Hersteller aus Schwäbisch Gmünd

170 Jahre alt und modern zugleich: Die Rohrpost

Die Rohrpost funktioniert im Prinzip noch immer wie zu Beginn ihrer Erfindung. Das sagt einer der weltweit größten Hersteller, aerocom aus Schwäbisch Gmünd. Manches hat sich aber geändert.

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Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die ersten Rohrpostanlagen ihren Dienst auf. Bis heute zischen und ruckeln die runden Behälter durch lange Rohre von einer Sendestation zum Ziel. Vor allem Krankenhäuser sind für den Einsatz des Transportsystems bekannt. Weltmarktführer bei der Herstellung ist ein Unternehmen aus Schwäbisch Gmünd - aerocom.

Bei aerocom stellen heute 250 Beschäftigte moderne Rohrpostsysteme her, das Unternehmen ist in 85 Ländern weltweit aktiv. Den Betrieb gibt es seit 70 Jahren, seit 30 Jahren unter seinem heutigen Namen. "Das Automobil ist auch vor über 100 Jahren mal entwickelt worden, so ist natürlich auch die Technik bei der Rohrpost nicht stehen geblieben", sagt der Marketingleiter bei aerocom, Jürgen Wörle. 35.000 Rohrpostsysteme sind bislang entstanden, für Industrieunternehmen, Labore und Krankenhäuser.

Die Rohrpost: Seit 150 Jahren funktioniert sie nach dem selben Prinzip - und ist doch hochmodern
Früher waren es vor allem Nachrichten, die in den Rohren verschickt wurden. Heute sind es mehrheitlich Proben und Medikamte. Magdalena Gräfe

Rohrpost häufig in Krankenhäusern wie dem BWK in Ulm

Seit 2022 beispielsweise gibt es eine Rohrpost des Unternehmens im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm. Gesundheits- und Krankenpflegerin Jessica führt sie vor: Sie steckt eine Blutprobe in eine Rohrpostbüchse, verschließt sie und stellt sie in die Sendestation. Klappe zu, ein zischendes Geräusch und die Büchse verschwindet.

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"Die Rohrpost nimmt uns tatsächlich sehr, sehr viel Arbeit ab", erzählt die Krankenschwester. "Gerade wenn wir nicht so gut besetzt sind, brauchen wir niemanden hochzuschicken ins Labor." Die Zeitersparnis sei der größte Vorteil. Wenn das Transportsystem, was selten vorkommt, mal ausfällt, dann sei eigentlich immer jemand auf dem Weg, Proben von A nach B zu bringen. Alles Arbeitszeit.

Die Rohrpost: Seit 150 Jahren funktioniert sie nach dem selben Prinzip - und ist doch hochmodern
Vor allem Krankenhäuser nutzen das Transportsystem, wie hier im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm. Magdalena Gräfe

Rohrpostsysteme haben heute viele Sende- und Empfängerstationen. "Man kann sich das vorstellen wie ein komplettes Netzwerk. Jeder kann an jeden schicken, also eine Station kann jede andere Station erreichen. Ich gehe hin, wähle jeweils die entsprechende Nummer und die Büchse findet dann automatisch ihr Ziel", erklärt Jürgen Wörle von aerocom. Das Grundprinzip beruhe noch heute auf Überdruck und Unterdruck, die für die Bewegung sorgen.

Der entscheidende Unterschied steckt heute vor allem in der Steuerung und in den Abläufen davor und danach. Über Touchscreens wird das Ziel ausgewählt, computergesteuerte Weichen schicken die Kapsel automatisch durch ein ganzes Rohrnetz. Im Bundeswehrkrankenhaus Ulm geht die Automatisierung noch weiter: Im Labor können die ankommenden Blutproben automatisch aus der Kapsel entladen und anschließend von Robotern sortiert werden.

Früher gab es Briefe per Rohrpost - heute Materialpoben

Nur die Anwendung selber hat sich verändert. Wo früher Dokumente und Briefe per Rohrpost versandt wurden, sind es heute hauptsächlich Materialproben; aerocom liefert Anlagen an die Lebensmittelindustrie, Labore und sogar an die Stahlindustrie. Überall, wo Proben anfallen, die über längere Strecken transportiert werden müssen, sei die Rohrpost das schnellste und günstigte Transportmittel, so der Marketingleiter von aerocom.

Die Rohrposttechnik sei eine Nische, das Geschäft laufe gut. Auch wenn das Weltgeschehen natürlich nicht spurlos an dem Gmünder Unternehmen vorbeizieht. Es sei bedeutend schwieriger geworden, Material und Produkte in verschiedene Länder zu transportieren. Man müsse teilweise von der Seefracht auf Lastwagen umsteigen, so Jürgen Wörle, die Logistik mache dem Unternehmen derzeit zu schaffen.

Die Rohrpost: Seit 150 Jahren funktioniert sie nach dem selben Prinzip - und ist doch hochmodern
Rohrpostanlagen in der Herstellung bei aerocom in Schwäbisch Gmünd. Magdalena Gräfe

An der Automatisierung wird weiter gearbeitet

Die Rohrposttechnik endet nicht am Ende eines Transportrohrs. Weiterentwickelt wird laut Wörle derzeit beispielsweise das Be- und Entladen von Büchsen. Es gebe jetzt schon Anlagen, wo beispielsweise Lagerroboter in der Apotheke Büchsen automatisch mit schnell benötigten Medikamenten bestücken und sofort auf die jeweilige Station schicken. Die 170 Jahre alte Technik habe Zukunft: "Ich bin überzeugt davon, dass weiterhin Materialien von A nach B transportiert werden - mit der Rohrpost", sagt Wörle.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Magdalena Gräfe
SWR-Aktuell Autorin Magdalena Gräfe
Maren Haring
Maren Haring

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