Erinnerungen an meterhohen Schnee in Westerheim

Winter damals auf der Schwäbischen Alb: "Wir waren vom Ort fast abgeschnitten"

Auf eines konnten sie sich in Westerheim früher verlassen: Schnee. Der Skilift lief, einige Höfe waren eingeschneit. Doch die Zeiten auf der Schwäbischen Alb haben sich geändert.

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Von Autor/in Alexandra Behr, Peter Köpple

800 Höhenmeter haben ausgereicht. Für Schnee von November bis März, für 50 Skitage, für zwei Meter hohe Schneeverwehungen. Für Winter, die wirklich winterlich waren. Heute dominiert in Westerheim (Alb-Donau-Kreis) eher eine Mischung aus grün, braun und grau. Denn eine weiße Pracht ist selten geworden.

Das ist noch nicht mal zehn Jahre her: Da lag im Winter auf der Schwäbischen Alb noch viel Schnee und das Ortsschild von Westerheim hatte ganz schön viel zu tragen.
Das war 2017 und ist noch nicht mal zehn Jahre her: Da lag im Winter auf der Schwäbischen Alb noch viel Schnee und das Ortsschild von Westerheim hatte ganz schön viel zu tragen. Gemeinde Westerheim Bild in Detailansicht öffnen
Die Schneeverwehungen auf der Alb waren im Winter nicht selten meterhoch. Das Foto aus dem Jahr 2015 zeigt Schneemassen bei Westerheim, die einen Kastenwagen teilweise überragen.
Die Schneeverwehungen auf der Alb waren im Winter nicht selten meterhoch. Das Foto aus dem Jahr 2015 zeigt Schneemassen bei Westerheim, die einen Kastenwagen teilweise überragen. Gemeinde Westerheim Bild in Detailansicht öffnen
Die Albhalle in Westerheim im Winter 2015: Die Feuerwehr musste anrücken und den Schnee vom Hallendach schaufeln. Sonst wäre womöglich das Dach der Albhalle unter der Schneelast eingebrochen.
Die Albhalle in Westerheim im Winter 2015: Die Feuerwehr musste anrücken und die Winterpracht vom Hallendach schaufeln. Sonst wäre womöglich das Dach der Albhalle unter der Schneelast eingebrochen. Gemeinde Westerheim Bild in Detailansicht öffnen
Gabriel Ramminger (in der Mitte) und seine Geschwister im Winter 1948: Auch heute - mit 80 Jahren - erinnert er sich noch an die gemeinsamen Spiele im Schnee, an Pferdeschlitten und Schneemänner höher als er selbst.
Gabriel Ramminger (in der Mitte) und seine Geschwister im Winter 1948: Auch heute - mit 84 Jahren - erinnert er sich noch an die gemeinsamen Spiele im Schnee, an Pferdeschlitten und Schneemänner höher als er selbst. privat, SWR Alexandra Behr Bild in Detailansicht öffnen
Lässig und noch ohne Helm, so ging es 1964 mit den Skiern den Hang in Westerheim hinunter.
Lässig und noch ohne Helm, so ging es 1964 mit den Skiern den Hang in Westerheim hinunter. Bild in Detailansicht öffnen
Aber dann muss man den Hang ja auch wieder hochkommen. Am schnellsten ging das mit dem Schlepplift. Ganze drei Groschen kostete eine Liftfahrt damals (1964) am Skilift in Westerheim.
Aber dann muss man den Hang ja auch wieder hochkommen. Am schnellsten ging das mit dem Schlepplift. Ganze drei Groschen kostete eine Liftfahrt damals (1964) am Skilift in Westerheim. Bild in Detailansicht öffnen
Die Achtziger Jahre:  Skifahren in Westerheim gehört im Winter einfach dazu.
Die Achtziger Jahre: Skifahren in Westerheim gehört im Winter einfach dazu. privat, SWR Alexandra Behr Bild in Detailansicht öffnen
Auch der Schlepplift ist inzwischen neu.Wie lange man damals wohl anstehen musste?
Der Schlepplift in Westerheim ist inzwischen neu. Wie lange man damals wohl anstehen musste? privat, SWR Alexandra Behr Bild in Detailansicht öffnen
In der Wintersaison 20172018 hatte der Skilift Halde in Westerheim viel zu schleppen. Der viele Schnee lockte Skibegeisterte auch von außerhalb auf die Schwäbische Alb.
In der Wintersaison 2017/2018 hatte der Skilift Halde in Westerheim nochmal viel zu schleppen. Die weiße Pracht hat Skibegeisterte auch von außerhalb auf die Schwäbische Alb gelockt. Gemeinde Westerstetten Bild in Detailansicht öffnen
Und heute? Der Skilift Halde in Westerheim ist einsatzbereit. Aber der Hang ist grün, auch noch Mitte Dezember. Vorige Saison war der Lift immerhin an 14 Tagen in Betrieb.
Und heute? Der Skilift Halde in Westerheim ist einsatzbereit. Aber der Hang ist grün, auch noch Mitte Dezember. Vorige Saison war der Lift immerhin an 14 Tagen in Betrieb. SWR Peter Köpple Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Ramminger (links) mit seinem Vater Gabriel - beide schwelgen in Erinnerungen. Aber die Winterzeit war nicht nur Spaß im Schnee, sondern auch viel Arbeit. Straßen und Wege mussten beispielsweise von Hand freigeschaufelt werden. Denn Schneefräsen hat es noch nicht gegeben.
Tobias Ramminger (links) mit seinem Vater Gabriel - beide schwelgen in Erinnerungen. Aber die Winterzeit war nicht nur Spaß im Schnee, sondern auch viel Arbeit. Straßen und Wege mussten beispielsweise von Hand freigeschaufelt werden. Denn Schneefräsen hat es noch nicht gegeben. SWR Alexandra Behr Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Ramminger ist in seiner Jungend noch mit den Pferden über schneebedeckte Felder galoppiert. Das sind bis heute ganz besondere Erlebnisse für ihn. Mit den alten Fotos werden die Erinnerungen wach.
Tobias Ramminger ist in seiner Jungend noch mit den Pferden über schneebedeckte Felder galoppiert. Das sind bis heute ganz besondere Erlebnisse für ihn. Mit den alten Fotos werden die Erinnerungen wach. SWR Alexandra Behr Bild in Detailansicht öffnen

