Der insolvente Arzneimittelhersteller R-Pharm Germany in Illertissen (Kreis Neu-Ulm) steht vor dem endgültigen Aus. Nach Mitteilung des Insolvenzverwalters wird der Geschäftsbetrieb kurzfristig stillgelegt. Er habe die 280 Beschäftigten am Mittwoch darüber informiert.
Trotz Verhandlungen: Keine Rettung für R-Pharm Germany
Bis zuletzt habe man mit den beiden noch beteiligten Interessenten verhandelt. Doch auch eine in letzter Minute erreichte Zwischenfinanzierung für August brachte keine Rettung für den deutschen Ableger von R-Pharm. Das zu einem russischen Mutterkonzern gehörende Unternehmen wird stillgelegt. Den meisten der 280 Beschäftigten wird auf Ende des Monats gekündigt.
Denn mit keinem der möglichen Investoren habe eine Vereinbarung über eine gesicherte Übernahme erzielt werden können. Ohne Investor aber sei eine Betriebsstilllegung unvermeidbar.
R-Pharm Germany war seit 2014 Tochter des russischen Konzerns. Das Unternehmen hatte im März Insolvenz beantragt. Hauptgrund waren laut Insolvenzverwalter die Sanktionen der EU gegen Russland im Zuge des Krieges gegen die Ukraine und die russischen Gegenmaßnahmen. Immer mehr Kunden und Geschäftspartner hätten sich daraufhin zurückgezogen.
Betretene Gesichter und Tränen, als das Aus verkündet wurde
Ein Großteil der Beschäftigten habe mit der Hiobsbotschaft gerechnet, so Torsten Falke. Der Bezirksleiter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) sagte im Gespräch mit dem SWR, es habe dennoch viele betretene Gesichter und Tränen gegeben.
Erst vergangene Woche habe es noch ein Treffen von Arbeitnehmervertretern, dem Insolvenzverwalter und Landes- wie Kommunalpolitikern gegeben, die zusagten, potentielle Investoren zu unterstützen. Die Gewerkschaft will die Hoffnung aber noch nicht aufgeben, so Falke. Es gebe noch zwei Interessenten, mit denen vielleicht noch eine Rettung möglich sei.
Unternehmen wurde 1849 gegründet
Die Unternehmensgeschichte reicht bis in das Jahr 1849. Damals eröffnete der Ulmer Unternehmer Heinrich Mack in Illertissen die Produktion. In den ersten Jahrzehnten stellte die Fabrik Seife und Drogerieartikel her.
Ein bekanntes Produkt der Firma war das noch in der Nachkriegszeit weit verbreitete "Kaiser Borax", das als Hautpflegemittel, Badezusatz und für andere kosmetische Zwecke verwendet wurde. Anfang der 1970er Jahre hatte zunächst der US-Pharmakonzern Pfizer den Standort übernommen, 2014 folgte der russische Konzern R-Pharm. Am Standort Illertissen arbeiteten zuletzt 280 Beschäftigte in der Entwicklung, Produktion, Verpackung, Qualitätssicherung und Verwaltung.
Ich weiß, was das Aus für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Familien und die gesamte Region bedeutet.
Jetzt geht die fast 180-jährige Geschichte der Arzneimittelproduktion in Illertissen zu Ende. "Diese Entscheidung fällt mir außerordentlich schwer", sagte der Insolvenzverwalter. "Ich weiß, was das Aus für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Familien und die gesamte Region bedeutet."
Der Jurist hat laut Mitteilung kurzfristig einen Sozialplan mit dem Betriebsrat ausgehandelt. Lediglich 50 bis 60 Mitarbeiter sollen für die bevorstehende Abwicklung befristet weiterbeschäftigt werden.