Gesellschaft für Senioren

Wie dieser Roboter in einem Seniorenheim in Karlsruhe mithelfen soll

"navel" heißt der kleine Roboter, der im Seniorenzentrum in Knielingen in Karlsruhe ab jetzt für ein Jahr Mitarbeitende unterstützen soll. Aber was kann er leisten - und was nicht?

Teilen

Stand

Von Autor/in Laura Bisch

Der Roboter ist nur rund 75 Zentimeter groß - und doch liegen auf ihm große Hoffnungen im AWO Seniorenzentrum im Karlsruher Stadtteil Knielingen. Denn in Zukunft soll er den Seniorinnen und Senioren Gesellschaft leisten.

Roboter "navel" soll im Seniorenzentrum Knielingen der AWO unterstützen
Roboter "navel" soll im Seniorenzentrum Knielingen der AWO unterstützen.

Erscheinung wie ein Kind

Frisch aus dem Karton geholt, schaut sich der kleine Roboter erst mal etwas verwirrt mit seinen großen blauen Augen um. Seinen Kopf mit der Mini-Stupsnase dreht er wie ein Kind von rechts nach links, als ob er nach einem Elternteil Ausschau halten würde. Und auch sonst wirkt "navel" noch etwas unbeholfen: Die vielen Stimmen im Raum verwirren ihn zeitweise, bewegen kann er sich nur wenige Zentimeter. Doch seine Kopfbewegungen wirken überraschend menschlich.

Antworten münden bei "navel" in Fragen

Dann - nach ein paar Minuten - findet der soziale Roboter auch seine Sprache. Das Zauberwort, um ihn zum Leben zu erwecken: "Hallo, navel". Mit robotischer Stimme antwortet er: "Hallo, ich bin navel. Wer bist du?" Und so kommt langsam ein Gespräch in Gange. Auffällig bei dem Roboter: Fast jede Antwort endet in einer Frage.

Und das nicht zufällig: Denn Konversation zu betreiben, das sei seine Aufgabe, erzählt Clarissa Simon, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheit und Pflege bei der AWO. Denn "navel", der hier in Felix umgetauft werden soll, soll vor allem eins: sozial sein. Er ist kein Pflegeroboter - soll also keine Aufgaben wie Waschen oder Heben übernehmen.

Der Mehrwert des kleinen Roboters ist es vor allem, Gespräche mit den Senioren zu führen - und sie anzustoßen. Clarissa Simon stellt klar: "Für uns ist er ein Roboter, der menschliche Züge hat und unterstützt.

Aber letztendlich kann er Menschlichkeit, menschliche Wärme und Interaktion nicht ersetzen - und das soll er auch nicht.

Personal entlasten statt ersetzen

Im AWO-Seniorenzentrum erhofft man sich davon, dass der Roboter Mitarbeitende entlasten kann. Ersetzen soll der Roboter kein Personal, erklärt Clarissa Simon.

Für die Bewohnerinnen und Bewohnter kann "navel" zumindest kurzzeitig ein Gesprächspartner sein und den Alltag lebendiger gestalten. Gerade bei Menschen, die von Demenz und Einsamkeit betroffen sind, kann der Roboter Abhilfe schaffen.

Laut Clarissa Simon sieht der Plan für den Roboter so aus: "Er wird unsere Bewohnerinnen und Bewohner begleiten bei der Alltagsinteraktion, bei Gesprächen, bei Spielen, bei Musikveranstaltungen - er soll einfach eine Unterstützung sein."

Karlsruhe

Plüsch, Pixel und acht Freunde in Karlsruhe "Ist es lebendig - oder tut es nur so?": Das lernen Kinder von plüschigen Robotern im ZKM über KI

Sie sind flauschig süß: Im ZKM in Karlsruhe können zehn meerschweinchenähnliche KI-Roboter gekuschelt werden. Hinter dem "Elektronischen Streichelzoo" steckt ein ernster Gedanke.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Roboter kann sich Namen und Gesichter merken

Laut der Entwickler kann "navel" die Bewohnerinnen und Bewohner persönlich ansprechen und sich auch Namen und Gesichter merken. Außerdem soll sich der Roboter an Gespräche erinnern können. Daten - wie eben Namen und Gesichter - würden dabei nur lokal gespeichert. Stichwort: Datenschutz.

Roboter "navel" soll im Seniorenzentrum Knielingen der AWO unterstützen
Große Augen und gedrungene Formen: Roboter "navel" soll im Seniorenzentrum Knielingen der AWO vor allem Gespräche führen.

In den kommenden Monaten soll "navel" außerdem Musik abspielen und sich autonom im Heim bewegen und Raumpläne speichern können. Ein weiteres Highlight soll der Sprachschatz des Roboters werden: Künftig soll "navel" nämlich 32 Fremdsprachen sprechen und übersetzen können.

Möglich ist das durch Künstliche Intelligenz. Dazu nutzt der soziale Roboter laut den Entwicklern zwei Sprachmodelle - eins davon: ChatGPT des US-amerikanischen Anbieters OpenAI. Durch die Kombination zweiter Programme soll der Roboter auch über aktuelle Themen sprechen können - wie etwa über Politik und Musik.

Karlsruhe

"Wir haben hier ein robotisches Zentrum entwickelt" Wer steuert, wer operiert? Operation mit OP-Roboter im Klinikum Karlsruhe

Zukunftstechnologie zum Anfassen: Das Städtische Klinikum Karlsruhe zeigt, wie moderne OP-Roboter eingesetzt werden. Besucher durften den Roboter sogar selbst steuern.

Perspektivisch soll Roboter weiterziehen

Das Seniorenzentrum ist die erste Station von "navel" in Karlsruhe: Hier soll er für zwölf Monate bleiben. Danach soll er zu einer Einrichtung der Caritas oder der Diakonie weiterwandern und dort ebenfalls ein Jahr bleiben. Insgesamt dauert die Projektphase drei Jahre.

Bereitgestellt wird der Roboter durch die Werner-Stober-Stiftung aus Karlsruhe. Die Leasing-Kosten für den Roboter betragen für die gesamte Dauer des Projektes 43.000 Euro. Projektträger ist die "Liga der Freien Wohlfahrtspflege Karlsruhe". Ob sich der Roboter bewährt und im Seniorenzentrum etablieren kann, das müssen die kommenden Monate zeigen.

Und übrigens: Mit Dialekten kommt "navel" - oder jetzt Felix - laut der Entwickler bislang meistens gut zurecht. So kann auf ein "Tschüssle" von Seiten des Roboters auch mal ein "Tschüssle" zurückkommen.

Karlsruhe

Plüsch, Pixel und acht Freunde in Karlsruhe "Ist es lebendig - oder tut es nur so?": Das lernen Kinder von plüschigen Robotern im ZKM über KI

Sie sind flauschig süß: Im ZKM in Karlsruhe können zehn meerschweinchenähnliche KI-Roboter gekuschelt werden. Hinter dem "Elektronischen Streichelzoo" steckt ein ernster Gedanke.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Künstliche Intelligenz Gespräche führen mit ChatGPT: So lernt die KI des Chatbots von uns

Von Uni-Aufsätzen bis Programmcode: ChatGPT unterstützt mit künstlicher Intelligenz in zahlreichen Lebensbereichen. Wie arbeitet der Chatbot? Das steckt hinter der Funktionsweise.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Laura Bisch
Laura Bisch, Reporterin und Redakteurin im SWR Studio Karlsruhe

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!