In den vergangenen Wochen haben Waldbrände in mehreren Teilen Europas die Kapazitäten von Einsatzkräften in Anspruch genommen. An Frankreichs Atlantikküste mussten Dörfer evakuiert werden. Vor den Toren der spanischen Hauptstadt Madrid bekommen die Einsatzkräfte die Brände nicht in den Griff. Dort sind unter anderem Löschflugzeuge im Einsatz. Mit der Ausnahme von kleineren Bränden ist Baden-Württemberg bislang verschont geblieben. Löschflugzeuge hat das Land nicht: Man setzt auf umgerüstete Hubschrauber.
Helikopter von der Polizei unterstützen bei Bränden
Die Hubschrauber-Flotte der baden-württembergischen Polizei wurde 2016 komplett erneuert. Das teilte das Innenministerium am Donnerstag auf SWR-Anfrage mit. Sie besteht aus sechs Hubschraubern von Airbus Helicopters. Jedoch sind nicht alle für Löscharbeiten geeignet.
Die Hubschrauber-Flotte der baden-württembergischen Polizei: Behälter fassen 800 Liter Löschwasser
Auf SWR-Anfrage heißt es vom baden-württembergischen Innenministerium, dass die Polizei über zwei Außenlastbehälter verfüge, die man an die Hubschrauber montieren könne. Darüber hinaus habe man auch Zugriff auf die Außenlastbehälter der Bundeswehr. Die Behälter haben laut Innenministerium ein Fassungsvermögen von rund 800 Litern.
Die Behälter der Bundeswehr, auf die das Innenministerium verweist, sind unter anderem auch in den von schweren Bränden betroffenen Regionen in Frankreich im Einsatz. Dort feierten Soldaten des Hubschraubergeschwaders aus Laupheim (Kreis Biberach) erste Erfolge. Nach Angaben der Bundeswehr konnten die Rettungskräfte mithelfen, zu verhindern, dass sich die Brände in der Nähe von Bordeaux weiter ausbreiten.
Ministerium: Brände wie in Frankreich unwahrscheinlich
Brände, wie die im Westen Frankreichs, sind in diesem Ausmaß in Baden-Württemberg unwahrscheinlich, heißt es aus dem Innenministerium. Abgesehen von einzelnen bekannten Risikogebieten mit erhöhtem Potenzial für größere Vegetationsbrände sei die Gefährdungslage nicht mit Ländern oder Regionen vergleichbar, die regelmäßig großflächige Waldbrände erleben. Auch das sei ein Grund, warum man im Land über keine Löschflugzeuge verfüge. "Für Baden-Württemberg stehen daher andere Einsatzmittel im Vordergrund", heißt es aus dem Ministerium.
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Ein weiterer Grund: die Gewässer im Land. Die Wasseraufnahme durch Löschflugzeuge muss einigen Anforderungen gerecht werden, die in Baden-Württemberg nicht so leicht umzusetzen sind. "Die Wasseraufnahme durch Löschflugzeuge erfordert einen ausreichend langen, hindernisfreien Anflug- und Aufnahmebereich", heißt es aus dem Ministerium. Am Bodensee und an einigen Stellen im Rhein sei das theoretisch möglich.
Bodensee: Schwierige Bedingungen für Löschflugzeuge
Eine solche Sperrung des Bodensees wäre allerdings "aufgrund der hohen Nutzung, der internationalen Zuständigkeiten sowie der komplexen Schifffahrtsverhältnisse nur eingeschränkt praktikabel und erfordert entsprechend lange Vorlaufzeiten".
Bei einer außergewöhnlichen Einsatzlage verweist das Innenministerium jedoch darauf, dass Rückgriff auf Einheiten aus der Europäischen Union über das EU-Katastrophenschutzverfahren auch für Deutschland möglich sei.