Die Gewerkschaft ver.di hat am Freitag in mehreren Städten und Regionen in Baden-Württemberg ganztägig den Einzel- und Versandhandel bestreikt. Hintergrund ist nach Angaben der Gewerkschaft der aktuelle Stand der laufenden Tarifrunde über die Erhöhung der Entgelte für die rund 500.000 Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel Baden-Württemberg.
Warnstreiks: Hier wurde die Arbeit in BW niedergelegt
Stuttgart war eine von vier Städten bundesweit, in denen am Freitag zentrale Kundgebungen stattfanden. Nach einem Demonstrationszug am Vormittag machte die Gewerkschaft ihre Forderungen noch einmal deutlich. Sie liegen in Baden-Württemberg höher als in den meisten anderen Landesbezirken. Die Arbeitgeber haben hier noch kein Angebot vorgelegt, was ver.di-Verhandlungsführer Wolfgang Krüger besonders ärgert.
Zum Streik aufgerufen wurde nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Heilbronn, Schwäbisch Hall und Umgebung sowie in Reutlingen, Tübingen, Göppingen, Sindelfingen, Böblingen, Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Esslingen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Demnach sind unter anderem die Unternehmen Kaufland, H&M, IKEA, OBI, Primark und Zara betroffen. Landesweit beteiligen sich nach Gewerkschaftsangaben rund 800 Beschäftigte.
Einzelhandel: Bisher kein Angebot der Arbeitgeber in der Tarifverhandlung
Die Gewerkschaft ver.di fordert nach eigenen Angaben unter anderem eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 300 Euro sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Die Warnstreiks sind laut Gewerkschaft eine Reaktion auf das Verhalten der Arbeitgeber in der bisher einzigen Verhandlung am 24. April. Demnach hatten es die Arbeitgeber dabei abgelehnt, ein erstes Angebot vorzulegen. Gemeinsam mit den anderen ver.di-Landesbezirken, in denen parallel verhandelt und gestreikt wird, nehme die Tarifrunde in Baden-Württemberg damit Fahrt auf. "Die Kolleginnen und Kollegen halten tagtäglich die Läden am Laufen - bei hoher Arbeitsdichte, zunehmendem Personalmangel und steigenden Preisen", sagte ver.di-Verhandlungsführer Krüger.
Weitere Warnstreiks wahrscheinlich
In der Vergangenheit waren Warnstreiks im Einzelhandel für Kundinnen und Kunden nur wenig spürbar. Auch am Freitag sieht der Handelsverband Deutschland in einer ersten Stellungnahme keine Beeinträchtigungen. Trotzdem sei in den kommenden Tagen und Wochen mit weiteren Warnstreiks in Baden-Württemberg zu rechnen, so die Gewerkschaft. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Anfang Juni angesetzt.
ver.di weist Arbeitgeberangebote im Norden zurück
In Hamburg und Nordrhein-Westfalen haben die Arbeitgeber in der laufenden Woche Tarifangebote für den Einzelhandel vorgelegt. Die Gewerkschaft wies sie jedoch zurück. Es seien "vergiftete Angebote", die nicht einmal die Inflation ausgleichen würden, sagte Silke Zimmer, die im ver.di-Bundesvorstand sitzt.