Projekt "Große Hände - Kleine Hände" in Ulm

Ulmer Projekt: Was passiert, wenn eine 6-Jährige und eine 93-Jährige zusammen basteln

Familien wohnen heute nicht immer beieinander. Das Projekt "Große Hände - Kleine Hände" sorgt dafür, dass Senioren mit Kitakindern in Kontakt kommen. Beim Basteln geht das besonders gut.

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Von Autor/in Katja Stolle-Kranz

Die Oma sitzt mit den Enkeln am Tisch und bastelt für das Weihnachtsfest. Eine schöne Vorstellung - klappt aber nicht immer. Auch, weil Familien heutzutage häufig nicht mehr beieinander wohnen. Beim Projekt "Große Hände - Kleine Hände" in Ulm geht das aber auch anders. Es bringt nämlich Kinder des Kindergartens St. Maria in Ulm und Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums Clarissenhof an einen Tisch, um gemeinsam kreativ zu sein. Die Erfahrungen sprechen für sich. 

Kitakinder und Senioren kommen hier in Kontakt

Im Bastelzimmer des Seniorenheims Clarissenhof liegt ein Haufen bunter Pergamentpapierstreifen auf dem langen Tisch. Daraus sollen Fensterbilder für die Weihnachtszeit entstehen. Clari, 4 Jahre alt, und Renate, 78, haben sowas schon öfter gemeinsam gemacht: "Ich bin der Vorarbeiter für sie", scherzt die Seniorin. Clari ist voll bei der Sache: "Weil mir basteln Spaß macht, alles schön schneiden und den Faden gut hinkleben". Daran wird das Fensterbild später fixiert, um es aufzuhängen. Vorher müssen die langen, bunten Pergamentpapierstreifen aber noch sternenförmig in einen Papierkreis geklebt werden.

Senioren und Kitakinder gemeinsam am Tisch. Beim Basteln kommen sie in Kontakt und lernen voneinander.
Kitakinder und Seniorinnen gemeinsam am Basteltisch - das schafft auch Verständnis füreinander. Vor allem, weil sich hier alle gegenseitig unterstützen. Katja Stolle-Kranz

Große und kleine Hände basteln gemeinsam

Renate und Clari sind als Team schon ein eingespielt und eines der fünf "Kreativ-Tandems", die bei den regelmäßigen Treffen im Seniorenzentrum Clarissenhof dabei sind. Denn große und kleine Hände schaffen hier gemeinsam etwas Kreatives: "Alt und Jung arbeiten immer im Duo, damit sie sich gegenseitig unterstützen können", erzählt Simone Palfi-Schäfer, die mit den Kitakindern in den Clarissenhof kommt.

Meistens würden sich die Teams bereits bei den ersten Treffen ganz von alleine bilden. Fünf Nachmittage gehörten dann jeweils zu einer Projekt-Einheit, so die Leiterin der Kita, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Clarissenhofs befindet.

Nach so einer Bastelstunde gehen alle beglückt nach Hause, einschließlich mir.

Das Wichtigste - der Kontakt zwischen den Generationen

Das Projekt "Große Hände - Kleine Hände" wurde einst von einem Verein angestoßen, um eine "Brücke zwischen den Generationen zu schlagen", erzählt Gabriele Mreisi, die die Begegnungen zwischen den Kitakindern und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Clarissenhofs mitinitiiert hat. Denn häufig seien die Familien heutzutage räumlich voneinander entfernt. Da fehle dieser Kontakt miteinander, weiß auch Simone Palfi-Schäfer vom Kindergarten St. Maria in Ulm: "Ich finde es wichtig, dass die Generationen miteinander etwas erleben."

Das Ulmer Projekt “Große Hände-Kleine-Hände” bringt Kinder einer Kita und Bewohner eines nahen Seniorenheims an einen Tisch, um gemeinsam kreativ zu sein.
Fast fertig - jetzt fehlt nur ein Faden, damit das bunt schillernde Fensterbild in der Weihnachtszeit aufgehängt werden kann. Gestaltet haben es Jung und Alt beim Projekt "Große Hände - Kleine Hände" in Ulm. Katja Stolle-Kranz

Gemeinsam am Tisch - Ältere und Jüngere lernen voneinander

Die Ideen für die gemeinsamen kleinen "Kunstwerke" liefert die Ulmer Künstlerin Alexandra Hartmann, die das Projekt begleitet. Das gemeinsame Werkeln schaffe nicht nur mehr Verständnis füreinander, sondern ticke auch Verborgenes an, habe sie kürzlich beim Töpfern beobachtet: "Da habe ich Ton mitgebracht, Nudelhölzer, alte Spitzendeckchen. Da haben wir ein Muster in den Ton eingerollt. Und es kamen so viele alte Erinnerungen, auch vom Backen, wie man sowas macht. Wir haben Sterne ausgestochen."

Diese Erinnerungen könnten dann auch mit den Kindern geteilt werden: "Die können unheimlich viel lernen." Zudem habe sich bei den Kindern eine große Hilfsbereitschaft gegenüber Älteren entwickelt - ein sich aufeinander einlassen.

Wir mussten früher immer brav da sitzen. Das ist heute viel schöner. Die Kinder sind alle so freundlich.

Umgekehrt hätten die Seniorinnen und Senioren mehr Verständnis für die "jüngere Generation", ist an diesem Nachmittag im Clarissenhof zu hören. Irene, 93, ist die Älteste am Tisch und bastelt mit der sechsjährigen Emmi zusammen: "Die Kinder sind so nett. Die Erziehung heute - die haben viel mehr Freiheiten. Wir mussten früher immer brav dasitzen. Das ist jetzt viel schöner. Die sind auch alle so freundlich."

Alt und Jung kommen auch nächstes Jahr zusammen

Als die sechsjährige Emmi stolz das bunte, fertige Fensterbild hochhält, müssen alle grinsen. Gabriele Mreisi fasst den Moment zusammen: "Ich merke, nach so einer Bastelstunde gehen alle beglückt nach Hause, einschließlich mir. Ich denke, es müsste noch viel mehr solche Begegnungen geben. Und ich glaube, davon lebt ja auch unsere Gesellschaft, dass sich Menschen begegnen."

Im kommenden Jahr werden Alt und Jung erneut gemeinsam an einem Tisch sitzen, um weitere kleine "Kunstwerke" zu gestalten, hieß es. Was die Macherinnen und Macher des Projektes "Große Hände - Kleine Hände" besonders freut - wenn sich die Kitakinder und die älteren Menschen draußen einmal begegnen, winken sie sich zu.

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