Am Landgericht Ellwangen ist am Donnerstag ein Islamlehrer zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der Richter sprach im Prozess von einem harten Urteil. Es erging unter anderem wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs, schweren sexuellen Missbrauchs und gefährlicher Körperverletzung von Schutzbefohlenen und Kindern in 18 Fällen. Betroffen waren sieben Jungen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren.
Darüberhinaus darf der 35-Jährige fünf Jahre lang seinen Beruf als Erzieher nicht ausüben, soweit es die Erziehung von männlichen Minderjährigen betrifft, so das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Islamlehrer, auch Hodscha genannt, hatte während des Prozesses Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Das sei ihm im Urteil zu Gute gehalten worden, teilte ein Gerichtssprecher mit, genauso wie die Kooperationsbereitschaft im Prozess. Gegen den 35-Jährigen sprach die Schwere und Vielzahl der Taten, der lange Tatzeitraum und die Zahl der Geschädigten. Im Prozess wurde immer wieder die Öffentlichkeit ausgeschlossen, bei der Befragung des Angeklagten genauso wie bei der Befragung der Opfer.
Tatort meist ein islamisches Schülerwohnheim in Giengen
Die meisten der Übergriffe und Missbrauchstaten passierten in einem islamischen Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim). Vorfälle hat es auch in Stuttgart gegeben. Der 35-Jährige sei immer nach dem selben Schema vorgegangen. Er habe nachts sein Opfer zu sich ins Büro gelockt, teils mit dem Versprechen, gemeinsam einen Film sehen zu wollen.
Dann sei es zu sexuellen Übergriffen bis hin zu Vergewaltigung gekommen. Im Zuge des Prozesses schilderte ein Bruder eines Opfers, wie die Taten die Familie erschüttert haben. Der jüngere Bruder habe von den Taten berichtet, ihm sei es psychisch sehr schlecht gegangen. Die Eltern seien erschüttert gewesen. Ihm selbst sei es sehr schlecht gegangen, so der Zeuge vor Gericht in Ellwangen.
35-Jährige auch wegen Gewalt an Schülern verurteilt
Der Mann ist nicht nur wegen sexuellen Missbrauchs, sondern auch wegen Gewalt gegen die Jugendlichen verurteilt worden. Er habe seine Opfer teils bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Er habe seine Autorität und seine Funktion als Religionsgelehrter und Betreuer ausgenutzt, so die Anklage. Anfangs ging es um acht Opfer zwischen zwölf und 17 Jahren. Im Urteil geht es noch um Missbrauch und Gewalt gegen um sieben Opfer.
Wohnheim seit Bekanntwerden der Taten laut Verein geschlossen
Ans Licht kam der Fall, als sich ein Opfer beim Heimleiter meldete, der Anzeige gegen den 35-Jährigen erstattete. Der Heimleiter habe mit einem betroffenen Jungen Kontakt gehabt, aber auch mit einer besorgten Mutter, die verdächtige Nachrichten auf dem Handy ihres Sohnes gefunden habe. Das Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim) ist nach Angaben des betreibenden Bildungs- und Integrationsverein in Giengen seit Januar vergangenen Jahres geschlossen.