Der Maschinen- und Anlagenbauer Voith will rund 2.500 Arbeitsplätze abbauen. Das hat das Unternehmen mit Stammsitz in Heidenheim am Dienstag angekündigt. Laut einer Sprecherin ist der Abbau innerhalb der kommenden zwei Jahre vorgesehen. Weltweit beschäftigt Voith derzeit ungefähr 22.000 Menschen in 60 Ländern. Durch den Abbau würde demnach fast jede zehnte Stelle wegfallen.
Auch Stammsitz Heidenheim vom Stellenabbau betroffen
An welchen Standorten wie viele Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, ist noch unklar. Voith will nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen Optionen prüfen und diese gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern diskutieren und bewerten.
Die Sprecherin kündigte auf SWR-Anfrage jedoch an, dass der Abbau Deutschland - und damit auch den Stammsitz in Heidenheim - überproportional treffen werde. In Heidenheim arbeiten 3.800 Menschen. In Deutschland sind insgesamt knapp 7.000 Menschen bei Voith beschäftigt. Für Heidenheims Oberbürgermeister Michael Salomo (SPD) ein spürbarer Schritt. "Wenn einer der größten Arbeitgeber solche Maßnahmen ankündigt, wird er das auch nicht ohne Zwang und Nöte tun. Aber ja, es wird spürbar sein", so Salomo. Wegen der engen Verbindung von Stadt und Gründerfamilie des Unternehmens hoffe er aber, dass der Stellenabbau den Stammsitz nicht so hart treffen werde, so Salomo.
Wir sehen auch, dass wir gerade an den deutschen Standorten ein Verhältnis zwischen direkten und indirekten Arbeitern haben, plus die Standortnachteile, in denen wir in der Form einfach nicht wettbewerbsfähig sind. Insofern wird es auch die deutschen Standorte in den nächsten zwei Jahren treffen.
Voith-Konzernchef: An deutschen Standorten nicht wettbewerbsfähig
"Wir sehen auch, dass wir gerade an den deutschen Standorten ein Verhältnis zwischen direkten und indirekten Arbeitern haben, plus die Standortnachteile, in denen wir in der Form einfach nicht wettbewerbsfähig sind. Insofern wird es auch die deutschen Standorte in den nächsten zwei Jahren treffen", so Konzernchef Dirk Hoke am Dienstagabend gegenüber dem SWR. Laut Hoke hat der Konzern in den vergangenen 15 Jahren wirtschaftlich nicht so abgeschnitten wie gewünscht.
"Ich möchte auch nicht irgendjemanden verantwortlich machen - wir sind es natürlich am Ende des Tages selbst und wir müssen da aus eigener Kraft wieder rauskommen", erklärt er weiter. In Zukunft wolle man daher verstärkt in Innovationen investieren, vor allem die Unternehmensstandorte in Deutschland könne man nur damit absichern.
Voith beklagt hohe Energie- und Arbeitskosten und bürokratischen Aufwand
Nach Darstellung des Unternehmens kann Deutschland zwar mit technologischer Kompetenz und Innovationskraft punkten. Große Herausforderungen sind jedoch "hohe Energie- und Arbeitskosten, komplexe regulatorische Anforderungen und ein insgesamt hoher bürokratischer Aufwand".
Konzernergebnis von Voith rutscht ins Minus
Noch vor zwei Jahren liefen die Geschäfte bei Voith trotz weltweiter Krisen gut. Umsatz und Gewinn waren im Aufwind. Der Auftragsbestand kletterte im Geschäftsjahr 2022/23 mit über sieben Milliarden Euro sogar auf ein Allzeithoch. Der Gewinn lag bei 73 Millionen Euro.
Die Profitabilität von Voith werde erneut wachsen, prognostizierte der damalige Konzernchef Toralf Haag im Dezember 2023. Doch es kam anders. Im folgenden Geschäftsjahr 2023/24 sackte das Konzernergebnis auf minus 247 Millionen Euro ab. Zahlen für das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2024/25 liegen noch nicht vor. Man glaube fest daran, dass das Fundament stabil sei, sagte der aktuelle Konzernchef Hoke am Dienstagabend. Doch um Geld für die notwendigen größeren Investitionen in Innovation und Maschinenparks zu haben, brauche es nun die Restrukturierung. Er sei absolut davon überzeugt, so Hoke, dass man so in Zukunft wieder "gesund wachsen und Innovationen generieren" könne.
Stellenabbau bei Voith: Gewerkschaft IG Metall von Größenordnung überrascht
Tobias Bucher, erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall in Heidenheim, sagte dem SWR, er habe mit einem Stellenabbau gerechnet. Von der Größenordnung aber zeigte er sich überrascht und forderte die Einhaltung des Tarifvertrags.
Die Beschäftigten hätten seit 2021 in Form von unentgeltlich geleisteten Stunden eingezahlt, "und im Gegenzug haben wir bis März 2028 den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen". Sein Anspruch sei deshalb: "Wenn man einem Code of Conduct Glauben schenken soll, den das Unternehmen hat, dann halten sie sich an Verträge - und zwar immer. Und dann dürfen keine betriebsbedingten Kündigungen stattfinden", so Bucher.