Schneemassen: Nicht mal der Traktor kommt durch

Wenn viel Schnee lag und es hohe Schneeverwehungen gab, ist er als Kind manchmal nicht mal vom Hof runter ins Dorf gekommen. Selbst der Traktor kam nicht durch die schweren Schneemassen. So war das, als Tobias Ramminger Kind war. Der Pferdehof seiner Familie, der Jägerhof, liegt etwas oberhalb von Westerheim. 

Wir waren vom Ort fast abgeschnitten.

Tagelang waren er und seine Familie manchmal zugeschneit. "Wir waren vom Ort fast abgeschnitten", erzählt der heute 51-Jährige. Bis der örtliche Bauunternehmer mit der Schneeraupe die Wege zum Hof geräumt hatte. Westerheim liegt auf etwa 800 Metern Höhe. Früher gab es da zuverlässig jeden Winter Schnee.

Winter heute: Vogelgezwitscher statt Schlittenfahren

Und heute? "Heute haben wir zehn Grad und die Vögel zwitschern schon um 6 Uhr", stellt Tobias Ramminger fest. Wenn er an die Achtzigerjahre zurückdenkt, erinnert sich Ramminger an schneereiche, kalte Winter und an Skifahren.   

Tobias Ramminger (li.) und sein Vater Gabriel (re.) schwelgen in Erinnerungen. Beide vermissen die schneereichen Winter, die es früher gab.
Tobias Ramminger (li.) und sein Vater Gabriel (re.) schwelgen in Erinnerungen. Beide vermissen die schneereichen Winter, die es früher gab. Jeden Tag Skifahren, Rodeln, Schlittschuhlaufen - das alles gibt es heute nicht mehr. Alexandra Behr

Sogar die Schule musste er ausfallen lassen. Stattdessen hieß es: Raus in den Schnee zum Schlittenfahren, Schneeballschlachten machen, Skifahren oder Ausreiten. "Früher konnte man tagelang über die Felder reiten. Es war ein Erlebnis. Oft sind wir auf zwei Pferden geritten und zwei jüngere Pferde hat man mitlaufen lassen", erinnert sich Ramminger an seine Jugend.

Damals konnte er gemeinsam mit seinem Vater Gabriel über die schneebedeckten Felder galoppieren. Der Bodenfrost und der Schnee schützten die Furchen, sodass kein Flurschaden entstand. Heute ist das nicht mehr möglich. Beim Ausreiten müssen die Pferde immer auf befestigten Wegen bleiben.

