Vertreter der Stadtwerke Aalen und deren früherer Geschäftsführer, Christoph Trautmann, haben am Donnerstag vor dem Landgericht Ellwangen verhandelt. Recht schnell war klar: Beide Parteien haben kein Interesse an einem jahrelangen Prozess. Deswegen wollen sie an einem Vergleich arbeiten.
Das Interesse an der Verhandlung war so groß, dass das Gericht einen Sitzungssaal im Nachbargebäude bezog, in dem normalerweise Strafprozesse verhandelt werden. Ein Dutzend Zuhörerinnen und Zuhörer fanden sich ein.
Richter kündigt langwierigen Prozess an
Kaum hatte Richter Jürgen Nagel zur Verhandlung Platz genommen, kündigte er auch schon an, dass dieser Prozess Jahre dauern werde. Er sei äußerst komplex. Zu verhandeln ist zum einen die Klage des früheren Stadtwerke-Geschäftsführers Christoph Trautmann gegen seine Kündigung. Sollte er Recht bekommen, geht es um Schadenersatz beispielsweise für entgangene Gehälter.
Auch die Stadtwerke Aalen haben geklagt. Sie sehen den früheren Chef in der Haftung für ein millionenschweres Defizit. Genannt werden rund 6,5 Millionen Euro, die die Stadtwerke haben möchten, unter anderem, weil Rechnungen verjährt waren und Gelder daher nicht mehr eingetrieben werden konnten.
Die Verhandlung werde nicht einfach, so der Richter. Bereits jetzt seien 700 Seiten gefüllt - und der Prozess habe noch gar nicht begonnen. Die Komplexität des Falles machte der Richter an Beispielen klar: Hier gehe es um den Energiemarkt, der von Corona, dem Angriff auf die Ukraine und der damaligen Politik beeinflusst wurde.
Nicht nur die Stadtwerke Aalen seien in der Zeit in Schieflage geraten. Wie könne man feststellen, wie viel der Geschäftsführer beigetragen habe? Allein die Suche nach Sachverständigen werde nicht einfach, so der Richter. Mit seinem Vorschlag zu einem Vergleich stieß er auf offene Ohren.
Stadtwerke und früherer Chef offen für Vergleich
Die Parteien zeigten sich am Donnerstag im Rahmen der Güteverhandlung einigungsbereit. Sie forderten aber eine grobe Einschätzung seitens des Gerichts zu einer möglichen Summe. Ganz grob geht dieses von knapp einer Million Euro aus, die die Stadtwerke noch bekommen würden. Für exakte Zahlen sei es aber noch zu früh. Die Verhandlung steht noch am Anfang.
Seitens der Stadtwerke soll nun zunächst intern beraten werden. Auch der Aufsichtsrat müsse zustimmen, so ein Anwalt der Stadtwerke. Dieser tagt erst wieder im März. So lange wollen die Anwälte eine Lösung finden.
Der Termin für den Vergleich wurde auf den 31. März gelegt. Sollte dieser nicht zustande kommen, müssen sich die Beteiligten auf mehrere Jahre Prozess einstellen.