Gerade im Winter haben die Pannendienste volle Auftragsbücher. Auch Beschäftigte des Abschleppdienstes Hölldobler in Neu-Ulm rücken seit Beginn der Kältewelle deutlich häufiger aus, vor allem wegen streikender Autobatterien.
Der erste Auftrag lässt nicht lange auf sich warten. Eine Frau aus Ulm-Wiblingen meldet sich beim Pannendienst. Ihr Kleinwagen springt nicht mehr an. Marcel Selke bekommt vom Disponenten das Auftragsblatt in die Hand gedrückt und macht sich sofort auf den Weg.
Der Abschlepper wird vor dem ersten Einsatz überprüft
Für den Pannenhelfer beginnt der Arbeitstag, wenn es draußen noch dunkel ist. Es ist die Zeit, wenn sich die meisten Pendler auf den Weg zur Arbeit machen wollen und das Auto nicht anspringt. Dann rückt Selke mit seinem Laster aus. An das frühe Aufstehen hat er sich mittlerweile gewöhnt.
Aber bevor er losfährt, hat Selke um 6 Uhr morgens bereits seinen Lkw gecheckt. Ein routinierter Blick auf Reifen, Lichter und Ausrüstung: Passt alles? Ist der Abschlepper einsatzbereit? Erst dann steigt er ein, startet den Motor und fährt los.
Bei Kälte ist oft die Autobatterie die Schwachstelle
"Je kühler es wird, desto mehr versagen die Autobatterien", erklärt der 45-Jährige während der Fahrt zur Kundin. Genaue Zahlen kann er nicht nennen. Sobald die Temperaturen aber unter Null fallen, gehe es los. Die Kälte setze den Fahrzeugen zu. Vor allem die Autobatterie verliere dann an Leistung, während der Motor gerade beim Start deutlich mehr Energie brauche.
An der Adresse angekommen, begrüßt er die Kundin locker und selbstsicher. "Na, dann schauen wir mal, was los ist". Seine offene Art macht ihm den Alltag als Pannenhelfer leichter.
Powerbank für liegengebliebene Autos
Vor Ort angekommen dreht er zuerst den Zündschlüssel - kein Ruckeln, kein Geräusch. Die Batterie ist offenbar komplett entladen. Im zweiten Schritt öffnet der Pannenhelfer die Motorhaube und greift zu einem Starthilfe-Booster. Das ist alles Routine für den Profi.
Der kleine Überbrückungskasten sieht aus wie eine etwas größere Powerbank, ist aber speziell für Autos konzipiert. Mit dem Gerät lässt sich das Auto wieder starten. Der Vorteil: Im Gegensatz zu herkömmlichen Überbrückungskabeln braucht es kein zweites Auto als "Spenderfahrzeug". Der Booster liefert genug Energie, um den Motor zu starten - schnell und direkt am Einsatzort.
Nach Starthilfe mindestens eine Stunde fahren
Nachdem der Motor wieder läuft, gibt Marcel Selke der Frau, die die Pannenhilfe gerufen hat, einen Rat: Sie sollte das Auto jetzt mindestens eine Stunde fahren, damit sich die Batterie wieder ausreichend aufladen kann. "Wenn die Batterie nicht genug Zeit bekommt, sich zu erholen, steht man schnell wieder", sagt er. Für viele sei dieser Hinweis überraschend - gerade nach einem erfolgreichen Fremdstart.
Auch bei Neuwagen versagt die Batterie
Marcel Selke hat in seinen drei Jahren als Pannenhelfer schon vieles erlebt: Er stand neben Autos, die gerade einmal zwei Wochen alt waren und trotzdem nicht mehr ansprangen. "Das hat nicht immer was mit dem Alter des Autos zu tun", sagt er. Entscheidend seien oft Wartung und Pflege. Er hatte auch schon einen Kunden, bei dem ist die Autobatterie erst nach 19 Jahren kaputtgegangen.
Eines ist sicher, so der Pannenhelfer: Wer nur Kurzstrecken fährt, wird spätestens im Winter Probleme mit der Batterie haben. Gerade bei Kälte würden Heizung und Licht viel Strom verbrauchen. Nur wenn das Auto auch mal 30 Minuten lang läuft, hat die Lichtmaschine genügend Zeit, die Batterie wieder voll aufzuladen.
Geschäftswagen müssen in die Werkstatt
Marcel Selke sitzt gerade wieder in seinem Lkw, da bekommt er schon den nächsten Auftrag: Im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen startet ein Geschäftswagen nicht. Die genaue Adresse bekommt Selke von seinem Disponenten direkt aufs Tablet geschickt. Knappe 15 Minuten später ist er auch schon da.
Wie immer setzt sich der Profi erst einmal hinters Steuer und versucht, das Auto zu starten. Ein, zwei Mal gibt er ordentlich Gas, der Motor springt an. Obwohl der Geschäftswagen wieder läuft, muss der Pannenhelfer das Fahrzeug auf seinen Lkw laden und in eine Werkstatt bringen. "Das hat versicherungstechnische Gründe", erklärt er.
Marcel Selke arbeitet gerne beim Pannendienst. "Ich mag den familiären Umgang hier in der Firma", sagt er. Außerdem erfährt er meistens eine große Wertschätzung von den Leuten. "Gott sein Dank sind Sie da", diesen Satz hört Selke oft. Die meisten Kundinnen und Kunden sind einfach erleichtert und dankbar, wenn er mit seinem Abschlepper um die Ecke fährt und hilft.