Vor allem Sozial- und Pflege-Einrichtungen betroffen

Auch in BW: ver.di hatte zum "Streiktag der Frauenberufe" aufgerufen

Für Freitag hatte die Gewerkschaft ver.di Beschäftigte in Berufen, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden, zum Streik aufgerufen. Betroffen waren unter anderem Kitas, Kliniken und Jugendhäuser.

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Von Autor/in Dennis Just

Vor der finalen Verhandlungsrunde brodelt der Tarifstreit im öffentlichen Dienst weiter. Neben den aktuellen Warnstreiks in baden-württembergischen Kliniken hatte die Gewerkschaft ver.di für Freitag zum bundesweiten "Streiktag der Frauenberufe" aufgerufen. Gemeint seien Sozial- und Erziehungsberufe sowie Jobs in der Pflege und Gesundheit, die mehrheitlich von Frauen ausgeübt würden, so ver.di.

Hintergrund seien der internationale Frauentag am 8. März sowie der Equal Pay Day am 7. März. Letzterer steht für den Unterschied der Gehälter zwischen Männern und Frauen. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) haben Frauen in Deutschland 2024 pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger verdient als Männer. Dagegen wollte ver.di laut Landesbezirksleiterin Hanna Binder ein Zeichen setzen.

Frauen arbeiten in den mental und physisch bis zum Anschlag belasteten Berufsfeldern in Kita, Pflege und Sozialen Diensten.

Hinzu komme die Hauptlast der unbezahlten Care-Arbeit, die Frauen zusätzlich leisten würden. ver.di fordert daher eine bessere Bezahlung sowie mehr Entlastung für die Beschäftigten. Die stellvertretende ver.di Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger sagte: "Wenn aktuell Wege aus der Krise diskutiert werden, dann wird in diesem Land praktisch nur gebaut, Instandgehalten oder produziert. Pflege und Erziehung, ja alle sozialen Dienstleistungen, scheint es hier nicht zu geben. Frauen sind es leid, dass ihre Arbeit nicht einmal gesehen wird. Heute zeigen wir, was in diesem Land alles stillsteht, wenn Frauen nicht mehr funktionieren."

Bundesweit beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben mindestens 30.000 Beschäftigte an Kundgebungen und anderen Aktionen. Für Baden-Württemberg liegen keine landesweiten Zahlen vor.

Kitas, Kliniken und Jugendhäuser: Hier wird in BW gestreikt

Bei der Stadt Stuttgart und den Eigenbetrieben waren laut ver.di unter anderem die Kindertagesstätten, das Jugendamt, das Sozialamt, die Betriebsrestaurants und Außenkantinen sowie der Sozial- und Erziehungsdienst und Reinigungskräfte in den Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Des Weiteren wurden der Kommunalverband für Jugend und Soziales, die Stuttgarter Jugendhausgesellschaft GmbH sowie die Agentur für Arbeit und alle Jobcenter bestreikt.

Auch bei der UMM Mannheim und den Gesundheitszentren Rhein-Neckar GRN Schwetzingen und Weinheim waren Warnstreiks angekündigt.

In Ulm hat der Frauenstreiktag laut ver.di die Kitas betroffen sowie das Ostalbklinikum. In Ellwangen (Ostalbkreis) wurden die Virngrundklinik, der Habila Rabenhof, das Schönbornhaus sowie Stadt und Stadtwerke Ellwangen bestreikt.

In Heilbronn waren die Beschäftigten am Klinikum Crailsheim, den SLK Kliniken und den Kitas der Stadt Heilbronn aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Im ver.di-Bezirk Mittelbaden-Nordschwarzwald waren die Kliniken Vidia Karlsruhe, das Städtische Klinikum Karlsruhe, das Klinikum Mittelbaden (Rastatt) und die Sozial- und Jugendbehörde der Stadt Karlsruhe zum Streik aufgerufen - das hat laut Gewerkschaft auch die Kindergärten der Stadt betroffen. Dasselbe galt für den Sozial- und Erziehungsdienst und die Kitas in Freiburg. Bei einer Demonstration von ver.di zogen dort etwa 100 Menschen lautstark durch die Innenstadt.

Mehr Gehalt und bessere Entlastung: Das fordert ver.di

Für die bundesweit mehr als 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen fordert ver.di eine Entgelterhöhung von acht Prozent - mindestens aber 350 Euro monatlich. Außerdem soll es höhere Zuschläge für besonders belastende Tätigkeiten geben. Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 200 Euro monatlich angehoben werden.

Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft drei zusätzliche freie Tage, um der hohen Verdichtung der Arbeit etwas entgegenzusetzen. Für mehr Flexibilität und Zeitsouveränität soll es außerdem ein "Meine-Zeit-Konto" geben, über das Beschäftigte selbst verfügen können.

Nicht finanzierbar: Das sagt der Kommunale Arbeitgeberverband

Die Arbeitgeber haben diese Forderungen als nicht finanzierbar und viel zu hoch zurückgewiesen. Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Baden-Württemberg hatte die Warnstreiks von ver.di vor der zweiten Verhandlungsrunde Mitte Februar als überzogen kritisiert. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Gewerkschaft trotz einer Gehaltserhöhung von durchschnittlich mehr als elf Prozent im Öffentlichen Dienst im letzten Jahr an einer erneuten zweistelligen Entgeltsteigerung für 2025 bei einer kurzen Laufzeit von 12 Monaten festhalte. Und das, obwohl die Inflationsrate aktuell lediglich bei rund 2 Prozent liege, so der KAV-Landesvorsitzende Wolf-Rüdiger Michel in einer Pressemitteilung Mitte Februar. Bei der zweiten Runde der Tarifverhandlungen legten die Arbeitgeber kein Angebot vor.

Die entscheidende dritte Verhandlungsrunde ist vom 14. bis zum 16. März 2025 angesetzt. Alleine in Baden-Württemberg sind nach Angaben des KAV 385.000 Beschäftigte direkt von den Tarifverhandlungen betroffen. Insgesamt rund 67 Prozent der Beschäftigten in den Kommunen (inklusive Beamte) seien Frauen.

Baden-Württemberg

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