Zu hoch, zu spät gebremst - und schon ist der Lastwagen festgefahren: Die Bahnunterführung an der B290 in Jagstzell (Ostalbkreis) gilt als bekannte Problemstelle. Über die letzten Jahre hat sie sich einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. Der Grund: Lkw-Fahrer folgen oft blind ihrem Navigationssystem und bleiben stecken.
Lkw bleiben stecken: Allein vier Unfälle im Jahr 2025
Rot-weiße Warnbaken an der Brücke, Schilder, die auf die Durchfahrtshöhe von dreieinhalb Meter hinweisen, Schilder zur Umleitungsstrecke für zu hohe Lastwagen. Das alles hilft oft nicht. Lkw-Fahrer versuchen trotzdem, durchzukommen. Wer an der Unterführung wohnt, hört schon, dass wieder etwas passiert ist: "Man hört halt einen Knall oder einen Schlag", berichtet Petra Müller. "Es kann mal sein, dass Wochen oder Monate lang gar nichts passiert, und dann einer pro Woche," erinnert sich Raimund Hauser.
Ja, man hört halt einen Knall oder einen Schlag
Allein im Jahr 2025 hat es viermal geknallt. Ende März ist ein Lkw-Fahrer sogar zweimal, am Nachmittag und in der Nacht, durchgefahren. Laut Polizei wurde der Querträger der Bahnunterführung, die Warnbaken und der Lkw beschädigt. Geschätzter Schaden: 15.000 Euro. Zwei Wochen später versuchte es wieder ein Trucker. Sein Lkw musste abgeschleppt werden. Bei einem Unfall im August entstand 20.000 Euro Schaden, bei einem weiteren im Oktober 10.000 Euro.
Navigationsgerät lockt Fahrer auf falsche Fährte Nach missglücktem Wendemanöver: Lkw steckt in Ulm stundenlang fest
Ein verkeilter Lkw sorgte am Montagmorgen in Ulm zwei Stunden lang für ein Verkehrschaos. Weil das Navigationssystem ihn falsch lotste, versuchte der Fahrer vergeblich zu wenden.
Lkw-Fahrer folgen wohl oft blind dem Navigationssystem
Auf längere Zeit gesehen, sind in 15 Jahren 18 Trucker mit zu hohen Lastwagen durch die Jagstzeller Bahnunterführung gefahren. Aus Unachtsamkeit, weil sie blind dem Navi folgten, aus der Hoffnung heraus, dass es schon reichen werde - über die Gründe kann oft nur spekuliert werden. Die Folgen: immer wieder Schäden an Brücke und Lkw, stundenlange Straßensperrung, Staus und Umleitungen.
Doch wie könnte die Lastwagen-Falle entschärft werden? Johannes Schubert-Segalotto, der in der Nähe eine Fahrschule betreibt, verweist auf spezielle Navigationssysteme für Lastwagen. Vor der Fahrt können Länge, Gewicht und auch die Höhe des Lkw eingegeben werden: "Dann wird man schon im Vorfeld auf diese Strecke hingewiesen, dass man Umgehungsstrecken fahren kann." Und wer trotzdem in die Nähe der Brücke gerät, werde vor einer Durchfahrt gewarnt.