Angeklagter Hodscha legt Teilgeständnis ab

Missbrauch in islamischem Schülerwohnheim: Opfer müssen vernommen werden

Ein islamischer Religionslehrer soll in einem Wohnheim in Giengen über Jahre Kinder sexuell missbraucht haben. Da der Angeklagte nur teilweise gestanden hat, müssen wohl auch die Opfer aussagen.

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Der 35-jährige Angeklagte war als sogenannter Hodscha, als Religionsgelehrter und Erzieher, in einem islamischen Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz (Kreis Heidenheim) tätig. Dort soll er acht Jungen über Jahre hinweg sexuell missbraucht, zum Teil sogar vergewaltigt haben. "Es wird wohl kein schnelles Ende des Prozesses geben", sagte ein Gerichtssprecher am Donnerstag, dem zweiten Verhandlungstag.

Gericht: Kein vollumfängliches Geständnis

Am Morgen hatte der Angeklagte noch einmal Angaben zu den Vorwürfen gemacht, wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit. "Es liegt jedoch kein vollumfängliches Geständnis vor", fasst der Sprecher des Ellwanger Landgerichts zusammen. Deshalb sei es voraussichtlich notwendig, die jugendlichen Opfer als Zeugen zu vernehmen.

Einer der Geschädigten, ein inzwischen 18-Jähriger, sagte am späten Donnerstagvormittag aus. Auch seine Vernehmung war nicht öffentlich. Am Donnerstagnachmittag war eine Polizeibeamtin als Zeugin geladen.

Ellwangen

Landgericht Ellwangen Prozess gegen Hodscha aus Giengen: Islamlehrer gesteht sexuellen Missbrauch

Am Mittwoch hat ein Prozess gegen einen Hodscha wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern begonnen. Der Angeklagte hat die vorgeworfenen Taten weitgehend eingeräumt.

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Schülerwohnheim jetzt geschlossen

Der Bildungs- und Integrationsverein in Giengen als Betreiber des Schülerwohnheims erklärte auf SWR-Anfrage, dass das Wohnheim derzeit geschlossen sei. Man habe den Betrieb im Januar 2025 mit dem Bekanntwerden der Vorfälle eingestellt. In dem Wohnheim waren zwölf Kinder untergebracht, die dort übernachtet und tagsüber ganz normale staatliche Schulen in Giengen besucht hatten.

Der jetzt angeklagte Hodscha hielt in dem Heim unter anderem für den islamischen Religionsunterricht täglich 60 Minuten Unterricht. Abwechselnd mit einem Kollegen schlief er auch im Wohnheim und war für die Nachtwache zuständig.

Nachts soll sich ein Großteil der Missbrauchsfälle abgespielt haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lockte der Erzieher manchmal einen Jungen spätabends in sein Büro mit dem Versprechen, einen Film auf dem Laptop anzuschauen. Manchmal weckte er aber auch laut Anklage mitten in der Nacht ein Kind und befahl, mitzukommen.

Ein größeres Haus mit einem Parkplatz davor: Ein Großteil der Taten soll in diesem Gebäude passiert sein. Ein 35-jähriger Mann ist angeklagt, über Jahre Jungen sexuell missbraucht zu haben. Am Landgericht Ellwangen beginnt der Prozess gegen ihn.
Ein Großteil der Taten soll in diesem Gebäude passiert sein. Ein 35-jähriger Mann ist angeklagt, über Jahre Jungen sexuell missbraucht zu haben.

Laut Anklage: Erst Massage, dann sexuelle Handlungen

Im Büro des Angeklagten soll der Tatverlauf stets ähnlich gewesen sein. Der Hodscha schloss die Tür ab, verlangte, dass sich der Junge ausziehe und sich auf das dort befindliche Bett oder auf den Boden lege. Dann habe der Erzieher mit einer Massage begonnen und zunehmend sexuelle Handlungen vorgenommen. Schließlich habe er von seinem Opfer dieselben sexuellen Handlungen verlangt.

Laut Anklageschrift musste das Kind versprechen, niemandem davon zu erzählen. Wenn das Opfer nicht mitmachen wollte, habe der Angeklagte Gewalt angewandt. Es sei auch zu Vergewaltigungen gekommen.

Staatsanwältin: Hodscha nutzte seine Autoritätsfunktion aus

Ein Hodscha hat im Islam eine besondere Stellung, die mit viel Respekt verbunden ist. "Der Angeklagte nutzte diese Autoritätsfunktion aus. Er wusste, dass die Schüler auf ihn hören und ihn respektieren", erklärte Staatsanwältin Alexandra Henning. "Er nutzte diese Situation, um sexuelle Handlungen an den Schülern durchzuführen und um sexuelle Handlungen von den Schülern an sich durchführen zu lassen und um sie körperlich zu misshandeln."

Auch tagsüber soll der Religionslehrer in dem Heim aggressiv gewesen sein. Mindestens zweimal soll er Schüler in den Schwitzkasten genommen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben, einmal als Strafe wegen einer falschen Rechenaufgabe. Er soll außerdem Kinder verletzt haben, indem er einen Schlüsselbund oder ein Handy nach ihnen warf. Deshalb lautet die Anklage auch auf Körperverletzung.

Außenansicht eines Gebäudes mit Eingangstreppe: Am Landgericht Ellwangen beginnt der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann. Er soll als Hodscha, als islamischer Lehrer, Kinder sexuell missbraucht haben.
Am Landgericht Ellwangen beginnt der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann. Er soll als Hodscha, als islamischer Lehrer, Kinder sexuell missbraucht haben.

Insgesamt ist vor Gericht von 26 Fällen die Rede. Die Geschädigten waren zur Tatzeit zwischen 12 und 17 Jahre alt. Einer der betroffenen Jugendlichen hatte die Ermittlungen offensichtlich ins Rollen gebracht. Nachdem er monatelang missbraucht worden sei, habe er eines Abends den Heimleiter angerufen und informiert, gab dieser als Zeuge vor Gericht an.

Der Prozess geht am kommenden Montag weiter. Insgesamt sind acht Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte im Mai fallen.

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SWR

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