Nur noch wenige Tage Schnee im Jahr

Ramminger kann die 90 Pferde auf seinem Hof auch nicht mehr wie früher den ganzen Winter über auf der Koppel lassen. Denn dort würden die Tiere Schäden auf dem feuchten Boden verursachen. Der Pferdehofbesitzer hat deshalb in extra befestigte Winterausläufe investiert.

Zwei Skifahrer im Schlepplift: Schnee in Westerheim und Betrieb auf der Piste.
Inzwischen ein Bild mit Seltenheitswert: Schnee in Westerheim und Betrieb auf der Piste. Gemeinde Westerheim

Noch zur Jahrtausendwende sahen die Winter in Westerheim ganz anders aus als heute. Heute gibt es oft nur wenige Tage im Jahr Schnee, der oft schnell wieder wegschmilzt. Vor 15 Jahren konnte Tobias seinen Kindern nach der Schule oben am Hof die Skier anschnallen und sie runter zum Skilift Halde schicken. "Dann waren die den ganzen Tag unten am Skilift", erinnert sich der Familienvater.

Es ist schon erschreckend, wie schnell der Klimawandel sich vollzieht.

Klimawandel auf der Alb: Liftbetreiber müssen reagieren

Die Folgen des Klimawandels bekommt auch Margret Bek zu spüren. Seit 1968 betreibt die heute 80-Jährige zusammen mit ihrem Mann Franz den Skilift Halde in Westerheim. Während sie früher oft über 50 Tage im Jahr Skibetrieb hatten, waren es letztes Jahr nur insgesamt 14 Betriebstage. Verzweifelt ist die 80-Jährige dennoch nicht. "Wir haben uns angepasst an die klimatischen Verhältnisse", erklärt sie. Sie sind jetzt spontaner, entscheiden oft erst am Abend vorher, ob sie den Hang für Skifahrer öffnen. Je nach Schnee- und Wetterlage.

In der Gemeinde Westerheim auf der Schwäbischen Alb gab es früher häufig Schnee.
1964 war es in Westerheim noch richtig oft weiß. Alexandra Behr / Peter Köpple

Margret Bek selbst erinnert sich gerne zurück an ihre Kindheit und Jugend mit schneereichen Wintern und vor allem viel Skifahren. "Für mich war das als Kind schön. Jeden Sonntag ist man an irgendeinen anderen Hang zum Skifahren gegangen."

Winter damals hieß auch: Viel Arbeit

Damals lag in Westerheim von Mitte November bis Ende März Schnee - oft meterhoch, erzählt Gabriel Ramminger. Der 84-Jährige hat viele schöne Erinnerungen an das Spielen im Schnee damals, an das Schlittenfahren und die Schneemänner - größer als er selbst. 

In der Gemeinde Westerheim auf der Schwäbischen Alb gab es früher häufig Schnee im Winter.
Winter 1948: Damals lag der Schnee oft über zwei Meter hoch. Gabriel Ramminger (Mitte) erinnert sich, wie er mit seinen Geschwistern damals im Schnee gespielt hat - mit Pferdeschlitten und Schneemännern höher als sie selbst. privat, SWR Alexandra Behr

Aber die Winterzeit bedeutete für Gabriel Ramminger nicht nur Spaß im Schnee, sondern auch viel Arbeit. Mit 14 Jahren musste er jeden Morgen vor der Schule mit dem Pferdeschlitten die Holzfäller in den Wald fahren. Und nachmittags nach der Schule ging es mit dem Schlitten querfeldein durch den Schnee zurück in den Wald. Dort hat er das gefällte Holz abgeholt. Außerdem mussten die Kinder damals die Straßen von Hand freischaufeln. Schneefräsen hat es noch nicht gegeben.  

Tobias und Gabriel Ramminger sehen auch die Vorteile der milderen Winter heutzutage. So müssen sie jetzt weniger Schneeschippen auf dem Hof. Dennoch vermissen die beiden die romantischen, weißen Winter. Die Zeit, in der man jeden Tag mit Skiern oder mit dem Schlitten die schneebedeckten Hänge runtersausen oder auf der Dorfhüle Schlittschuhlaufen konnte.

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Alexandra Behr
Peter Köpple
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