Wegen einer IT-Panne sind in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 1.440 Lehrerstellen in Baden-Württemberg nicht besetzt worden. Seit dieser Woche sind die Stellen jetzt auf dem Markt und können besetzt werden, teilt das Kultusministerium auf eine SWR-Anfrage mit. Nicht alle Stellen seien jedoch neu ausgeschrieben. Teilweise würden auch Verträge entfristet oder Stellen mit Rückkehrern aus der Elternzeit oder Beurlaubung besetzt.
Großteil der Lehrerjobs für Förder- und Grundschulen ausgeschrieben
Von den 1.440 Lehrerjobs sind 300 Stellen aktuell für Gymnasiallehrkräfte ausgeschrieben. Allerdings nicht für die Arbeit an Gymnasien, sondern laut Kultusministerium für Schularten wie Gemeinschaftsschulen (50 Stellen), berufliche Schulen (100 Stellen) oder Werkrealschulen (150 Stellen). Es gebe jedoch eine Rückkehroption. Diese Stellen sind für Referendarinnen und Referendare interessant, die zunächst wegen der Umstellung auf G9 keine Übernahmeangebote erhalten haben. Außerdem sind 50 Stellen ausgeschrieben, um Informatik an Gymnasien und Beruflichen Gymnasien zu unterrichten.
Der Großteil der 1.440 Lehrerstellen soll aber an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sowie Grundschulen besetzt werden. An Grundschulen gebe es nun etwa gleich viele Stellen wie Bewerber, heißt es vom Ministerium. Im Bereich Sonderpädagogik fehlen dagegen Lehrkräfte. Auch für die Lehrämter Sekundarstufe I und für berufliche Schulen gebe es derzeit nicht genug fertig ausgebildete Lehrkräfte.
Einstellungsverfahren bis Ende Oktober verlängert
Das Einstellungsverfahren ist wegen der entdeckten unbesetzten Lehrerstellen ausnahmsweise bis Ende Oktober verlängert worden. Viele Bewerbungen gehen laut Kultusministerium in Regionen wie Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg, der Rheinebene oder im Bodenseekreis ein. Weniger beliebt hingegen seien Stellen im Neckar-Odenwald-Kreis, im Hohenlohekreis, im Landkreis Calw, im Schwarzwald-Baar-Kreis oder in Stuttgart.
Höchste Einstellungschancen in MINT-Fächern
Die Einstellungschancen von Bewerbern hingen derzeit besonders von den Fächern ab, in denen die Lehrkräfte unterrichten könnten. In den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie in Kunst und Musik stünden die Chancen, eine freie Stelle zu ergattern, gut. In gesellschaftswissenschaftlichen Fächern oder Sprachen, wie Spanisch oder Italienisch, sei die Wahrscheinlichkeit auf eine Stelle dagegen geringer, so das Kultusministerium.