesmüll" hingegen nicht. Damit meint er den Müll, der im Kernkraftwerk beim Spalten des Urans und des Plutoniums entstanden ist. Der müsse eine Million Jahre eingeschlossen werden.

Doch die Sprengung der Türme zieht auch Atomkraftbefürworter an - der Dortmunder Verein "Nuklearia" will vor Ort demonstrieren. Die Kühlturmsprengung stehe symbolisch für eine verfehlte Energiepolitik, schreibt der Verein.

56.000 Tonnen Beton fallen in sich zusammen

Bei der Sprengung fallen innerhalb von Sekunden 56.000 Tonnen Beton in sich zusammen. Die Türme haben einen Durchmesser von bis zu 130 Metern - in jedem von ihnen könnte man ein Fußballfeld unterbringen. Sie wurden von 1977 bis 1980 gebaut. Damals sprach RWE von einem "Jahrtausendbauwerk". Am Ende wurden die Türme nicht einmal 50 Jahre alt. Nach ihrer Sprengung geht der Rückbau des Atomkraftwerks weiter. Nach Angaben des Betreibers RWE soll er bis 2040 abgeschlossen sein.

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Frank Wiesner
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