"Das ist mein erstes Radio in der Sammlung: ein Lomophon Gloria 33", erzählt Werner Hauf stolz. Vorsichtig holt er das kleine Gerät aus einem Schrank. Ein Lächeln ziert sein Gesicht. Das Radio hat er einst von seinem Schwiegervater geschenkt bekommen. "Das war die Initialzündung für meine Sammlung", erinnert sich Hauf. Denn rund 50 Jahre später hat er 1.300 Radios gesammelt. Ein Leben ohne? Für den 78-Jährigen aus Staig-Harthausen im Alb-Donau-Kreis unvorstellbar.
Beim Gang durch die Sammlung kommen die Erinnerungen
Werner Hauf schlendert gerne durch seine Sammlung und schaut sich dabei um. Vor ihm türmt sich eine etwa vier Meter hohe Wand aus Röhrenradios. Alle ordentlich sortiert und mit einem kleinen weißen Etikett versehen. Dass er einmal so viele Radios besitzen wird, das kann er selbst kaum glauben. Seine Liebe zum Radio ist mehr als nur ein Hobby - es ist eine lebenslange Faszination.
Die begleitet Werner Hauf schon seit seiner Kindheit. Sein Vater hatte ein Musikaliengeschäft und handelte auch mit Radios, erzählt er. "Als Kinder haben wir die alten Geräte ausgeschlachtet und mit Schleudern auf die Röhren geschossen - das hat so schön gebätscht", erinnert sich der 78-Jährige zurück.
Als Kinder haben wir die alten Geräte ausgeschlachtet und mit Schleudern auf die Röhren geschossen - das hat so schön gebätscht.
Viele der Geräte in seiner großen Sammlung funktionieren noch. "Einfach mal kurbeln", rät er, während er versucht, ein altes Grammophon zum Laufen zu bringen. Vorsichtig setzt er den Tonabnehmer auf die sich immer schneller drehende Vinylscheibe. Dann berührt die Nadel die Platte und die ersten schiefen Töne plärren aus dem Holzkasten. Nach wenigen Augenblicken kommt das Grammophon in Fahrt: "Jetzt hat es erst seine richtige Geschwindigkeit", sagt Werner Hauf. Die Lautstärke ist ganz ordentlich. Die Töne bleiben schief.
Werner Hauf: "Man bleibt mit dem Kopf online"
Der 78-Jährige sammelt nicht nur Radios, er bringt sie auch wieder auf Vordermann. Er verbringt Stunden in seiner Werkstatt, um defekte Radios wieder zum Leben zu erwecken. "Man bleibt mit dem Kopf online, wenn man sich mit der Technik und der Restaurierung beschäftigt", meint er. Meistens gelingt es ihm auch, die Funkstille der Radiogeräte zu beenden.
In seiner Werkstatt hängen bunte Kabel. An den Wänden sind Regale, gefüllt mit allen möglichen Widerständen, kleinen Lämpchen, Kondensatoren, Spulen und Lautsprechern. Natürlich alles fein sortiert in kleinsten Schubladen. Ein wenig Zinn verdampft auf dem Lötkolben. Im Hintergrund läuft leise ein Radio. Mittendrin sitzt Werner Hauf.
Er werkelt mal wieder an einem schon totgeglaubten Sammlerstück. "Ich sehe jetzt schon: Mit dieser neuen Röhre hab' ich hier einen größeren Ausschlag", murmelt er, während er auf den Zeiger seines Messgeräts schaut.
Es gibt keinen Sammler, der einen übrigen Platz hat.
Seine Frau Barbara schaut ab und zu mal in der Werkstatt vorbei. Dass sich ihr Mann so für Radios begeistern kann, findet sie schön. Allerdings wurde ihre Geduld mit der wachsenden Sammlung auch auf die Probe gestellt. "Die ersten paar Radios, da denkt man, toll, was er alles an Land zieht. Und dann wurden es ja immer mehr und der Platz war dann natürlich auch begrenzt." Werner Hauf kontert: "Es gibt keinen Sammler, der einen übrigen Platz hat."
Dachboden mit Radios überfüllt - eigenes Museum gebaut
Die Lösung? Ein eigenes Museum im Garten. In einem eigens errichteten Pavillon präsentiert Werner Hauf auf zwei Stockwerken seine imposante Sammlung, darunter Röhrenradios, Volksempfänger oder auch Taschenradios. Eine Sammlung, die es in sich hat: Sein Museum kann die Rundfunkgeschichte von den Anfängen der 1920er Jahre bis zum Ende des Röhrenzeitalters abbilden.
Zu seinen Schätzen gehören auch, wie er sie selbst nennt, "Schnickschnack-Radios" aus Plastik in allen erdenklichen Formen. Zum Beispiel ein Radio in einer Maggi-Flasche, ein Radio in der Form eines roten Rennautos oder ein tragbarer Toilettenpapierhalter mit Radiofunktion.
Dann gibt's so Spinner wie ich, die das Zeug sammeln.
Das Museum ist ein Treffpunkt für Gleichgesinnte. Regelmäßig lädt Hauf zu einem Radiostammtisch ein: "Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert", sagt Stammtischler Jochen Dreier zu Haufs Sammlung. Fritz Arends ergänzt: "Es ist erstaunlich, was hier alles zusammengekommen ist."
"So altes Klump hat man früher halt weggeschmissen", meint Ursula Spritzberg. "Und dann gibt's so Spinner wie ich, die das Zeug sammeln", fügt Werner Hauf lachend hinzu. "Schön, dass es diese Spinner gibt", schallt es aus dem Hintergrund und alle lachen. Die Gruppe gibt es jetzt schon seit rund 30 Jahren. Sie ist Werner Hauf ans Herz gewachsen. Durch ihr gemeinsames Hobby sind sie gute Freunde geworden, die er nicht missen mag. "Es wird fachgesimpelt, es macht einfach Spaß", sagt er.