Intendant Kay Metzger: "Ein ganz bitterer Moment"

Theaterfundus in Trümmern: Theater Ulm zeigt das Ausmaß der Zerstörung

Nach dem verheerenden Brand im Außenlager des Theaters Ulm durften Medienvertreter am Montag erstmals die zerstörte Brandruine besichtigen. Tausende Kostüme und Requisiten sind verbrannt.

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Von Autor/in Peter Schmid

Schwarze Asche, verkohlte Stoffe, verbogene Kulissen: Nach dem verheerenden Brand im Außenlager des Theaters Ulm gleicht der Ort einem Trümmerfeld. Wo einst Requisiten, Kostüme und Bühnenbilder lagerten, herrschen nun Ruß und Rauchgeruch. Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren - doch Intendant Kay Metzger steht fassungslos vor den Überresten jahrelanger Theatergeschichte.

Kostümfundus des Theaters fast komplett zerstört

"Das ist schon ein ganz bitterer Moment, den Schaden, nachdem einige Monate vergangen sind, nochmal zu sehen", sagt Kay Metzger. Der Intendant des Theaters Ulm hat am Montag zum ersten Mal seit dem Brand im Juni die Tore für Medienvertreter geöffnet, um die Verwüstung zu dokumentieren.

In der alten Paketposthalle riecht es verkohlt. Beim Gang auf den Dachboden wird der Geruch noch intensiver. Die gesamte Decke ist pechschwarz. Im Kostümfundus haben die Flammen stundenlang gewütet - übrig blieb fast nichts. Zwei Drittel des Gesamtbestands sind für immer verloren. Darunter auch Ordenskostüme, Brautkleider und historische Kostüme, deren Wert mit Geld kaum aufzuwiegen sind.

Innenansichten eines Außenlagers: Der hier gelagerte Fundus des Theater Ulm ist bei dem Brand Ende Juni zerstört worden.
Innenansichten eines Außenlagers: Der hier gelagerte Fundus des Theater Ulm ist bei dem Brand Ende Juni zerstört worden.

Was wir daraus retten können, das wird marginal sein.

Polizei geht von Brandstiftung aus

Zur Brandursache ist so viel klar: Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Ein 41-Jähriger sitzt seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Dem obdachlosen Mann wird vorgeworfen, das Feuer absichtlich gelegt zu haben.

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Nach dem Brand des Außenlagers des Ulmer Theaters im Juni hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Dem 41-jährigen obdachlosen Mann wird Brandstiftung vorgeworfen.

Als es hier gebrannt hat, verrät Kay Metzger, war er auch vor Ort. "Ich war an dem Vormittag draußen, da konnte man noch gar nicht rein." Er erinnert sich an den Rauch, die vielen Feuerwehrleute. Die Zerstörung mit eigenen Augen zu sehen, ist für ihn auch nach mehreren Monaten nur schwer zu ertragen. "Der Schock saß schon tief", sagt er. Seine Erkenntnis: "Was wir daraus retten können, das wird marginal sein."

Die ganze Handarbeit, die drin steckt, das ganze Können. Das ist verbrannt.

Er denkt beim Gang durch die Brandruine auch an seine Kolleginnen und Kollegen. "Die betroffenen Personen in der Schneiderei, Maskenabteilung, Requisite. Die ganze Handarbeit, die drin steckt, das ganze Können. Das ist verbrannt." Zehn Jahre, so seine Prognose, wird es dauern, bis der Fundus des Theaters Ulm wieder vollständig aufgebaut ist.

Blick auf die Zerstörung: Am Montag durften Medienvertreter zum ersten Mal das abgebrannte Lager sehen.
Blick auf die Zerstörung: Am Montag durften Medienvertreter zum ersten Mal das abgebrannte Lager sehen.

Stadt Ulm hilft Theater beim Wiederaufbau des Fundus

"Ich bin fürchterlich erschüttert, das macht wirklich was mit einem. Wenn Sie das hier sehen, tut's richtig weh", sagt Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher (SPD), der auch zum Besichtigungstermin gekommen ist. "Es ist ja unser Theater. Das ist nicht ein Betrieb, der losgelöst ist von der ganzen Stadtgesellschaft. Wer im Theater war, wer das mal erlebt hat, der fühlt auch mit, was hier geschehen ist."

Die Stadt Ulm unterstützt das Theater, hat Räumlichkeiten aufgetan für Probebühnen und Requisiten. "Wir haben befristete Stellen geschaffen, um den Fundus einigermaßen wieder auf Vordermann zu bringen", sagt Ansbacher. Was mit dem Gebäude passiere, sei unklar. Die Statik ist betroffen. Es gebe intensive Gespräche mit Versicherungen, inwiefern diese für den Schaden aufkommen sollen.

Extreme Hitze hat den Absatz dieser Schuhe im Lager des Theaters Ulm schmelzen lassen.
Extreme Hitze hat den Absatz dieser Schuhe schmelzen lassen.

Förderverein des Theaters sammelt Spenden

Doch Ansbacher setzt auch auf Hilfe aus der Bürgerschaft, ruft dazu auf, zu helfen. Ein Förderverein des Theaters, die "Freunde und Förderer des Ulmer Theaters e.V.", haben eine Spendenaktion gestartet. Ihr Ziel: 300.000 Euro für neue Kostüme zu sammeln. 75 Einzelspender gab es bereits.

Ich bin optimistisch, weil es einfach sehr viele Leute in diesem Theater gibt, die unfassbar engagiert und konstruktiv mit der Situation umgehen.

Kay Metzger freut sich über die Unterstützung der Stadt und des Vereins: "Wir können wieder proben. Wir können die Stücke pünktlich rausbringen, das ist ganz wichtig. Da sehe ich mich auch in der Pflicht, dem Publikum und der Stadt gegenüber, dass wir da auch liefern. Ich bin optimistisch, weil es einfach sehr viele Leute in diesem Theater gibt, die unfassbar engagiert und konstruktiv mit der Situation umgehen. Da machen wir das Beste draus."

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Autor/in
Peter Schmid
SWR-Aktuell Redakteur Peter Schmid

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