Der Roboter ist nur rund 75 Zentimeter groß - und doch liegen auf ihm große Hoffnungen im AWO Seniorenzentrum im Karlsruher Stadtteil Knielingen. Denn in Zukunft soll er den Seniorinnen und Senioren Gesellschaft leisten.
Erscheinung wie ein Kind
Frisch aus dem Karton geholt, schaut sich der kleine Roboter erst mal etwas verwirrt mit seinen großen blauen Augen um. Seinen Kopf mit der Mini-Stupsnase dreht er wie ein Kind von rechts nach links, als ob er nach einem Elternteil Ausschau halten würde. Und auch sonst wirkt "navel" noch etwas unbeholfen: Die vielen Stimmen im Raum verwirren ihn zeitweise, bewegen kann er sich nur wenige Zentimeter. Doch seine Kopfbewegungen wirken überraschend menschlich.
Antworten münden bei "navel" in Fragen
Dann - nach ein paar Minuten - findet der soziale Roboter auch seine Sprache. Das Zauberwort, um ihn zum Leben zu erwecken: "Hallo, navel". Mit robotischer Stimme antwortet er: "Hallo, ich bin navel. Wer bist du?" Und so kommt langsam ein Gespräch in Gange. Auffällig bei dem Roboter: Fast jede Antwort endet in einer Frage.
Und das nicht zufällig: Denn Konversation zu betreiben, das sei seine Aufgabe, erzählt Clarissa Simon, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheit und Pflege bei der AWO. Denn "navel", der hier in Felix umgetauft werden soll, soll vor allem eins: sozial sein. Er ist kein Pflegeroboter - soll also keine Aufgaben wie Waschen oder Heben übernehmen.
Der Mehrwert des kleinen Roboters ist es vor allem, Gespräche mit den Senioren zu führen - und sie anzustoßen. Clarissa Simon stellt klar: "Für uns ist er ein Roboter, der menschliche Züge hat und unterstützt.
Aber letztendlich kann er Menschlichkeit, menschliche Wärme und Interaktion nicht ersetzen - und das soll er auch nicht.
Personal entlasten statt ersetzen
Im AWO-Seniorenzentrum erhofft man sich davon, dass der Roboter Mitarbeitende entlasten kann. Ersetzen soll der Roboter kein Personal, erklärt Clarissa Simon.
Für die Bewohnerinnen und Bewohnter kann "navel" zumindest kurzzeitig ein Gesprächspartner sein und den Alltag lebendiger gestalten. Gerade bei Menschen, die von Demenz und Einsamkeit betroffen sind, kann der Roboter Abhilfe schaffen.
Laut Clarissa Simon sieht der Plan für den Roboter so aus: "Er wird unsere Bewohnerinnen und Bewohner begleiten bei der Alltagsinteraktion, bei Gesprächen, bei Spielen, bei Musikveranstaltungen - er soll einfach eine Unterstützung sein."
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Roboter kann sich Namen und Gesichter merken
Laut der Entwickler kann "navel" die Bewohnerinnen und Bewohner persönlich ansprechen und sich auch Namen und Gesichter merken. Außerdem soll sich der Roboter an Gespräche erinnern können. Daten - wie eben Namen und Gesichter - würden dabei nur lokal gespeichert. Stichwort: Datenschutz.
In den kommenden Monaten soll "navel" außerdem Musik abspielen und sich autonom im Heim bewegen und Raumpläne speichern können. Ein weiteres Highlight soll der Sprachschatz des Roboters werden: Künftig soll "navel" nämlich 32 Fremdsprachen sprechen und übersetzen können.
Möglich ist das durch Künstliche Intelligenz. Dazu nutzt der soziale Roboter laut den Entwicklern zwei Sprachmodelle - eins davon: ChatGPT des US-amerikanischen Anbieters OpenAI. Durch die Kombination zweiter Programme soll der Roboter auch über aktuelle Themen sprechen können - wie etwa über Politik und Musik.
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Perspektivisch soll Roboter weiterziehen
Das Seniorenzentrum ist die erste Station von "navel" in Karlsruhe: Hier soll er für zwölf Monate bleiben. Danach soll er zu einer Einrichtung der Caritas oder der Diakonie weiterwandern und dort ebenfalls ein Jahr bleiben. Insgesamt dauert die Projektphase drei Jahre.
Bereitgestellt wird der Roboter durch die Werner-Stober-Stiftung aus Karlsruhe. Die Leasing-Kosten für den Roboter betragen für die gesamte Dauer des Projektes 43.000 Euro. Projektträger ist die "Liga der Freien Wohlfahrtspflege Karlsruhe". Ob sich der Roboter bewährt und im Seniorenzentrum etablieren kann, das müssen die kommenden Monate zeigen.
Und übrigens: Mit Dialekten kommt "navel" - oder jetzt Felix - laut der Entwickler bislang meistens gut zurecht. So kann auf ein "Tschüssle" von Seiten des Roboters auch mal ein "Tschüssle" zurückkommen.