Wohnen wir künftig in Häusern, die aus dem 3D-Drucker kommen? In Deutschland sind solche Häuser noch Exoten, Baufirmen sprechen aber von wachsendem Interesse. In dem Bereich wird viel geforscht und getestet. Haben die Häuser das Zeug zum Standard?
3D-Druck soll Kosten sparen
In einer Halle auf dem Gelände der Firma Rupp Gebäudedruck im bayerischen Weißenhorn (Kreis Neu-Ulm) schichtet ein 3D-Drucker mit fast schon meditativer Ruhe Lage um Lage aus Beton übereinander. Hier stehen verschieden geformte Einzelteile, die nichts mit Häusern zu tun haben. Es handelt sich um Testläufe.
Die Firma will die Verwendbarkeit von Standard-Beton herausfinden. Er ist günstiger als Spezialmischungen, wie sie derzeit häufig für den 3D-Betondrucker verwendet werden. Das würde die Baukosten weiter senken.
Wir glauben, dass der 3D-Druck ein Werkzeug für die Zukunft ist.
Die Baukosten sind einer der Pluspunkte der 3D-gedruckten Häuser. Michael Oßwald, Geschäftsführer der Rupp Gebäudedruck, begleitet den Test. Derzeit würden durch die Bauweise bis zu zehn Prozent der Kosten gespart, berichtet er: "Wir glauben, dass der 3D-Druck ein Werkzeug für die Zukunft ist."
Fachkräftemangel lindern
Er sei keine Lösung für alles, könne aber die großen Themen in der Bauindustrie abfedern. Für ihn sind das Fachkräftemangel, Designfreiheit, Nachhaltigkeit. Mit dem Drucker könne das Material gezielt und daher sparsam eingesetzt werden. Für ihn ist der 3D-Druck eine Ergänzung bisheriger Bauweisen.
Derzeit werde allerdings nur ein verschwindend geringer Teil an Häusern so gebaut. Etwa 20 habe man bisher verwirklicht: "Es ist eine noch sehr kleine Technologie, wenn man sich den ganzen Baumarkt anschaut. Sie entwickelt sich gerade erst", ist er überzeugt. "Entgegen dem Trend in der allgemeinen Baubranche wird die Nachfrage nach 3D-gedruckten Gebäuden aber größer."
Der 3D-Druck könne zudem den Fachkräftemangel lindern. Denn einen Drucker zu überwachen statt Steine zu schleppen könnte Jobs auf dem Bau attraktiver machen. Zudem seien weniger Bauarbeiter nötig als beim bisherigen System, für das Verschalungen auf- und abgebaut werden müssten.
Designfreiheit für Häuser
Auf dem Hof der Firma ist ein Teil der Vielfalt des Betondrucks zu sehen. Dort stehen ein Tiny House und fertig gedruckte Module für den Einbau auf einer Baustelle - sogar eine kleine Kapelle wartet auf den Transport an ihren Bestimmungsort. Zum Angebot gehören auch kleinere Elemente wie Blumentöpfe, Hochbeete und Liegen. Wer ein Gebäude aus dem 3D-Drucker wolle, stelle passend dazu auch gerne etwas in den Garten, erklärt Geschäftsführer Oßwald.
Der Druck ermöglicht Freiheit im Design, beispielsweise geschwungene Formen, die im Betonbau sonst schwierig und teuer sind. Ein Beispiel ist das sogenannte Wavehouse in Heidelberg. Es gilt als das größte 3D-gedruckte Haus in Europa. 54 Meter lang, 11 Meter breit und 9 Meter hoch.
Die Höhe setzt dem 3D-Druck allerdings derzeit eine Grenze. Diese liegt aktuell bei etwa drei Stockwerken. Denn: Der Drucker muss von oben die komplette Baustelle abfahren können. Dafür wird ein Gestell mit vertikalen und horizontalen Schienen gebaut - und diese Höhe ist begrenzt.
Mehrfamilienhäuser als Stärke
Eine treibende Kraft im 3D-Druck ist die Firma PERI 3D Construction, ebenfalls mit Sitz in Weißenhorn. Eigentlich ist sie Experte für herkömmliche Betonverschalungen. Doch schon seit Jahren arbeitet sie an der Zukunft des Betonbaus - und dazu gehört der 3D-Druck. Vor sechs Jahren hat die Firma im Ortsteil Wallenhausen das erste 3D-gedruckte Mehrfamilienhaus in Deutschland gebaut.
Jan Graumann ist Geschäftsführer der PERI 3D Construction. Er ist überzeugt, dass die Bauweise den Sprung zum Massenprodukt schafft. Beim ersten gedruckten Haus vor sechs Jahren sei man noch doppelt so teuer gewesen, jetzt sei man schon günstiger als der konventionelle Bau.
Jetzt gehe es beispielsweise darum, mehr Stockwerke zu schaffen, noch schneller zu werden - für das Bauen in Serie: "Da ist noch unheimlich viel Potential", so Jan Graumann. Das zeige sich auch daran, dass die Konkurrenz ebenfalls auf 3D-Druck setze. Es gebe immer mehr Anbieter in dem Bereich.
Die große Stärke des 3D-Drucks liegt seiner Ansicht nach bei Mehrfamilienhäusern. Für solche lohne sich der Aufbau des Betondruckers am meisten. Gemeinsam mit einem Partner hat die Firma das sogenannte Dreihaus entwickelt, ein Mehrfamilienhaus in den Größen S, M und L. Derzeit läuft ein Pilotprojekt mit allen drei Dreihäusern auf einmal.
Hausbau in Serie?
Unter anderem die Krausgruppe als Bauherrin und PERI verwirklichen die Bauten in Heidelberg. Direkt neben dem Wavehouse sind mit dem 3D-Drucker drei Häuser mit insgesamt 21 Wohnungen entstanden.
Die Erfahrungen mit dem Pilotprojekt sind positiv, auch wenn Zeit und Kosten nicht eingehalten werden konnten, wie Hans-Jörg Kraus von der Krausgruppe berichtet - noch nicht: "Das lag aber nicht daran, dass es nicht möglich ist, sondern nur daran, dass wir eben das erste Dreihaus gedruckt haben. Wenn wir noch vier, fünf drucken werden wir sowohl die prognostizierte Bauzeit als auch die Baupreise einhalten können", glaubt er.
Die Krausgruppe ist überzeugt von der Bauart. Man habe weniger Menschen auf der Baustelle, weniger Abfall und erstelle den Rohbau schneller. Auch Geschäftsführer Hans-Jörg Kraus glaubt an die Zukunft des 3D-Betondruckers: "Natürlich wird es nicht den konventionellen Bau ersetzen. Es wird eine gewisse Nische ersetzen. Und wie groß diese Nische ist, muss sich zeigen."