Während das Geschäft mit Halbleitern so gut läuft wie nie, schwächelt der Optik- und Elektronikkonzern Zeiss beim Verkauf von Brillengläsern. Trotz angespannter geopolitischer Lage konnte das Unternehmen aus Oberkochen im Ostalbkreis seinen Umsatz steigern, wenngleich der Gewinn zurückgegangen ist.
Zeiss: Eine Milliarde Euro mehr Umsatz als im Vorjahr
Der Umsatz der Zeiss-Gruppe stieg um eine Milliarde auf rund 12 Milliarden Euro. Der Gewinn sank jedoch um 79 Millionen auf rund 950 Millionen Euro. Die aktuelle Prognose für das kommende Geschäftsjahr sei trotz solider Bilanz- und gesunder Liquiditätslage angespannt, sagte Andreas Pecher, Vorstandsvorsitzender der Zeiss-Gruppe bei der Bekanntgabe der aktuellen Zahlen.
Geopolitische Spannungen machen Zeiss trotz Umsatzplus Sorgen
Im Auge hat er dabei die Spannungen zwischen den USA und China, aber auch zwischen China und Europa. Protektionismus und die damit einhergehenden Handels- und Strafzölle oder Zertifizierungszwänge seien Hindernisse für freie Märkte. "Wir gehen davon aus, dass sich das auch im laufenden Geschäftsjahr nicht verbessern wird", so Pecher.
Wir wollen das Heft in der Hand halten, deshalb sind Innovationen unsere Antwort.
Zeiss‘ Antwort auf das unsichere Marktumfeld seien Neuheiten und Investitionen. 15 Prozent des Umsatzes floss zuletzt in Forschung und Entwicklung, sagte Finanzvorstand Stefan Müller bei der Pressekonferenz. Damit habe man deutlich mehr investiert als abgeschrieben. "Wir wollen das Heft in der Hand halten, deshalb sind Innovationen unsere Antwort", so Pecher.
Zeiss: Zugpferd ist Halbleitertechnik für Mikrochips
Mit rund 5,5 Milliarden Euro hat die Halbleitersparte für die Produktion von Mikrochips den Mammutanteil des Gesamtumsatzes eingespielt: Ein Plus von 23 Prozent. Woher kommt dieser enorme Zuwachs? Die Nachfrage nach immer kleineren Mikrochips sei extrem hoch, die Fabriken entsprechend ausgelastet.
Jahresbilanz vorgestellt Zeiss in Oberkochen wächst weiter - Geschäft mit Brillengläsern schwächelt
Knapp elf Milliarden Euro Umsatz hat Zeiss aus Oberkochen (Ostalbkreis) im vergangenen Geschäftsjahr gemacht. Das Gesamtergebnis ist gut, aber es gibt auch schlechte Nachrichten.
Davon profitiert Zeiss: Die ausgekügelte Zeiss-Technologie mit Ultraviolettlicht ist laut Pecher nicht so einfach nachzumachen. Schließlich arbeite man im 0,1-Millimeter-Bereich noch immer derart präzise, dass da so schnell keine Nachahmer auf den Plan treten könnten, so Pecher. Künstliche Intelligenz spiele Zeiss in die Karten.
Neben der Halbleitersparte ist die Medizintechnik stark. Schwächer hingegen ist die Industrielle Messtechnik - den Unsicherheiten in der Autoindustrie geschuldet.
Trotz solider Lage: Stellen in einzelnen Bereichen bei Zeiss bedroht
Die aktuelle Prognose für das kommende Geschäftsjahr sei trotz solider Lage angespannt: Sollten Einsparungen beim Personal notwendig werden, seien die favorisierten Schritte Kurzarbeit und der Abbau von Stundenkonten. "Zur Sicherung dauerhafter Wettbewerbsfähigkeit kann in einzelnen Bereichen auch ein Wegfall von Arbeitsplätzen erfolgen", räumte Pecher aber auch ein.
Betriebsrat: "Schlag ins Gesicht" Sinkende Nachfrage nach Brillengläsern: Stellenabbau bei Zeiss in Aalen
Der Elektronik- und Optikkonzern Zeiss will in Aalen Stellen abbauen - wie viele, ist noch unklar. An dem Standort werden Brillengläser gefertigt.
Brillenglashersteller Zeiss Vision Care in Aalen trifft es als einen dieser "einzelnen Bereiche": Wie bereits bekannt, werden dort bis Ende kommenden Jahres 180 Stellen sozialverträglich abgebaut. Das Geschäft mit Brillengläsern läuft nicht mehr so gut. Der Preisdruck sei in dieser Zeiss-Sparte hoch, so Pecher.
Auch bei Neuinvestitionen, etwa in einen Zeiss-Campus für Messtechnik in Aalen-Ebnat, sei man verhaltener, so Finanzchef Stefan Müller. Für den Moment sei dieses Projekt zurückgestellt. Über den richtigen Zeitpunkt entscheide man in Abhängigkeit von der weiteren Geschäftsentwicklung.