800 Höhenmeter haben ausgereicht. Für Schnee von November bis März, für 50 Skitage, für zwei Meter hohe Schneeverwehungen. Für Winter, die wirklich winterlich waren. Heute dominiert in Westerheim (Alb-Donau-Kreis) eher eine Mischung aus grün, braun und grau. Denn eine weiße Pracht ist selten geworden.
Schneemassen: Nicht mal der Traktor kommt durch
Wenn viel Schnee lag und es hohe Schneeverwehungen gab, ist er als Kind manchmal nicht mal vom Hof runter ins Dorf gekommen. Selbst der Traktor kam nicht durch die schweren Schneemassen. So war das, als Tobias Ramminger Kind war. Der Pferdehof seiner Familie, der Jägerhof, liegt etwas oberhalb von Westerheim.
Wir waren vom Ort fast abgeschnitten.
Tagelang waren er und seine Familie manchmal zugeschneit. "Wir waren vom Ort fast abgeschnitten", erzählt der heute 51-Jährige. Bis der örtliche Bauunternehmer mit der Schneeraupe die Wege zum Hof geräumt hatte. Westerheim liegt auf etwa 800 Metern Höhe. Früher gab es da zuverlässig jeden Winter Schnee.
Winter heute: Vogelgezwitscher statt Schlittenfahren
Und heute? "Heute haben wir zehn Grad und die Vögel zwitschern schon um 6 Uhr", stellt Tobias Ramminger fest. Wenn er an die Achtzigerjahre zurückdenkt, erinnert sich Ramminger an schneereiche, kalte Winter und an Skifahren.
Sogar die Schule musste er ausfallen lassen. Stattdessen hieß es: Raus in den Schnee zum Schlittenfahren, Schneeballschlachten machen, Skifahren oder Ausreiten. "Früher konnte man tagelang über die Felder reiten. Es war ein Erlebnis. Oft sind wir auf zwei Pferden geritten und zwei jüngere Pferde hat man mitlaufen lassen", erinnert sich Ramminger an seine Jugend.
Damals konnte er gemeinsam mit seinem Vater Gabriel über die schneebedeckten Felder galoppieren. Der Bodenfrost und der Schnee schützten die Furchen, sodass kein Flurschaden entstand. Heute ist das nicht mehr möglich. Beim Ausreiten müssen die Pferde immer auf befestigten Wegen bleiben.
Nur noch wenige Tage Schnee im Jahr
Ramminger kann die 90 Pferde auf seinem Hof auch nicht mehr wie früher den ganzen Winter über auf der Koppel lassen. Denn dort würden die Tiere Schäden auf dem feuchten Boden verursachen. Der Pferdehofbesitzer hat deshalb in extra befestigte Winterausläufe investiert.
Noch zur Jahrtausendwende sahen die Winter in Westerheim ganz anders aus als heute. Heute gibt es oft nur wenige Tage im Jahr Schnee, der oft schnell wieder wegschmilzt. Vor 15 Jahren konnte Tobias seinen Kindern nach der Schule oben am Hof die Skier anschnallen und sie runter zum Skilift Halde schicken. "Dann waren die den ganzen Tag unten am Skilift", erinnert sich der Familienvater.
Es ist schon erschreckend, wie schnell der Klimawandel sich vollzieht.
Klimawandel auf der Alb: Liftbetreiber müssen reagieren
Die Folgen des Klimawandels bekommt auch Margret Bek zu spüren. Seit 1968 betreibt die heute 80-Jährige zusammen mit ihrem Mann Franz den Skilift Halde in Westerheim. Während sie früher oft über 50 Tage im Jahr Skibetrieb hatten, waren es letztes Jahr nur insgesamt 14 Betriebstage. Verzweifelt ist die 80-Jährige dennoch nicht. "Wir haben uns angepasst an die klimatischen Verhältnisse", erklärt sie. Sie sind jetzt spontaner, entscheiden oft erst am Abend vorher, ob sie den Hang für Skifahrer öffnen. Je nach Schnee- und Wetterlage.
Margret Bek selbst erinnert sich gerne zurück an ihre Kindheit und Jugend mit schneereichen Wintern und vor allem viel Skifahren. "Für mich war das als Kind schön. Jeden Sonntag ist man an irgendeinen anderen Hang zum Skifahren gegangen."
Winter damals hieß auch: Viel Arbeit
Damals lag in Westerheim von Mitte November bis Ende März Schnee - oft meterhoch, erzählt Gabriel Ramminger. Der 84-Jährige hat viele schöne Erinnerungen an das Spielen im Schnee damals, an das Schlittenfahren und die Schneemänner - größer als er selbst.
Aber die Winterzeit bedeutete für Gabriel Ramminger nicht nur Spaß im Schnee, sondern auch viel Arbeit. Mit 14 Jahren musste er jeden Morgen vor der Schule mit dem Pferdeschlitten die Holzfäller in den Wald fahren. Und nachmittags nach der Schule ging es mit dem Schlitten querfeldein durch den Schnee zurück in den Wald. Dort hat er das gefällte Holz abgeholt. Außerdem mussten die Kinder damals die Straßen von Hand freischaufeln. Schneefräsen hat es noch nicht gegeben.
Tobias und Gabriel Ramminger sehen auch die Vorteile der milderen Winter heutzutage. So müssen sie jetzt weniger Schneeschippen auf dem Hof. Dennoch vermissen die beiden die romantischen, weißen Winter. Die Zeit, in der man jeden Tag mit Skiern oder mit dem Schlitten die schneebedeckten Hänge runtersausen oder auf der Dorfhüle Schlittschuhlaufen konnte.