Nach acht Jahren verlässt Intendant Kay Metzger das Theater Ulm zum Ende der Spielzeit Mitte Juli. Am Montag verabschiedete ihn der Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD) offiziell im gut bevölkerten Foyer des Rathauses mit Lobeshymnen und einem Ulmer Spatzen aus Beton. Zum Ausklang hat Wagner-Fan Metzger „Die Meistersinger von Nürnberg“ inszeniert.
Umjubelte "Meistersinger": Wagner-Oper am Theater Ulm oft ausverkauft
Für das Mammutwerk von Richard Wagner bietet der scheidende Intendant das ganze Ulmer Ensemble plus Gastsänger. Kay Metzgers umjubelte Inszenierung von fast sechs Stunden mit zwei Pausen ist oft ausverkauft, zum letzten Mal wird sie am Sonntag, den 5. Juli, um 17 Uhr aufgeführt.
Theater rechnet sich nicht, aber es zahlt sich aus.
Als Sensationen, gar als "Wunder von Ulm", feiert die Musikwelt Metzgers preisgekrönte Uraufführungen der beiden Opern von Charles Tournemire, eines fast vergessenen französischen Komponisten. Deutschlandweit gibt es 2025 euphorische Kritiken zum Beispiel für die zuvor als unspielbar geltende Oper über den Heiligen Franz von Assisi: "Le petit pauvre d'Assise".
Ein städtisches Theater mit 280 Beschäftigten auf und hinter der Bühne muss freilich immer wieder um sein Budget kämpfen, auch das lässt der scheidende Intendant am Montag nicht unerwähnt. Er hoffe, dass der theateraffine Gemeinderat auch künftig zu dem Dreispartenhaus stehe. Denn ein Theater rechne sich finanziell nicht, aber zahle sich gesellschaftlich aus, sagt Metzger bei seiner Verabschiedung.
Lockdown in der Pandemie - für das Theater Ulm besonders schmerzhaft
Metzgers acht Jahre lange Intendanz ist auch von Krisen gebeutelt: In der Coronazeit wird das Theater anderthalb Jahre geschlossen, dann muss jede zweite Sitzreihe im Großen Haus gesperrt und vor halbiertem Publikum gespielt werden.
Die erste, nur konzertante Aufführung von Mozarts "Zauberflöte" hat Gänsehauteffekt, obwohl das Ensemble mit Corona-Abstand auf der Bühne musizieren und singen muss. Inzwischen sind die Zuschauerrzahlen sogar etwas besser als vor der Pandemie, worauf Intendant Metzger besonders stolz ist.
Das hätte ich zum Abschluss nicht gebraucht, aber da kommt sofort das Krisenmanager-Gen in einem hoch.
Vor einem Jahr geht der wertvolle Fundus des Theaters mit 27.000 Kostümen in Flammen auf, der Schaden wird auf viele Millionen Euro geschätzt. Darauf hätte Kay Metzger zum Ende seiner Intendanz gerne verzichtet, wie er dem SWR im Interview erzählt. "Aber da kommt sofort das Krisenmanager-Gen in einem hoch", so Metzger, "und man stellt sich der Aufgabe."
Ein obdachloser Mann hatte im Juni 2025 das Depot in der Nähe des Ulmer Bahnhofs aus Rache angezündet, er muss für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Im neuen Theaterfundus finden sich inzwischen hunderte Gewänder, die das Ulmer Publikum gespendet hat.
Hunderte Spenden nach verheerendem Feuer Verbrannte Kostüme - welche Schätze jetzt im neuen Theaterfundus Ulm hängen
Das Theater Ulm hat mehrere hundert Kleiderspenden für einen neuen Fundus bekommen. Darunter ist viel Überraschendes, wie Priestergewänder und wertvolle indische Hochzeitskleidung.
Oper im Autohaus, Schauspiel im Ulmer Münster
Zu den Erfolgen der acht Ulmer Spielzeiten von Kay Metzger zählen überraschend neue Spielorte: Oper im Autohaus, Solo-Stück "Judas" im Ulmer Münster, Schauspiel an der Universität oder im Gericht. Und das Tanzensemble dreht seine Pirouetten auch mal auf dem Kopfsteinpflaster der Altstadt.
Kay Metzger hat "das Theater als Ort der Begegnung etabliert", betont der Ulmer OB und bedankt sich, dass er die Tradition des Theaterballs wiederbelebt hat. Vermissen wird der scheidende Intendant viele Menschen, mit denen er gerne und intensiv zusammengearbeitet habe. "Es sind tolle künstlerische Bindungen gewachsen", erklärt er im Interview. Künftig will sich der 66-Jährige vor allem Reisen und Lesen widmen.
Erste Frau an der Spitze des städtischen Theaters
Im September wird mit Greta Călinescu die erste Frau an der Spitze des Theaters Ulm stehen. Die 38-Jährige hat bereits am Nationaltheater Mannheim inszeniert und war zuletzt Produktionsleiterin am Staatstheater in Nürnberg. Călinescu ist in Herrlingen und Ulm aufgewachsen, ihre Eltern stammen aus Rumänien. Sie übernimmt ein Theater, "das künstlerisch selbstbewusst und erfolgreich" ist, lobt OB Ansbacher in seiner Rede am Montag.