Ausflugsziel Nummer 1 im Sommer: Der Badesee. Rund um Ulm gibt es viele Seen. Und obwohl die Wasserqualität in nahezu allen Badeseen sehr gut ist, lauern Gefahren im Wasser. Jens Eberhard vom Gesundheitsamt des Alb-Donau-Kreises erklärt, warum trübes Wasser nicht gleich schlecht ist - und worauf Badende achten können.
Wasserqualität in EU-Badeseen wird regelmäßig kontrolliert
Einmal im Monat kontrolliert Jens Eberhard die zehn EU-Badeseen im Alb-Donau-Kreis. Neben dem Allgemeinzustand der Gewässer misst er die Temperatur, den Sauerstoffgehalt und den pH-Wert, also den Säuregehalt. Außerdem nimmt er an jedem See eine Wasserprobe, die im Labor ausgewertet wird. Ist beispielsweise der E. coli-Wert zu hoch, liegt eine fäkale Verunreinigung vor. Dann kann ein Badeverbot erlassen werden, um die Gesundheit der Badegäste zu schützen, so der Wasserprüfer. Der See sei dann höchstwahrscheinlich mikrobiologisch belastet und durch Bakterien oder Parasiten verunreinigt.
Klares Wasser ist nicht gleich sauberes Wasser, und trübes Wasser nicht gleich belastetes Wasser.
Ein Beispiel wären die so genannten Cyanobaktieren, auch bekannt als Blaualgen. Badende erkennen sie recht schnell an blau-grünen Schlieren auf der Wasseroberfläche, erklärt Eberhard. Verschluckt man zu viel bakteriell verunreinigtes Seewasser, kann das beim Menschen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall verursachen.
Seen im Alb-Donau-Kreis vom Grundwasser gespeist
Die meisten offiziellen Badeseen im Landkreis seien ehemalige Baggerseen, die aus Sand- und Kiesgrubern hervorgingen. Laut dem Experten sind diese Gewässer oft klarer, weil sie mit Wasser versorgt werden, das aus dem Boden aufsteigt. Seen, die durch natürliche Vorgänge entstanden sind, seien hingegen oft Oberflächenwasserseen. Sie speisen sich aus Flüssen und Bächen.
Der Seeboden sei dann oft bedeckt mit Schlamm und Laub, was zu trübem Wasser führen könne. Über die Wasserqualität sagt das aber oft nichts aus, so der Experte. Auch bei klaren, vom Grundwasser gespeisten Seen können Fäkalien im Wasser sein. Beispielsweise durch Gülle aus der Landwirtschaft, die über das Grundwasser in den See gelangt. Andersherum können trübe Naturseen eine einwandfreie Wasserqualität aufweisen.
Problematisch wird es, wenn das Ökosystem aus dem Gleichgewicht kommt.
Gute Wasserqualität im Badesee bedeutet ein Ökosystem im Gleichgewicht
Jens Eberhard fasst zusammen: Bei einem gesunden See mit einer guten Wasserqualität ist das Ökosystem im Gleichgewicht. Wasserpflanzen und Wasservögel an Seen seien grundsätzlich ein gutes Zeichen. Zu viele Algen wiederum führen zu einem Sauerstoffmangel im See. Die Algen sterben ab und werden am Boden von Mikroorganismen zersetzt, die dabei große Mengen an Sauerstoff verbrauchen. Ein zu geringer Sauerstoffgehalt im Gewässer könne dann dazu führen, dass der See "kippt" und Fische sterben.
Interaktive Karte mit allen EU-Badeseen
Die offiziellen Badeseen im Alb-Donau-Kreis haben fast alle eine ausgezeichnete Wasserqualität. Die Ergebnisse zu allen kontrollierten Badegewässer in Baden-Württemberg finden Interessierte in der so genannten Badegewässerkarte des Landesgesundheitsamtes.
Das Landratsamt Neu-Ulm warnt vor Saugwürmern und Blaualgen
Welche Unannehmlichkeiten im Badesee auf die Schwimmer warten können, lässt sich derzeit im benachbarten Kreis Neu-Ulm beobachten. Seit Wochen hängen am Ludwigsfelder Badesee in Neu-Ulm Hinweisschilder, die vor Blaualgen warnen. Wie auf der Internetseite des Landkreises steht, seien aber nur kleinere Stellen im Wasser betroffen. Die Behörde rät dazu, kein Wasser zu Verschlucken. Nach dem Schwimmen sollte man zügig die Badekleidung wechseln und sich im besten Fall abduschen.
Dasselbe gilt für den Pfuhler Badesee. Hier weisen Warnschilder auf Saugwürmer-Larven im Wasser hin. Die sind hauptsächlich im flachen Gewässer zu finden, dort wo vor allem Kleinkinder plantschen.
Saugwürmer-Larven bohren sich unter die Haut des Menschen.
Hautausschlag durch Saugwurmlarven: Unangenehm, aber harmlos
Andreas Weins hatte schon viele kleine Patienten mit einer Zerkariendermatitis in seinem Behandlungszimmer sitzen. Er weiß, dass der Mensch ein klassischer Fehlwirt für Saugwürmer-Larven ist. Die winzig kleinen Parasiten befallen eigentlich nur Wasservögel. Manchmal verirren sie sich aber und landen unter der menschlichen Haut. Das führt dann unter Umständen zu einem stark juckenden Hautausschlag. Der sei zwar harmlos und nicht ansteckend, aber sehr unangenehm, so Weins.
Die Zerkariendermatitis klingt in den meisten Fällen in wenigen Tagen ab.
Sollte der Juckreiz nicht nachlassen oder es zu einer starken Entzündung an der Haut kommen, rät der Dermatologe dazu, einen Arzt aufzusuchen. Der verschreibt dem Patienten in der Regel ein entzündungshemmendes Gel. Lotionen, die den Juckreiz lindern, gibt es auch frei verkäuflich in der Apotheke, so Weins.